Die elektronische Patientenakte (ePA) leidet unter Kinderkrankheiten, dabei müsste sie längst erwachsen sein. Geboren vor mehr als 20 Jahren, verhalf ihr der damals erfolglose Ziehvater Karl Lauterbach (SPD) erst als Gesundheitsminister zum Durchbruch: Er setzte durch, dass jeder Versicherte eine ePA bekam, es sei denn, er widersprach aktiv. Angelegt und befüllt wird die Akte seit dem Jahr 2025. Jetzt, zum 1. Oktober, sind alle Ärzte verpflichtet, sie wirklich zu nutzen. Das ist eine gute Nachricht.
Mit der ePA wird die Versorgung schneller, verlässlicher und sicherer. Für den einzelnen Patienten wie auch für die Allgemeinheit, denn die Informationen dürfen unter strengen Auflagen auch für die Forschung genutzt werden. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass die ePA Menschenleben retten wird, wie sie es in vielen anderen Ländern längst tut. Mehr kann man von einer technischen Neuerung im Gesundheitswesen nicht erwarten.
Ähnlich wie die Schwesteranwendung, das elektronische Rezept, ist die ePA auf große Widerstände und technische Schwierigkeiten gestoßen. Doch die Beschwerden werden zum Glück leiser. Das E-Rezept läuft inzwischen weitgehend geräuschlos und vereinfacht Patienten, Ärzten und Apotheken das Leben. Vergleichbares ist von der ePA zu erwarten.
Doch noch können sich die Verantwortlichen nicht zurücklehnen. Die bundeseigene Telematik-Gesellschaft Gematik sowie die Hersteller der Hard- und Software für die Praxen haben bei der Entwicklung und Implementierung der elektronischen Akte viel Zeit verloren, falsche Wege eingeschlagen, Vertrauen verspielt.
Noch immer klemmt es an einigen Stellen, die Nachbesserungen müssen kommen, bevor Ärzte ohne ePA-Anschluss im neuen Jahr sanktioniert werden. Die hohe Teilnahmequote zeigt aber, dass es praktikable Lösungen gibt, diese müssen Praxen und Kliniken nun auch nutzen. Wichtig wäre, dass alle Akteure, einschließlich der Krankenkassen, mehr Patienten die Möglichkeiten der ePA näherbringen.
Außerdem gilt es, die Registrierung zu vereinfachen und aus der Akte mehr zu machen als eine analog anmutende PDF-Sammlung. Aber wenn der Spätzünder ePA endlich erwachsen ist, wird er eine große Hilfe sein.