Digitale Souveränität: Deutsche Telekom und Nvidia konstruieren sich eine „KI-Fabrik“

Die Deutsche Telekom und der ameri­kanische Technologiekonzern Nvidia bau­en gemeinsam in München für rund eine Milliarde Euro ein Rechenzentrum für Industrieanwendungen. Zum ersten Quartal 2026 soll das Rechenzentrum den Betrieb aufnehmen. Die beiden Konzerne vermarkten das Rechenzentrum auch als „KI-Fabrik“. Durch die Leistungsfähigkeit der darin verbauten Chips sollen komplexe Rechenleistungen mit Künstlicher Intelligenz möglich sein – das vorrangige Ziel ist, die digitale Souveränität des Standorts Deutschland zu stärken. Am Dienstag haben der Telekom-Vorstandsvorsitzende Tim Höttges und der Nvidia-Chef Jensen Huang das Projekt in Berlin vorgestellt.

„KI ist eine riesige Chance. Sie wird helfen, unsere Produkte zu verbessern und unsere europäischen Stärken zu stärken“, sagte Höttges. Nach Ansicht von Huang hätten KI und Robotik das Po­tential, „eine neue Ära der industriellen Transformation einzuläuten“. 10.000 Hochleistungschips, sogenannte GPU, was für „graphic processing unit“ steht, sollen dort verbaut werden. In den Vereinigten Staaten entstehen derzeit deutlich größere dieser Rechzentren, so bauen Softbank, Open AI und Oracle zusammen in Texas eines mit 500.000 GPUs. Telekom-Chef Höttges bezeichnete das gemeinsame Projekt dann auch nur als ei­nen ersten Schritt, mit dem getestet werde, wie viele Unternehmen die neue In­frastruktur nutzen wollten.

Gute Kundenauslastung erwartet

„Wir haben sehr gute Signale, dass wir die Auslastung für die 10.000 GPUs hochfahren. Ich bin momentan sehr ermutigt über die Nachfrage, die wir sehen“, sagte Höttges. Mit dem neuen Rechenzentrum hätten Unternehmen und die öffentliche Hand die Chance, in Deutschland ihre Daten zu speichern und verarbeiten zu lassen. Zwar kooperiere man auf der technischen Ebene mit Nvidia mit einem amerikanischen Unternehmen, denn der Konzern sei eben der Weltmarktführer in diesem Bereich. Die Datensouveränität und auch der Betrieb lägen aber vollständig in eu­ropäischer Hand. Es werde ausschließlich europäische Software eingesetzt. Bislang gebe es vergleichbare Rechenzentren für KI-gestützte Industrieanwendungen nur in den USA und Asien.

„Es gibt keine Ausreden mehr“, sagte Höttges. „Deutschland wird nicht über­leben, wenn wir uns nicht an neue Technologien anpassen – und wir wollen schließlich Weltmarktführer bleiben in unseren Bereichen.“ Nach Ansicht von Nvidia-Chef Huang werde Deutschland einer der wichtigsten KI-Märkte der Welt werden. „Ich kann es kaum abwarten, mehr zu investieren“, sagte der Nvidia-Chef. Während das Rechenzentrum durch Investitionen der Unternehmen gebaut wird, überlege man, für weitere Bauten dann Infrastrukturpartner als Mitfinanzierer ins Boot zu holen, sagte Höttges.

In Berlin auf der Bühne stand auch Digitalminister Karsten Wildberger. Er bezeichnete das Rechenzentrum als „Inves­tition mit Signalwirkung“, das ein Schritt sei, um die Chancen der Künstlichen Intelligenz zu nutzen. „Wir dürfen nicht ausschließlich Kunden fremder Innovationen bleiben“, sagte Wildberger. „Wer heute nicht handelt, ist morgen abgehängt. Deutschland muss sein digitales Fundament jetzt stärken.“ KI stärke Wettbewerbsfähigkeit und schaffe nachhaltigen Wohlstand. „Für uns heißt digitale Souveränität nicht Abschottung. Sonst kommen wir doch nicht voran“, sagte Wildberger. Der Staat wolle nicht nur durch schnellere Genehmigung und verlässliche Verfügbarkeit von Energie mithelfen, sondern auch als Ankerkunde in solchen Rechenzentren Innovationen treiben.

Neben der öffentlichen Hand als Kunden präsentierte die Telekom zunächst vor allem Unternehmen, mit denen es schon Partnerschaften gibt. So wolle Perplexity AI das Rechenzentrum für seine KI-gestützte Suchmaschine nutzen. An dem amerikanischen Unternehmen ist die Telekom ebenso beteiligt wie an dem Münchner Drohnenhersteller Quantum Systems , der auch Kunde werden soll. Ein wichtiger Technikpartner für Nvidia und Telekom ist zudem der Softwarekonzern SAP, der die digitale Infrastruktur für das Rechenzentrum liefert. SAP-Chef Christian Klein sagte allerdings, dass es auch zahlreiche offene Schnittstellen gebe und nicht nur große Kunden bedient werden sollten. Es solle auch ein Start-up-Ökosystem aufgebaut werden. Die Investition ist Teil der Initiative „Made for Ger­many“, bei der zahlreiche Konzerne den Standort Deutschland mit Milliardensummen fördern wollen.

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