Eine KI, die ganze Songs inklusive Video per Prompt spuckt – in Minuten. Das Londoner Startup Mozart AI will Produktion, Mixing und Mastering automatisieren. Droht der Job von Musikproduzenten zu verschwinden? Ein Experte ordnet ein.
Eine KI, die komplette Songs inklusive Musikvideo in Minuten erstellt – das will das Londoner Startup Mozart AI möglich machen. Die Idee: Musikproduktion auf Knopfdruck. Doch was bedeutet das für Produzenten und Kreative?
Mozart AI Seed-Runde mit Top-Investoren
Mozart AI, gegründet 2025, hat gerade mal eben 6 Millionen US-Dollar in seiner Seed-Runde eingesammelt. Angeführt wurde sie von Balderton Capital, einem der renommiertesten europäischen VC-Fonds, der bereits in Quantum Systems und Revolut investierte.
Mit an Bord sind außerdem das Berliner Gründernetzwerk EWOR, das sich auf die Förderung von Tech-Talenten spezialisiert, der US-Investor Kevin Hartz, Mitgründer von Eventbrite und frühem Airbnb-Unterstützer, sowie unter anderem Mercuri, eine Londoner Beteiligungsgesellschaft mit Fokus auf Medien, Entertainment und Tech.
Das Startup entwickelt eine KI-native Digital Audio Workstation (DAW). Bedeutet: Klassische Studioarbeit wird durch KI-gestützte, promptbasierte Workflows ersetzt. Nutzer können eigene Kompositionen anstoßen oder KI-Agenten völlig autonom Musik produzieren lassen. Dazu lassen sich passende Musikvideos generieren und direkt in sozialen Netzwerken teilen – das Komplettpaket einer Musikproduktion also vereint in einem Tool.
Ein entscheidender Vorteil: Kreative behalten volle Kontrolle und alle Urheberrechte. Die Modelle basieren ausschließlich auf freiem Material, sodass die Songs kommerziell genutzt werden dürfen – trotz KI.
Seit der Beta im September haben bereits über 100.000 Nutzer mehr als eine Million Songs erzeugt. Mit dem frischen Kapital will Mozart AI das Team ausbauen, die Technologie weiterentwickeln und den großen Roll-out vorbereiten.
Experte für Musikbusiness über KI in der Musikbranche
Doch wie bewerten Experten diesen Trend? Leo Wagner, Dozent für Musikbusiness an der Münchner Volkshochschule und ehemaliger Manager bei Sony Music und Bamboo Artists, sieht darin lediglich die nächste Stufe einer Entwicklung, die längst begonnen hat. Laut ihm beschleunigen Tools wie Mozart AI die Demokratisierung der Musikindustrie rasant.
„Noch vor einiger Zeit waren Produktion, Mixing und Mastering mit hohem personellem, zeitlichem und finanziellem Aufwand verbunden – das ist heute anders.“ Schon Mitte der 2010er Jahre senkten Digital Audio Workstations diese Eintrittsbarrieren deutlich, was zu einem Boom sowohl amateurhafter als auch professioneller Produzenten führte.
KI wird diesen Trend nun vervielfachen. Einfache Musikproduktionen erfordern künftig kaum noch Fachwissen – der Zugang zum Markt wird noch breiter.
Hören wir also bald alle dieselbe KI-Musik – und wird der Produzent überflüssig? Wagner glaubt: Auch hier entsteht ein neues „Level Playing Field“. Wer sich auf Aufgaben konzentriert, die KI ohnehin besser kann, wird verdrängt. Wer sie jedoch als Werkzeug nutzt und mit Kreativität ergänzt, kann sich behaupten. Besonders stark betroffen seien hier zweckgebundene Produktionen wie Jingles oder Notification-Sounds.
In emotional aufgeladenen Projekten hingegen – etwa in der Popmusik – bleibe der Mensch unersetzlich. Denn dort zähle nicht nur technisches Können, sondern vor allem Empathie, Kompromissbereitschaft und Intuition – Qualitäten, die eine KI (noch) nicht beherrscht.
Source: businessinsider.de