Hier wird der Führungsnachwuchs der Bundeswehr ausgebildet. An der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg studieren künftige Offiziere, die Vorbilder für ihre Männer und Frauen in der Truppe sein sollen. Doch nicht alle Studierenden der Hochschule scheinen den Grundsatz „Führen von vorn“ und die Vorbildfunktion von Offizieren verinnerlicht zu haben. Gegen mehrere Angehörige der Universität laufen Ermittlungen wegen Drogenmissbrauchs und Drogenhandels. Am Dienstagabend berichtete das Bundesverteidigungsministerium darüber und über Durchsuchungen von Polizei und Staatsanwaltschaft.
Aus Bundeswehrkreisen erfuhr die ZEIT, dass auf dem Campus harte Drogen wie Kokain konsumiert und verkauft worden sein sollen. Einer der Beschuldigten soll offenbar auch Cannabis angebaut haben. Zu den laufenden Ermittlungen könne sie keine Angaben machen, sagte eine Sprecherin der Helmut-Schmidt-Universität.
Auch zur Zahl der Beschuldigten gibt es keine Angaben. An der Universität sind gut 2.000 Studierende eingeschrieben, wie viele davon beschuldigt werden, Drogen konsumiert und verkauft zu haben, verraten Hochschule und Ministerium nicht. „Inzwischen sind weitere Verdachtsfälle zum unerlaubten Umgang mit Betäubungsmitteln bekannt geworden. Aktuell wird daher von mehreren Beschuldigten ausgegangen“, heißt es in einer Presseerklärung. „Die Bundeswehr hat auf Grundlage erster Ermittlungserkenntnisse ihrerseits erste disziplinare Sofortmaßnahmen verfügt.“ Jeglicher illegaler Umgang mit Betäubungsmitteln stehe in fundamentalem Widerspruch zum Selbstverständnis der Truppe und den in der Bundeswehr gelebten Werten.
Alkoholismus bleibt ein Problem in der Truppe
Doch mit den Werten ist das so eine Sache. An der Bundeswehruniversität in Hamburg beschäftigen nicht nur Drogen die Ermittler. Nun untersuchen sie erneut Hinweise auf entwürdigende Aufnahmerituale an der Universität. Solche Traditionen sorgten in der Vergangenheit bereits öfter für Aufsehen, etwa das Hochwürgen roher Leber bei den Gebirgsjägern, die Äquatortaufe bei der Marine oder heftiges Besaufen bei anderen Waffengattungen. Im vergangenen Jahr erregte ein Strafprozess in Berlin gegen Soldaten Aufsehen, die Kameraden gedemütigt hatten. Bei den meisten dieser Fälle waren die Täter angetrunken. Alkoholismus bleibt ein Problem in der Truppe.
Rituale seien nur zulässig, sofern sie die
Grenzen der guten Sitten und des Anstandes nicht überschreiten und die
Rechte
der beteiligten Personen dabei nicht verletzt werden, sagte Generalmajor Ansgar Meyer, Kommandeur des Zentrums Innere Führung, im Interview mit der ZEIT. „Das bedeutet
beispielsweise, dass sie nicht physisch übergriffig, ausgrenzend oder
diskriminierend sein
dürfen.“ Die Vorgesetzten seien gefragt, solche Missstände zu verhindern. Als
Bataillonskommandeur habe Meyer verboten, dass Alkohol bei
Aufnahmeritualen getrunken werde.
Die Leitbilder „Innere Führung“ und „Staatsbürger in Uniform“ sollen Soldaten fest in Demokratie und Rechtsstaat verankern und Skandale sowie Exzesse bei der Truppe verhindern. Drogenmissbrauch gibt es in der Truppe allerdings schon lange. 2024 habe
es 151 Erstmeldungen in der Kategorie „Straftaten und
Ordnungswidrigkeiten nach dem Betäubungsmittelgesetz und Fund von
Betäubungsmitteln“ gegeben, hält das Amt des Wehrbeauftragten fest.
Neuere Zahlen liegen nicht vor.
Auch Cannabis wird beliebter
Jeglicher Konsum von Betäubungsmitteln soll im Zusammenhang mit dem Dienst an der Waffe verhindert werden. Deswegen stellt bereits die einmalige Drogeneinnahme innerhalb oder
außerhalb des Dienstes einen Verstoß gegen die „Pflicht zum treuen
Dienen“ dar, wie es das Soldatengesetz verlangt. In den ersten vier
Dienstjahren führt der Konsum von Betäubungsmitteln in der Regel zur
fristlosen Entlassung. Das beträfe an der Helmut-Schmidt-Universität die
meisten Studierenden.
Unter jungen Bundeswehrangehörigen scheint zudem der Cannabiskonsum beliebter zu werden. Dabei ist allen Soldaten und damit auch Studierenden der Helmut-Schmidt-Universität der Drogenkonsum generell verboten. Das gilt auch für Cannabis,
dessen Einnahme von der Bundesregierung legalisiert wurde. 2024 entließ
die Bundeswehr 16 Soldatinnen und Soldaten wegen des Umgangs mit
Cannabisprodukten.
Hier wird der Führungsnachwuchs der Bundeswehr ausgebildet. An der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg studieren künftige Offiziere, die Vorbilder für ihre Männer und Frauen in der Truppe sein sollen. Doch nicht alle Studierenden der Hochschule scheinen den Grundsatz „Führen von vorn“ und die Vorbildfunktion von Offizieren verinnerlicht zu haben. Gegen mehrere Angehörige der Universität laufen Ermittlungen wegen Drogenmissbrauchs und Drogenhandels. Am Dienstagabend berichtete das Bundesverteidigungsministerium darüber und über Durchsuchungen von Polizei und Staatsanwaltschaft.