Die wichtigsten Antworten zur Riester-Nachfolge


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Stand: 24.03.2026 • 22:13 Uhr

Attraktivere Zulagen, ein Altersvorsorgedepot und die Förderung von Selbstständigen: Schwarz-Rot hat sich auf eine grundlegende Reform der privaten Altersvorsorge geeinigt. Was sehen die neuen Regeln vor? Ein Überblick.

Union und SPD haben sich auf Details für eine neue staatliche Förderung der privaten Altersvorsorge geeinigt. Damit soll es ab Januar 2027 einen attraktiven Nachfolger für die immer unbeliebtere Riester-Rente geben. Privat fürs Alter vorsorgen soll sich dann auch für Menschen mit wenig Geld und für Selbstständige stärker lohnen.

Warum ist eine Reform überhaupt nötig?

Die Riester-Rente sollte Bürgerinnen und Bürgern Sicherheit bringen, deren gesetzliche Rente perspektivisch nicht ausreichen wird. Sie wird mit staatlichen Zulagen und Steuervorteilen gefördert.

Außerdem sind Anbieter verpflichtet, eingezahlte Beiträge zu 100 Prozent zu garantieren, sodass man kein Risiko eingeht. Deswegen sind aber die Renditechancen auch enorm eingeschränkt. Zugleich fallen hohe Abschluss- und Verwaltungskosten an, die an Versicherungen und Finanzinstitute gehen.

Viele Menschen haben sich daher bereits entschieden, nicht weiter in ihre Riester-Verträge einzuzahlen oder sie ganz zu kündigen. Ende 2024 gab es nach Zahlen des Bundesarbeitsministeriums noch knapp unter 15 Millionen Verträge – doch in geschätzte 20 bis 25 Prozent davon wurde überhaupt nicht mehr eingezahlt.

Wie sieht die neue Regelung aus?

Kern der Reform ist die Abkehr von der starren Beitragsgarantie. Es soll zwar weiterhin eine private Altersvorsorge für sicherheitsorientierte Sparer geben, bei der 100 Prozent der eingezahlten Beiträge garantiert auch ausgezahlt werden. Dazu kommt nun jedoch eine Variante mit 80-prozentiger Garantie. Damit können die Versicherer die Beiträge schon etwas gewinnbringender am Kapitalmarkt anlegen.

Neu eingeführt wird vor allem aber auch ein Altersvorsorgedepot, das hohe Renditen am Kapitalmarkt ermöglicht, aber keine Garantien gibt. Künftig haben Sparer die Wahl zwischen diesen verschiedenen Produkten.

Finanzminister Lars Klingbeil hatte vorgeschlagen, dass die Kosten für ein Standarddepot – also für alle, die wenig Erfahrung am Kapitalmarkt haben – auf 1,5 Prozent gedeckelt werden sollten. Daran gab es breite Kritik, unter anderem dass hohe Renditen so nicht möglich seien. Die Fraktionen von Union und SPD im Bundestag einigten sich nun auf einen Kostendeckel von einem Prozent der Effektivkosten.

Außerdem neu ist, dass auch Selbstständige die Möglichkeit zur Vorsorge mit Förderung bekommen sollen. „Denn auch bei den Selbstständigen haben wir prekäre Situationen im Alter“, heißt es aus der Koalition.

Wieviel schießt der Staat zu?

Auch hier besserte die Koalition noch einmal nach, vor allem für Familien und für Sparer, die keine hohen Summen einzahlen können. Finanzminister Klingbeil hatte vorgeschlagen, dass der Staat für jeden eingezahlten Euro bis jährlich 1.200 Euro 30 Cent zuschießt (ab 2029 dann 35 Cent). Für jeden eingezahlten Euro zwischen 1.200 und 1.800 Euro sollte es 20 Cent geben. Die Grundzulage hätte damit bis zu 480 Euro jährlich betragen.

Jetzt einigten sich Union und SPD auf ein anderes Modell: Für jeden eingezahlten Euro bis jährlich 360 Euro soll es 50 Cent vom Staat geben. Für jeden eingezahlten Euro zwischen 360 und 1.800 Euro dann 25 Cent. Die maximale Grundzulage steigt damit auf 540 Euro jährlich. Am größten ist der Vorteil für Sparer, die monatlich nur bis zu 30 Euro zurücklegen können.

Außerdem sollen Eltern schon ab einem monatlichen Sparbeitrag von 25 Euro den vollen Kinderzuschlag von 300 Euro pro Kind und Jahr erhalten können. Der Staat gebe Eltern, die nur sehr wenig zurücklegen könnten, damit für jeden Euro Eigenbeitrag einen Euro hinzu, rechnen die Koalitionäre vor.

Was bedeutet das für die Staatskasse?

Durch die von Union und SPD ausgehandelten Änderungen wird die neue Altersvorsorge für die Staatskasse teurer. Allein, dass künftig auch Selbstständige gefördert werden, könnte nach Angaben der Koalition rund 370 Millionen Euro zusätzlich kosten – die Anhebung der Fördersätze weitere 15 Millionen.

Wie äußert sich die Koalition?

Finanzminister Klingbeil lobte den Kompromiss. „Wir machen es für alle Generationen und alle Einkommen leichter, privat fürs Alter vorzusorgen“, erklärte er. Die private Altersvorsorge werde günstiger, einfacher und unbürokratischer.

Und er versprach: Die Bundesregierung arbeite auch an der Umsetzung der sogenannten Frühstartrente. Perspektivisch sollen alle Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren damit monatlich zehn Euro vom Staat für ein Altersvorsorgedepot bekommen. Los gehen soll es mit dem Geburtsjahrgang 2020. Ab 2029 sollen auch ältere Jahrgänge berücksichtigt werden – welche genau das betrifft, ist noch offen.

Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) äußerte die Erwartung, dass künftig „flexibler und vor allem mit besseren Renditechancen“ fürs Alter vorgesorgt werden könne, etwa mit ETF-Sparplänen und Aktien.

Welche weiteren Reaktionen gibt es?

Ein Standarddepot soll erstmals auch von einem öffentlichen Träger angeboten werden – nach Hoffnung der Koalition kostengünstiger als von privaten Finanzinstituten. Die Versicherungswirtschaft kritisierte dies als einen falschen Ansatz. „Die Aufgabe des Staates sollte darin bestehen, private Vorsorge zu ermöglichen, nicht private Vorsorgeprodukte durch einen Staatsfonds zu verdrängen“, erklärte Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Verbraucherschützer fordern schon länger ein öffentlich-rechtlich organisiertes Standardprodukt. Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, begrüßte die Einigung als „Meilenstein für Verbraucherinnen und Verbraucher“ und einen „guten Tag für alle, die privat vorsorgen müssen“. Denn endlich werde es ein Standardprodukt für alle geben, das kostengünstig und renditestark sein soll.

Von den Grünen kam einerseits Lob: Mit dem öffentlich verwalteten Standardprodukt hätten sich Union und SPD offensichtlich an ihrem Vorschlag eines Bürgerfonds orientiert. Andererseits kritisierte die Grünen-Sprecherin für Finanzpolitik, Katharina Beck, durch den Verzicht auf eine automatische Teilnahme aller Bürgerinnen und Bürger „mit freier Opt-out-Option“ verpasse die Koalition „die Riesenchance für einen echten Neustart in der privaten Altersvorsorge für die Breite der Bevölkerung“.

Linkspartei-Fraktionschef Sören Pellmann kündigte Widerstand gegen die Pläne an. Die „bereits abgehalfterte Riesterrente, die krachend gescheitert ist“, solle nun über ein neues Modell wieder eingeführt werden. Statt auf Privatvorsorge müsse stärker auf eine auskömmliche gesetzliche Rente gesetzt werden.

Ab wann kann man die neue Vorsorge abschließen?

Der Bundestag soll das Gesetz noch in dieser Woche beschließen, danach ist der Bundesrat am Zug. Zum 1. Januar 2027 sollen die neuen Vorsorge-Produkte dann auf dem Markt sein.

Auch Inhaberinnen und Inhaber alter Riester-Verträge können über einen Wechsel nachdenken. Für die Altverträge gibt es zwar einen Bestandsschutz, man kann aber auch in ein neues Modell wechseln, ohne die bisherige Förderung zurückzahlen zu müssen. Es können allerdings Wechsel-, Abschluss- und Vertriebskosten anfallen – diese werden laut Finanzministerium gesetzlich gedeckelt.

Mit Informationen der Nachrichtenagenturen dpa und Reuters

Source: tagesschau.de