Drohungen im Irankrieg: Unklarheit gut Trump-Ultimatum lastet gen Aktienkursen

Die Unklarheit über mögliche weitere Angriffe auf Iran hat am Montag an den Börsen rund um die Welt für starke Kursbewegungen gesorgt. Am Vormittag fiel der deutsche Leitindex Dax zunächst unter die Marke von 22.000. Grund war eine weitere Eskalation im Irankrieg. In der Nacht zu Sonntag hatte US-Präsident Donald Trump der iranischen Führung mit der Zerstörung von Energieanlagen gedroht, sollte das Land nicht innerhalb von 48 Stunden die Straße von Hormus vollständig öffnen. Teheran drohte seinerseits mit der vollständigen Schließung der für den weltweiten Ölhandel wichtigen Meerenge.

Gegen Mittag drehte sich das Bild, und der Dax gewann fast 1000 Punkte, nachdem Trump das Ultimatum verschoben und behauptet hatte, produktive Gespräche mit Vertretern Irans zu führen. Dem widersprach kurz danach der Iran, was wieder auf die Kurse drückte. Am frühen Nachmittag tendierte der Dax zeitweise auf rund 22.700 Punkten und damit etwa 1,4 Prozent im Plus.

Schon zum Schluss der vergangenen Woche hatten die Börsen rund um die Welt sehr schwach geschlossen. Der Dax ging mit einem Minus von zwei Prozent ins Wochenende, an der Wall Street verlor der marktbreite S&P 500 rund eineinhalb Prozent.

„Wenn die Ölarterie sich verengt, atmet das ganze System durch einen Strohhalm“, kommentierte Marktstratege Stephen Innes von SPI Asset Management. Er spielt damit auf die Straße von Hormus an. Iran kann sie weiter faktisch blockieren. Es gehe inzwischen weniger um Einzelereignisse, so Innes, als um die schiere Länge des Konflikts.

Vor dem Auf und Ab auf dem deutschen Markt hatten schon die Börsen in Asien kräftig nachgegeben. In Tokio rutschte der ‌Nikkei-Index um 3,5 Prozent auf 51.515 Punkte ab. Auch in China warfen Anleger Aktien aus ihren Depots. Die Börse Shanghai und der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und ⁠Shenzhen büßten jeweils mehr als drei Prozent ein. In Südkorea rauschte der Leitindex KOSPI um 6,5 Prozent in die Tiefe. Der KOSPI hatte in der vergangenen Woche gegen den globalen Trend zugelegt.

Auch der Goldpreis gab deutlich nach und büßte die Gewinne dieses Jahres nahezu vollständig ein. Am Montagmorgen fiel der Preis des Edelmetalls zeitweise um bis zu 3,8 Prozent auf 4.320,30 Dollar je Unze. Er lag damit weniger als einen Dollar über dem Schlussstand des Vorjahres. Später dämmte das Edelmetall seine Verluste auf rund 3 Prozent etwas ein. Seit Beginn des Irankriegs treiben steigende Ölpreise die Inflationsrisiken nach oben und verringern zugleich die Aussichten auf kurzfristige Zinssenkungen durch die US-Notenbank und andere Zentralbanken. Für das zinslose Gold stellt das einen Belastungsfaktor dar.

Der Ölpreis reagierte am Montag ebenfalls stark auf die weitere Entwicklung im Nahen Osten. Der Preis für ein Fass (159 Liter) Rohöl der für Europa maßgeblichen Nordsee-Sorte Brent stieg am Morgen erst leicht und sackte dann deutlich ab auf zuletzt rund 103 US-Dollar. Seit Beginn der Angriffe der USA und Israels gegen Iran hat sich Rohöl aus der Nordsee stark verteuert.

Source: faz.net