Diese Meisterschaft welcher Bayern ist verdient – zugegeben ein Problem zu Gunsten von die Bundesliga

Der FC Bayern ist wieder mal Deutscher Meister. Diesmal sogar bereits vier Wochen vor dem Saisonende. Gewinner der Saison ist der Trainer. Die Dominanz des Klubs schadet der Attraktivität der Bundesliga. Es mangelt vor allem an einem Faktor.

Der FC Bayern ist völlig verdient wieder Deutscher Fußball-Meister. Zum insgesamt 35. Mal, zum zweiten Mal in Folge. Der ehemalige Klubchef Karl-Heinz Rummenigge hat die Bundesliga immer als „Brot- und Buttergeschäft“ des Weltklubs bezeichnet. Und betont, die Meisterschaft sei der wichtigste und ehrlichste Titel – trotz des Glamours und der Verdienstmöglichkeiten in der Champions League.

Wichtig ist er weiterhin. Und hinter dem Titel steckt auch in dieser Saison wieder viel harte Arbeit. Er ist keine Selbstverständlichkeit. Doch für die Bayern inzwischen Pflicht. Sie sind der Konkurrenz in der Bundesliga entwachsen, spielen quasi in einer eigenen Liga.

In den vergangenen 13 Jahren gewann nur einmal eine andere Mannschaft als der Rekordmeister die Meisterschaft (2023/2024 Bayer Leverkusen). Das schadet der Attraktivität der Bundesliga. Den Münchnern ist der Titel bereits nach diesem 30. Spieltag nicht mehr zu nehmen – vier Spiele vor Saisonende. Das ist bezogen auf den Traum vieler Fans von spannenden Wochen im April und Mai viel zu früh, ein packendes Saisonfinale an der Spitze fehlt im deutschen Fußball.

Ein paar Zahlen, die belegen, wie einsam die Bayern ihre Kreise ziehen: Bereits am 29. Spieltag stellten sie mit 105 erzielten Toren einen Rekord auf. Der Tabellenzweite Borussia Dortmund kam zu diesem Zeitpunkt auf 60 Treffer. Die Kluft zwischen den Bayern und den anderen Topklubs ist enorm.

Gegen RB Leipzig gewannen die Münchner in dieser Saison 6:0 und 5:1. Das sagt viel aus. Dass es keinen „Bayern-Jäger“ gibt, dass der Vorsprung der Bayern maximal ein paar Tage oder Wochen pro Saison einigermaßen aufholbar ist, ist mit Blick auf die Klubs hinter den Münchnern enttäuschend.

Darauf, dass sich das zeitnah ändert, deutet wenig hin: Borussia Dortmund hat viel mit sich selbst zu tun und verlor am vergangenen Samstag 1:2 bei der TSG Hoffenheim, RB Leipzig ist trotz Siegesserie aktuell kein Meisterkandidat. Bereits nach der Hinrunde (elf Punkte Vorsprung auf den Zweiten) stellte sich für die meisten nicht mehr die Frage, ob Bayern Meister wird. Sondern nur, wann Bayern Meister wird. Und die Münchner tun viel dafür, damit sie ihre Übermacht in der Liga behalten – sie investieren in ihr Nachwuchsleistungszentrum, sind enorm finanzstark und leben derzeit geschlossen wie lange nicht das berüchtigte Klubmotto „Mia san Mia“.

Die Diskussion um 50+1 wird bleiben

Der Bundesliga fehlt an ihrer Spitze die Spannung. Dank ihrer Traditionsklubs und der besonderen Fankultur muss sie dennoch wohl keine Angst vor leeren Stadien haben. In Sachen Auslandsvermarktung und Einschaltquoten in anderen Ländern hilft es allerdings nicht gerade, wenn die anderen Mannschaften hinter dem FC Bayern nicht im Ansatz mithalten können. Die Rufe nach Investoren werden mitunter auch deswegen lauter, die Diskussion um die 50+1-Regel hält an, wird bleiben und möglicherweise noch intensiver geführt werden.

Bislang haben die Bayern in dieser Liga-Spielzeit lediglich eine Partie verloren (1:2 gegen den FC Augsburg). Die Mannschaft hat in dieser Saison oft spektakulären und unterhaltsamen Fußball geboten, der bislang höchste Sieg in der Liga war das 8:1 gegen den VfL Wolfsburg.

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Großer Gewinner dieser Liga-Saison ist Vincent Kompany. Er hat in englischen Wochen erfolgreich rotieren lassen und mehreren Talenten zu ihren Debüts im Profibereich verholfen. Und mit seiner ruhigen Art dafür gesorgt, dass der FC Bayern sogar Menschen sympathischer geworden ist, die ihn sonst recht kritisch sehen. Der Belgier führt seine Mannschaft voller Stars beeindruckend souverän.

Nach Jahren mit viel Unruhe ist dies der größte Gewinn für den Klub in dieser Saison – der FC Bayern ruht wieder in sich. Mannschaft und Trainer sind eine Einheit, die Klubführung agiert geschlossen. Der 35. Meistertitel ist die logische Folge.

Julien Wolff ist Redakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit Jahren über den FC Bayern und die Nationalmannschaft. Es ist die 13. Meisterschaft der Münchner, die er als Bayern-Reporter erlebt.

Source: welt.de

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