Die koreanische Boyband BTS feiert ihr Comeback in Seoul

Stand: 24.03.2026 • 18:17 Uhr

BTS, die erfolgreichste Boygroup der Welt, sind zurück. Am Wochenende feierten sie ihr Comeback mit neuem Album, einem großen Reunion-Konzert und jeder Menge Referenzen an Koreas Traditionen und Werte.

Von Dominic Konrad, SWR Kultur

Größer hätten BTS ihre Rückkehr auf die internationale Bühne wohl kaum inszenieren können. Vor vier Jahren verabschiedeten sich die sieben Sänger der koreanischen Boyband – Jin, Suga, J-Hope, RM, Jimin, V und Jung Kook – in die Zwangspause. Alle Mitglieder leisteten ihren Militärdienst, der in Südkorea angesichts der ständigen Bedrohung durch den nordkoreanischen Nachbarn für junge Männer verpflichtend ist. Zudem nutzten sie die kreative Auszeit, um sich individuell verschiedenen Soloprojekten zu widmen.

Der vorläufige Abschied kam auf dem Zenit des Erfolgs: Singles wie „Dynamite“ und „Butter“ stellten Streaming-Rekorde auf, wurden etwa auf YouTube allein in den ersten 24 Stunden mehr als 100 Millionen Mal abgerufen. Zwischen 2020 und 2021 hatte die Band in zehn Monaten fünf Nummer-1-Hits in den US-Single-Charts. Vergleichbares war zuletzt Michael Jackson 1988 gelungen.

BTS-Comeback-Konzert in 77 Länder übertragen

Nun sind sie zurück. „Arirang“, das lang erwartete fünfte Album der Band, wurde am Freitag veröffentlicht. Bereits in den ersten 24 Stunden verkaufte es sich millionenfach.

Einen Tag später feierte die Boyband vor ihren Fans bei einem kostenlosen Konzert auf dem Gwanghwamun-Platz im Zentrum von Seoul ihre Rückkehr.

Zwar blieb der Besucheransturm deutlich unter den Erwartungen: 260.000 Fans waren im Vorfeld erwartet worden, nach dem Konzert korrigierte HYBE, die Agentur hinter BTS, die Zahlen auf 104.000. Die Polizei in Seoul sprach sogar von nur 42.000 Besucherinnen und Besuchern. Ein Erfolg war das Konzert dennoch, zumindest auf Netflix: Der Streaming-Anbieter übertrug es nahezu weltweit live, in 77 Ländern landete das Event an der Spitze der Netflix-Charts, wie koreanische Medien berichteten.

Im Zentrum der koreanischen Popkultur-Welle

Wie keine anderen Künstler stehen BTS für die „Hallyu“, die große koreanische Popkultur-Welle der vergangenen Jahre. Markierte „Gangnam Style“ von Psy 2012 den Startpunkt einer internationalen Korea-Begeisterung, sorgten BTS seit ihrem internationalen Durchbruch 2017 für deren Fortbestand, in dem sie bis zu ihrer Auszeit Rekord um Rekord brachen.

Unterdessen gewann mit „Parasite“ von Bong Joon-ho 2020 erstmals ein nicht-englischsprachiger Kandidat den Oscar für den besten Film. Die Serie „Squid Game“ war in der Pandemie ein Streaming-Phänomen. Die Südkoreanerin Peggy Gou zählt zu den erfolgreichsten DJs weltweit. Und zuletzt wurde mit „Golden“ aus dem Film „KPop Demon Hunters“ erstmals ein K-Pop-Titel als bester Filmsong bei den Grammys und den Oscars ausgezeichnet.

Der weltweite Erfolg von BTS macht die Mitglieder auch zum wichtigen Sprachrohr auf der weltpolitischen Bühne: Als UNICEF-Botschafter und offizielle Sondergesandte des südkoreanischen Präsidenten sprachen sie 2020 und 2021 vor den Vereinten Nationen über Resilienz während der Pandemie, über Nachhaltigkeit, den Klimawandel und die junge Generation. 2022 begrüßte der damalige US-Präsident Joe Biden die Pop-Gruppe im Weißen Haus, um über anti-asiatische Diskriminierung und Rassismus zu sprechen.

BTS präsentieren sich mit neuem Sound

Mit ihrem Comeback präsentieren sich BTS nun als gereifte Musiker. Ihr neuer Sound unterscheidet sich maßgeblich vom poppigen Klang der letzten Alben. Die Lead-Single „Swim“ des neuen Albums „Arirang“ nimmt Anleihen an den Synthie-Pop der 1980er-Jahre, mit Songs wie „Body to Body“ und „Aliens” betonen die Musiker vor allem ihre Wurzeln im koreanischen HipHop.

Ungewöhnlich: der Track „No. 29“ als Ruhepol in der Mitte des Albums. Da erklingt die heilige Glocke des Königs Seongdeok, ein Nationalschatz Koreas aus dem 8. Jahrhundert, und hallt knapp zwei Minuten in die absolute Stille. Es ist ein unmissverständliches Statement: So traditionsbewusst koreanisch wie auf „Arirang“ haben sich BTS noch nie präsentiert.

Den Rückbezug auf Koreas Traditionen und Werte liefert bereits der Titel des neuen Albums. „Arirang“ ist das wohl bekannteste Volkslied des Landes. Über Jahrhunderte wurde es in verschiedenen Fassungen tradiert. Heute gilt es als Symbol für Koreas nationale Identität. 2012 setzte die UNESCO „Arirang“ auf die Liste des Immateriellen Kulturerbes.

BTS steht für die nationale Identität

Auch das Cover des Albums, das die sieben Mitglieder in grauen Anzügen zeigt, ist eine direkte Reminiszenz an die historische Bedeutung des Liedes. Es soll an koreanische Studenten erinnern, die 1896 in Washington D.C. die erste bekannte Tonaufnahme des Lieds einsangen.

Da verwundert es kaum, dass BTS ihr Comeback-Konzert direkt vor dem Haupttor des ehemaligen Königspalastes Gyeongbokgung spielen durften. Als derzeit erfolgreichste Band der Welt haben BTS selbst Geschichte geschrieben und stehen so heute nicht weniger für die nationale Identität und das koreanische Nationalbewusstsein wie die historischen Monumente, in deren Tradition sie sich selbst stellen.

Comeback ein Erfolg – auch für Korea

Mit der Welttournee zu ihrem neuen Album könnten BTS gleich die nächste Bestmarke setzen: Die 41 Konzerte in Nordamerika und Europa – darunter zwei Shows in München – waren binnen weniger Stunden ausverkauft. Experten rechnen damit, dass die Tour die Gewinn-Rekorde brechen könnte, die Taylor Swift mit ihrer „Eras“-Tour aufgestellt hat – bei deutlich weniger geplanten Shows.

Das Comeback ist in jedem Fall bereits jetzt ein enormer Erfolg: für die sieben Künstler auf der Bühne genauso wie für Korea als aufstrebende Kulturmacht.

Source: tagesschau.de