Die Heuchelei jener Israel-Kritiker

Zweierlei Maß. Wer Israels Beziehungen zu der restlichen Welt auf einen Begriff verdichten mag, dem gelingt dies mit eben diesen beiden Worten. Das jüngste Beispiel ergibt sich aus dem Umgang mit der israelischen Bodenoffensive im Libanon. „Völkerrechtswidrig“ schimpfen die einen, ein Verstoß gegen die UN-Resolution 1701, wettern die anderen. Eben darin entlarvt sich die Verlogenheit.

Resolution 1701, die 2006 vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedet wurde, sieht den Rückzug israelischer Truppen aus dem Libanon vor. Im Gegenzug sollte die Hisbollah entwaffnet werden. Zwar zogen die Israelis ab, die schiitische Terrororganisation aber behielt ihre Waffen und baute ihre Arsenale über Jahre aus. Den Verstoß nahmen westliche Politiker gleichgültig hin.

Heute wird Israel täglich von rund 150 Raketen der Hisbollah angegriffen. Auch darüber spricht kaum jemand. Erst seitdem Israel sich anschickt, in einer neuen Bodenoffensive bis zum Litani-Fluss vorzustoßen, um seinerseits die Resolution umzusetzen, also die Hisbollah zu entwaffnen, sind die Staaten empört. Spanien zieht seinen Botschafter ab, Frankreich drängt Jerusalem zur Mäßigung. Beide hätten den Konflikt entschärfen können, wenn sie die Hisbollah entwaffnet hätten. Sie taten es nicht – wie es auch die übrige Welt unterließ.

Die internationale Gemeinschaft im Allgemeinen, Europas Regierungen im Besonderen haben ein gehöriges Maß an Mitschuld für den Konflikt. Doch statt Selbstkritik zu üben, gefallen sich Israels Kritiker in ihrer Heuchelei. Auch wegen dieser Doppelmoral ist der Zionismus entstanden.

Source: welt.de

7. Oktober 2023)HisbollahIsrael (Hamas-Angriff auf IsraelIsrael-PolitikLibanon