Umut wimmert, Umut heult, Umut muss gehen. Die „Stars“ stellen sich bei der Prüfung unnötig dumm an – vor allem aber blockiert Ariel mit ihrer Geltungssucht, dass sich irgendetwas im Camp zum Guten entwickelt.
Die Älteren und die Kleinwagenfahrer unter uns, die noch wissen, wie „Schaltautos“ klingen, erinnern sich sicher noch an dieses hohe, nervtötende Sirren. An das überdrehte Geräusch eines Motors, bei dem der Fahrer partout nicht in den nächsthöheren Gang schalten will. Genauso – kreischend, ineffizient, zudem seltsam Herzschmerz wie Spaß befreit – rumpelt aktuell die Besatzung unseres allerliebsten TV-Campingmobils in die zweite Australienwoche. Oder, wie es User namens D-Jay es unter dem Hashtag #IBES2026 auf X treffend sagte: „Was für eine Trümmertruppe.“
Da nicht nur das Getriebe leidet, wenn niemand einen Gang hochschaltet: Fassen wir Tag 9 rasch zusammen und analysieren den Grund des aktuellen Elends.
Wer mit wem, vergeblich: Zu Beginn großes RTL-Versöhnungskino, inszeniert von Eva, Ankuschelopfer ist Samira, also die Frau, mit deren Mann Eva – nicht als einzige – ins Bett ging. Das maximal „kunstvolle“ Eröffnungsbild. Eva tritt am Lagerfeuer auf die da hockende Samira zu: „Samira, liegt Dir irgendetwas auf dem Herzen?“ – Samira: „He? Wieso sprichst Du mich jetzt an?“ Auf dem Niveau etwa geht es, dann nur noch zu zweit, weiter. Eva, Betrügerin, erklärt Samira, der Betrogenen, sie müsse den Schmerz zulassen, die Trauer um die Beziehung dauere zwei Jahre, sie wisse das aus Erfahrung. Samira müsse aber ihre Wut überwinden. „Groll von innen heraus ist nicht schön.“ Bedeutungsschwangere Pause, tiefer Blick durch falsche Wimpern: „Du bist so viel mehr als das …“ Samira am Dschungeltelefon: „Die ganze Situation ist so krank. Ich will von Eva keine Lebensweisheiten.“
Immerhin erfährt die Reality-Gemeinde, dass Serkan, von Beruf ebenfalls „Reality-Star“ und bald Samiras Ex-Mann, bisher keinen Unterhalt für die beiden Kleinkinder zahlt.
Das, kein Witz, war noch eine der besseren Geschichten.
Wer gegen wen: Alle Frauen gegen Eva – und auch bisschen gegen Patrick. Angestiftet von Giftspritze Ariel, dankbar aufgesogen von Erzfeindin Samira, exekutiert von Simone Ballack wird Bauer Patrick gefragt, ob er es eigentlich okay finde, wenn seine angeblich so geliebte Freundin, die ja im Angehörigenhotel am Rande des Dschungels warte, am Bildschirm mitansehen müsse, wie Eva ihn beständig anflirte. Die Beschuldigte, weitgehend isoliert im Camp, sucht tatsächlich seine Nähe (einen Verbündeten in der Reality-Clique), aber bisher sehr harmlos. Am Ende der Folge gesellt sich noch die nicht nur immer schmalere, sondern auch dünnhäutige Mirja du Mont, die Eva anfährt, weil diese ihr in der Dusche völlig unnötig im Weg gestanden hätte dazu. Ariel beim Showdown am Lagerplatz, auf ihre porentief-rücksichtslose Art, vor versammelter Camp-Insassenschaft: „Patrick ist ein vergebener Mann. Wenn hier nicht überall Kameras wären, er hätte Eva schon längst gebumst!“
Die Prüfung: Hieß „Genöhle Höhle“ und bestand in der Aufgabe, elf bunte Sterne, jeweils in fünf Teile „zerbrochen“, wie Puzzle wieder zusammenzusetzen. Sechs Prüflinge wurden gebraucht, alle wollten. Ariel, Eva und Gil, die in Woche eins dran waren, hatten Pause, auch Hubert und Hardy. Die anderen mussten sich in eine enge, aber nicht sehr dunkle Höhle zwängen, reihten sich darin nebeneinander auf, die Köpfen ragten aus dem Boden, die Arme kamen aus Löchern neben dem Kopf, sie mussten Schutzbrille tragen und regelmäßigem Kakerlaken-, Mehlwürmer- und Ameisenregen von oben ertragen. Elf Sterne in elf Minuten. Klingt einfach? War es für Simone Ballack auch. Sie hatte die beiden Sterne, die in ihrem Blickfeld lagen, in wenigen Minuten zusammengesetzt. Zwei Sterne. Es blieben die einzigen. Alle anderen scheiterten daran, aus fünf unterschiedlichen Teilen den Stern zusammenzusetzen „Ich kann das Puzzle nicht“, rief immer wieder Mirja du Mont. Stellvertretend. Stephen, Patrick, Samira, alle verzweifelten. Nur Umut nicht: der schrie und wimmerte und weinte und zeterte. Non-stop. Vermutlich ist das die Ebene, auf der er sich mit Ariel so gut versteht.
Was eigentlich ist das Problem der IBES-Klasse von 2026? Es ist, kurz gesagt, das Fehlen echter Sympathieträger (Ausnahme: Hubert Fella, der bisher aber nur eine Nebenrolle spielt) das Fehlen von Gefühlen, die nicht komplett kalkuliert wirken. Das Ausbleiben jener typischen Dschungelcamp-Momente, in denen Kandidaten sich selbst, die anderen Camper, die Zuschauer überraschen. Eine Veränderung erkennbar wird. Menschen Dinge tun, die sie nie taten. Erkenntnisse gewinnen, die man ihnen nicht zutraut. Ihre Ängste überwinden, über sich hinauswachsen. Es fehlt an Schwere wie an Leichtigkeit, an Spaß wie an Dramatik (nicht: Drama). Es fehlt an allem eigentlich jenseits von Posen, billigem Kalkül und Sprüchen. Und damit wären wir bei denen, die dem Elend dieser Staffel ihr Gesicht geben: Ariel und Gil.
Unterschiedsspieler: Jede Staffel IBES hat und braucht die eine Person (manchmal auch: zwei), die mit ihrer Exzentrik Dynamik ins Camp bringt. Die Dinge in Bewegung setzt, weil sie anders ist. Nachwuchsmodels mit fragiler Persönlichkeit wie Sarah Knappik, Gisele Opppermann oder Larissa Marolt (als Heidi Klums ProSieben-„Mädchen“ noch „beim RTL“ erwünscht waren). Oder aber „Reality“-Granaten wie im vergangenen Jahr Edith Stehfest und Sam Dylan. Ohne sie wird es rasch fad.
Dieses Jahr hat diese Rolle die kleine Schweizerin Ariel sofort an sich gerissen. Und gibt sie seither in keiner Sekunde wieder her. Teilt sie nur insofern mit Gil Ofarim – Hauptrolle als „Sünder auf dem Weg der Läuterung“ –, als dass sie sich täglich wie ein Terrier in ihn verbeißt. Mit den immer gleichen Worten. Gil Ofarim an Tag 9: „Lass gut sein, Ariel! Suche Dir jemanden anderen für Deine Sendezeit. Ich bin müde von dir.“ Ein Satz, der eine Ariel nur triggert, noch fester zuzubeißen.
Prime-Time-Ariel: Ariel tut jeden Tag wirklich alles, um immer im Bild und auf Sendung zu sein. Und sie bekommt diesen Gefallen auch von den Machern des Dschungelcamps – mehr als dem Camp guttut. Diesmal etwa begann die Schweizer Plage auf einmal zu behaupten, sie glaube, die Erde sei eine Scheibe. Außerdem: „Der Herr Armstrong, der war nie auf dem Mond. Das ist Bullshit.“ Hardy: „Willst Du uns verarschen?“ – „Das weiß ich von TikTok.“ Mirja: „Das muss ein schlechter Scherz sein.“ Hubert: „Frag das mal Herrn TikTok.“
Der Unterschied: Alle diese „Unterschiedsspieler“ in der Geschichte des Dschungelcamps, um es mal in der Fußballmoderatorensprache zu versuchen, so seltsam sich diese Figuren verhielten, so panisch sie in Prüfungen waren, so überfordert in Gesprächen: Sie hatten in ihrer Fehlerhaftigkeit immer etwas, einen Tick, eine Besonderheit, die sie zumindest einen Hauch sympathisch machte. Menschlich. Ariel hat nichts davon. Sie ist Tag für Tag gleich: gleich berechnend, gleich falsch, gleich egoman, gleich narzisstisch, gleich verlogen, gleich selbstgerecht, gleich vermessen, laut und nervig. Allein schon zu sehen, wie sie es kaum aushalten konnte, dass andere zur Dschungelprüfung gehen und sie erstmal für zumindest 15 Minuten gar keine Rolle spielen würde, machte sie wahnsinnig. Und führte natürlich dazu, dass sie ihre eigene Rolle total verklärte, ihr Versagen in acht von neun Prüfungen umdeutete: „Die sind zu sechst schlechter als ich allein!“ Bevor sie anfing – Sendezeit, baby! – aus dem Nichts wirklich jeden im Camp „durchzubeleidigen“ (Sonja Zietlow).
Es wird sicher interessant, wenn eines Tages eine Doku erscheint, in der Experten analysiert haben, was alles an Ariel nicht stimmt. Emotional und kopfmäßig.
Prominent ignoriert: Simone Ballack über den fehlenden Anstand und die Arbeitsscheu der „Reality“-Fraktion, Hubert Fella über sein weiches Herz („ich bin die Heulsuse von Deutschland!“); Mirja und das „Klopapier-Gate“, sowie das schaurig-schmierige Musicalduett von Bauer Patrick und der „flirtigen“ Eva.
Bester Spruch in der Folge: „Schneller als die Klopapierrollen im Camp wurden beim RTL nur die Morgenmagazine abgewickelt“ (Jan Köppen).
Bester Spruch im Netz: „Ariel reißt die Klappe so weit auf, da kann man einen A380 drin wenden.“ (User namens „Bob“ auf X)
Ein Spruch, aus Zeiten des „gepflegten Herrenwitzes“: „Vielleicht hat Mirja ja wegen ihrer Regel so schlechte Laune.“ (eingebracht 2026 von: Eva Benetatou)
Wer musste gehen: Auch wenn viele im Camp auf Stephen tippten. Das bedrohliche Wort „vielleicht“ ging an Eva und Umut. Gehen musste, zur Verwunderung vieler: Oh-mein-Gott-eine-Spinne-Umut.
Letzte Worte: Umut: „Ich bin verletzt und enttäuscht“. Patrick: „Ich habe dich im Finale gesehen…“ Eva: „Danke!“
Die nächste Folge gibt es heute um 20.15 Uhr auf RTL und RTL+
Source: welt.de