Droht jener Rückschlag?: Anleger in Bewegung setzen sich aufwärts unsicherem Terrain

Die Stimmung an den Märkten gleicht einem stark gespannten Gummiband: Jede neue Entwicklung lässt die Kurse von Einzeltiteln ruckartig in die eine oder andere Richtung schnellen. Die Anleger sind angespannt. Kein Wunder, stehen doch so einige richtungweisende Termine an. Die Berichtssaison für das dritte Quartal hat begonnen, die USA veröffentlichen die Inflationsdaten, nächste Woche Mittwoch steht der Entscheid der US-Notenbank Fed bevor. Zudem will sich kommenden Donnerstag US-Präsident Donald Trump mit Chinas Regierungschef Xi Jinping in China treffen, um über die Zölle und Handelsabkommen zu sprechen.

In dieser Gemengelage sind immer wieder Unkenrufe über einen möglichen bevorstehen „Crash“ an der Börse zu hören. Geht es mit den wichtigen globalen Börsenindizes weiter bergauf oder droht ein Rückschlag? Nach dem Dämpfer in der vergangenen Woche konnte sich der Dax in der abgelaufenen Börsenwoche behaupten. Hoffnungen, den Rekord von 24.771 Punkten zu erreichen oder gar zu übertreffen, haben sich aber zerschlagen. Am Freitagmittag notierte das Barometer kaum verändert auf einem Niveau von 24.200 Zählern – und damit höher als zum Wochenstart. Der marktbreite US-Index S&P 500 verfehlte seinen Höchststand nur knapp.

US-Inflation bei drei Prozent

Da am Freitag die Inflationsdaten für die USA veröffentlicht wurden, haben Investoren nun immerhin hier Gewissheit: Die Teuerung zog im Vergleich zum Vorjahresmonat weiter an. Im September habe die Inflationsrate bei drei Prozent gelegen, teilte das Arbeitsministerium mit. Volkswirte hatten 3,1 Prozent erwartet. Die Kerninflation ohne die schwankungsanfälligen Preise für Nahrungsmittel und Energie lag leicht niedriger als erwartet ebenfalls bei drei Prozent.

Wegen des seit Monatsbeginn andauernden Regierungsstillstands, welcher inzwischen bereits der zweitlängste der US-Geschichte ist, mussten die Anleger in der jüngeren Vergangenheit auf eine Vielzahl an US-Makrodaten verzichten. Dies galt bislang auch für die Zahlen zur US-Inflation für den Monat September. Dass sie nun nachgeliefert wurden, hat laut den Analysten der Landesbank Baden-Württemberg einen praktischen Grund: „Die Zahlen zur Entwicklung der Konsumentenpreise werden zur Berechnung der Höhe von Sozialleistungen benötigt, weshalb diese unverzichtbar sind“, schreiben die Fachleute in einem Marktkommentar. Ohne sie könnten die Gelder nicht rechtzeitig ausgezahlt werden.

Aber wird die Fed die Zinsen senken? Bislang sieht es danach aus. Die Kommunikation der Zentralbanker vor der Sitzung deute darauf hin, dass der Mangel an verfügbaren volkswirtschaftlichen Daten kein Grund sein könnte, die Zinsen nicht erneut um 25 Basispunkte zu senken, schreiben die Analysten der Fondsgesellschaft DWS und finden: „Dies erscheint seltsam, wenn man bedenkt, dass wir aufgrund des Verwaltungsstillstands quasi im Blindflug unterwegs sind.“

Bedenken über Kreditsektor

Es sei jedoch davon auszugehen, dass sich die Arbeitsmarktbedingungen seit dem letzten Monat nicht wesentlich verändert haben. Die Beurlaubung Tausender US-Regierungsangestellter sowie die möglichen Auswirkungen des Stillstands auf den privaten Sektor stützten die Annahme, dass die Risiken für die Beschäftigung nach wie vor größer sind als die Aufwärtsrisiken für die Inflation. „Auch wenn das Gesamtbild der Inflation weiterhin unklar ist, dürften die Unternehmen nach wie vor zögern, potentiell höhere Kosten aufgrund von Zöllen direkt an die Verbraucher weiterzugeben“, glaubt die DWS. Darüber hinaus könnten erneute Bedenken hinsichtlich der Gesundheit bestimmter Kreditsektoren das letzte Quäntchen für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte und ein Ende der quantitativen Straffung ausmachen, so die DWS.

Vergangene Woche waren Bilanzprobleme der beiden US-Regionalbanken Zions Bank und Western Alliance bekannt geworden und hatten Sorgen über die Kreditqualität im gesamten Sektor geschürt. Zions konnte die Anleger kurz danach aber mit guten Quartalszahlen beruhigen. Dank höherer Zinseinnahmen sei der Gewinn im dritten Quartal gestiegen, obwohl das Institut einen hohen Verlust aus zwei Krediten verbuchen musste.

Zuletzt waren nach den jüngsten Insolvenzen der US-Autokreditgeber First Brands und Tricolor auch Diskussionen um Autobanken in den USA aufgekommen. Diese Ereignisse hätten die Aufmerksamkeit auf Kreditbanken ohne Einlagengeschäft und insbesondere auf private Kreditmärkte und deren Verbindungen zur Private-Equity-Branche gelenkt, schrieben die Fachleute von Federated Hermes.

Source: faz.net