Dirk Bach wäre 65 geworden: Die Erinnerung an den kleinen König bleibt


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Am 23. April wäre Dirk Bach 65 Jahre alt geworden. Der deutschen Medienlandschaft fehlt der Komiker und Dschungelcamp-Moderator schmerzlich.

„Und wer tot ist, wird ein Stern.“ Diesen Satz sollte Dirk Bach in seiner Rolle als kleiner König Dezember auch vor Publikum sprechen. Im Herbst 2012 probte er bereits für die Premiere am Berliner Schlosspark-Theater. Doch zur Aufführung kam es nie. Am 1. Oktober 2012 wurde der Komiker tot in seinem Berliner Appartement-Hotel aufgefunden, er starb mit 51 Jahren an Herzversagen. Der Satz aus dem Theaterstück steht seitdem auf seinem Grabstein auf dem Kölner Melaten-Friedhof. Und als eben solcher Stern strahlt Dirk Bach auch an seinem 65. Geburtstag am 23. April herab auf Freunde und ein Publikum, die ihn nicht vergessen werden.

Das Jahre schienen an Dirk Bach zuvor immer spurlos vorüberzugehen. Zu bunt und alterslos waren seine Rollen und Verkleidungen. Mit Hingabe verkörperte er, der nie eine formale Schauspielausbildung absolviert hatte, alles, was er für sich passend erachtete. Sein Durchbruch gelang dem gebürtigen Kölner Mitte der 80er-Jahre als Komödiant im Satire-Theaterstück „Geierwally“. Es folgten etwa die „Dirk Bach-Show“ auf RTL oder die ZDF-Serie „Lukas“, aber auch ernste Rollen, bevor ihm ab 2004 die Moderation des RTL-Dschungelcamps den Status als Kultstar einbrachte.

Selbst Gegner des Trash-Formats mussten Bach für seine glühende Beobachtungsgabe Anerkennung schenken. Denn zwischen all dem Ungezwungenen, dem komischen Talent, seiner perfekten Drastik, versteckte Bach in jeder seiner Arbeiten noch eine zweite Ebene: Bedeutung im Unbedeutenden, Haltung im Haltlosen. Vielleicht schmerzt sein Verlust die Medienlandschaft auch deshalb heute noch so sehr.

„Die Welt ist scheiße geworden, seit er weg ist“

Wer über Dirk Bach spricht, kommt an Hella von Sinnen (67) nicht vorbei. 30 Jahre ihres Lebens hat die Komikerin mit ihm verbracht und gearbeitet, zeitweise sogar zusammengewohnt. „Die Welt ist so scheiße geworden, seit er weg ist. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr ich diesen Mann vermisse“, sagte sie zum zehnten Todestag 2022 dem Magazin „Bunte“. Sie als „Königin der Verdrängung“ wolle nach wie vor nicht trauern, sondern alles von sich wegschieben.

Aber sie will auch, dass die Erinnerung am Leben bleibt. Zum zehnten Todestag brachte von Sinnen deshalb gemeinsam mit ihrer langjährigen Ex-Lebensgefährtin Cornelia Scheel den Erinnerungsband „Dear Dicki“ heraus, in dem Schulfreunde, Weggefährten oder Kostümbildner persönliche Briefe an den Verstorbenen schrieben.

„Ich höre doch immer noch dein Lachen“

„Ich höre doch immer noch dein Lachen. Ich blicke immer noch hoch, wenn die Tür aufgeht, und erwarte, dass du reinkommst“, schrieb darin auch Sonja Zietlow (57) ihrem Freund. Und weiter: „Mit dir war alles leichter. Und sogar die Trauer irgendwie… weniger traurig. Jemand, der so voller Lust, Leben und Freude ist wie du, der stirbt nicht. Er findet einfach physisch nicht mehr so statt wie bisher.“ Von 2004 bis zu seinem Tod bildete sie mit Dirk Bach das prägende Moderatoren-Duo von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ – pointiert, dosiert respektlos und für viele bis heute unerreicht.

Vor zwei Monaten sprach Zietlow in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung erneut über die Bedeutung ihres früheren Kollegen, den Freunde liebevoll „Dicki“ nannten, für das Format. „Ohne Dicki würde es das Dschungelcamp heute nicht mehr geben“, betonte sie darin. „Er hat das mit uns aus der Taufe gehoben, aus dem Kindbett erhoben. Er war ein riesiges Vorbild. In seiner Art zu moderieren, zu spielen. Ich habe so viel von ihm gelernt.“

„Die berühmten ‚funny bones'“

Auch andere haben in dem Buch an den Starkomiker erinnert. Schauspielkollegin Cordula Stratmann (62) etwa, mit der er unter anderem in der Impro-Comedy „Schillerstraße“ vor der Kamera stand, lobte sein grundkomisches Talent: „Du jedoch hattest deinen kugelrunden Bauch stets voll mit Komik, bei Gebrauch füllte er sich augenblicklich aus dem tiefsten Inneren nach.“

Komiker Bastian Pastewka (54) hob hervor, dass Bach gezeigt habe, „dass es in der Komik eben nicht nur der perfekt gedrechselte Satz, das feinsinnige Wortspiel, das heitere Jonglieren der Ironie ist, sondern dass es um Persönlichkeit, Chemie und die berühmten ‚funny bones‘ geht.“ Und lustige Knochen hatte der kleine Mann, der in Köln im vergangenen Sommer seinen eigenen Dirk-Bach-Platz bekommen hat, vielleicht mehr als alle anderen.

SpotOnNews

Source: stern.de