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Dass Verbraucherinnen und Verbraucher jetzt ihren Schufa-Score einsehen können, ist richtig und wichtig. Und doch bleiben eine Menge offene Fragen.
Zu allererst: Heute ist nicht der „Feiertag“, den die marketingbewusste Schufa praktisch ausgerufen hat. Heute ändert sich nicht alles für Deutschlands Verbraucherinnen und Verbraucher, denn der neue Schufa-Score wird erst schrittweise eingeführt – in den kommenden fast drei Jahren. Der weitaus überwiegende Anteil der Unternehmen, die von der Schufa die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden berechnen lassen, wird weiterhin erst einmal den alten, undurchsichtigen Score nutzen.
Doch tatsächlich: Der neue Schufa-Score ist nachvollziehbarer als der alte. Bislang gab es weit über 200 verschiedene Merkmale, aus denen die Verbrauchernoten berechnet wurden. Künftig gibt es nur noch zwölf. Bisher hatte die Schufa vergleichsweise wenig über diese Merkmale mitgeteilt, jetzt sind alle zwölf bekannt. Man kann sie online in einer App einsehen – und man kann auch sehen, was den Score verbessert und was ihn runterzieht. Das ist eine Transparenz, wie man sie von Deutschlands größter Wirtschaftsauskunftei noch nicht kannte.
Das Transparenzversprechen kennt Grenzen
Dennoch sollte man sich nicht zu früh freuen. Der neue Score löst nicht alle Probleme, die Verbraucherinnen und Verbraucher mit der Schufa bislang hatten. Und auch das Transparenzversprechen hat seine Grenzen. So erfährt man jetzt zwar, dass es beispielsweise gut ist, wenn man selten umzieht und sein Konto immer bei einer Bank behält. Wer das tue, sei zuverlässiger als Kunde, das sei statistisch belegt. Das aber muss man der Schufa dann glauben, die entsprechenden Gutachten: Betriebsgeheimnis.
Aber was fange ich dann mit der Information an, dass es besser ist, lange an einem Ort zu wohnen und nur eine Bank zu haben? Einen Umzug absagen, weil der Score sonst runtergeht? Bei einer Bank bleiben, mit deren Service ich schon lange nicht mehr zufrieden bin? Die Botschaft der Schufa ist hier: bloß nicht zu mobil und zu mündig sein als Verbraucher.
Die Schufa versucht einen Imagewandel
Eine böse Überraschung könnte hier auch auf die Jüngeren zukommen. Die haben ein Konto meist erst seit kurzem und sind womöglich gerade von zuhause ausgezogen: Schon geht der Score um mehr als zehn Prozent runter. Und dann das Thema Datenqualität. Wenn bisher jemand falsch bewertet wurde von der Schufa, dann lag das oft an fehlerhaften Daten. Jetzt lassen die sich zwar leichter in der App überprüfen und notfalls auch ändern. Aber dazu muss man erst einmal merken, dass etwas nicht stimmt.
Man sieht also: Die Tücken stecken in den Details, und der neue Score ist vor allem ein Marketing-Erfolg der Schufa. Sie ist nun in aller Munde – und mal nicht als böse Datenkrake, sondern als verbraucherfreundliches, modernes Unternehmen. Bis Verbraucherinnen und Verbraucher aber sehen, ob ihnen die neue Transparenz auch wirklich nützt und ob sie vielleicht sogar besser dastehen in Sachen Kreditwürdigkeit, wird noch einige Zeit vergehen.
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Source: tagesschau.de