Die Commerzbank gibt einen Milliardengewinn und Dividendenerhöhungen bekannt. All das wirkt wie ein Signal an die italienische Großbank UniCredit, die der Bank Übernahme-Avancen macht.
Seit eineinhalb Jahren ist die Commerzbank im Visier der italienischen Großbank UniCredit. In diesem Übernahmekampf versucht die Frankfurter Privatbank alles, um nach außen erfolgreich zu wirken. Erklärtes Ziel ist es, unabhängig zu bleiben.
Schon am Tag vor der eigentlichen Jahrespressekonferenz preschte das Kreditinstitut vor. Es gab bekannt, 2025 das eigene Gewinnziel übertroffen zu haben. Im vergangenen Jahr erzielte die Bank unter dem Strich einen Überschuss von 2,6 Milliarden Euro. Weitere Details will sie dazu erst noch bekannt geben.
Ihren Aktionären stellt die Commerzbank eine höhere Dividende in Aussicht. Für das abgelaufene Jahr soll es pro Aktie 1,10 Euro geben, nach 65 Cent im Jahr davor. Dazu startet das Frankfurter Geldhaus einen weiteren Aktienrückkauf.
Das alles bewerten Finanzwissenschaftler als Strategie der Führungsriege, die Bank möglichst attraktiv erscheinen zu lassen. So spricht beispielsweise Christoph Schalast, bei der Frankfurt School Experte für Übernahmen, von einem geschickten Schachzug.
UniCredit profitiert schon jetzt von der Commerzbank
Es falle auf, dass die Bank ihre sehr guten Jahreszahlen überraschend früh präsentiere – direkt nachdem die UniCredit ihr bärenstarkes Jahresergebnis vorgelegt habe, meint Dirk Schiereck, Bankenexperte der Technischen Universität Darmstadt. Die italienische Großbank hatte im abgelaufenen Jahr 10,6 Milliarden Euro verdient. Sie profitierte dabei auch von ihrer Beteiligung an der Commerzbank.
Vor eineinhalb Jahren ist die Mailänder Bank dort eingestiegen. Sie hat Aktien der Commerzbank gekauft oder sich durch Finanzinstrumente Zugriff darauf verschafft. So kontrolliert sie mittlerweile rund 29 Prozent der Anteile. „Die UniCredit könnte jederzeit die 30-Prozent-Marke überschreiten“, meint Jurist Schalast: „Dann müsste sie ein Übernahmeangebot für die übrigen Commerzbank-Aktien machen.“
Wenig Konkretes von UniCredit-Chef zu Fusionsplänen
Im Interview mit dem US-amerikanischen Sender CNBC hatte UniCredit-Chef Andrea Orcel am Montag zu seinen bisherigen Übernahmeplänen bei der Commerzbank lediglich gesagt: „Wenn der richtige Zeitpunkt kommt und die Konditionen stimmen, dann wird es auf die richtige Weise passieren.“ Wenn nicht, habe die UniCredit genug anderes zu tun.
„Die Würfel sind gefallen“, sagt dagegen Übernahme-Experte Schalast mit Blick auf die Geschäftszahlen beider Banken. Er geht davon aus, dass die Entscheidung für eine Fusion daher bald fallen dürfte, innerhalb der nächsten Wochen. Dadurch könnte womöglich ein neuer europäischer Bankenchampion entstehen.
Droht der Commerzbank eine Schrumpfkur?
Für die UniCredit hätte eine Übernahme der Commerzbank, die sich dem Mittelstand verschrieben hat, klare Vorteile, sagt Jurist Schalast: „Die italienische Bank wäre noch stärker international aufgestellt und hätte einen spannenden Zugang zu den deutschen Unternehmenskunden.“
Dagegen wäre so ein Zusammenschluss für die Commerzbank von Nachteil, schätzt Bankenexperte Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim. Das zeige das Beispiel der ebenfalls deutschen HVB, die die UniCredit bereits übernommen habe. Seit Jahren sinke dort die Zahl der Mitarbeiter, auf zuletzt 8.366 Vollzeitstellen. „Vermutlich würde die Commerzbank nicht anders behandelt werden“, so Burghof.
Bank hat Arbeitnehmervertreter auf ihrer Seite
Und braucht es wirklich einen weiteren europäischen Bankenchampion? So ein großes Institut, das auch mit Konkurrenten aus den USA und Asien mithalten könnte, wäre auf jeden Fall wünschenswert, sagt Bankenexperte Schiereck. Es hätte Vorteile, weil es sich etwa am Kapitalmarkt zu besseren Konditionen frisches Geld leihen könnte. „Aber wenn eine Bank gegen ihren Willen in so eine Fusion gezwungen wird, könnte das Ganze trotzdem schwierig werden“, meint Schiereck.
Widerstand gibt es bisher auch von der Politik und den Arbeitnehmervertretern der Commerzbank. So sagt etwa Kevin Voss, der für die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di im Aufsichtsrat der Commerzbank sitzt, mit ihren vorgelegten Zahlen zeige die Commerzbank, dass sie auf dem besten Weg sei, ihre Eigenständigkeit zu erhalten und damit die Arbeitsplätze in der Bank.
Deshalb ist es wohl aus Sicht der Arbeitnehmervertreter das kleinere Übel, dass die Commerzbank sich selbst einen eigenen Sparkurs auferlegt hat. Auch ohne die UniCredit sollen dort bis 2028 rund 3.900 Stellen wegfallen, vor allem in Deutschland.
Source: tagesschau.de