„Deutschland ist ein absolutes Täterparadies“ – Schauspielerin kündigt Demo gegen sexuelle Gewalt an

Bei digitaler Gewalt bestünden in Deutschland große Gesetzeslücken, sagt Schauspielerin Collien Fernandes. Statt Hilfe zu erhalten, ließen die Ermittlungsbehörden ihren Fall angeblich schnell wieder fallen. Für Sonntag kündigt sie nun einen Protest an.

Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes („Traumschiff“) hat nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen eine Demo gegen sexuelle Gewalt am Brandenburger Tor in Berlin angekündigt. „Für eine neue Gesellschaft, in der Täter in ihre Schranken gewiesen werden und in der Opfer sich trauen aufzustehen“, schreib Fernandes in einem Posting auf ihrem Instagram-Profil.

Zu sehen war dabei ein Foto mit einer Tätowierung ihres Armes mit dem Schriftzug: „Free“. Die Veranstaltung soll am Sonntag, 22. März stattfinden. In dem Posting bedankt sich Fernandes zudem für die Unterstützung.

Fernandes hatte zuvor in einem Interview mit den „Tagesthemen“ nicht nur schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen im Zusammenhang mit digitaler sexualisierter Gewalt erhoben. Sie prangert auch erhebliche Defizite im deutschen Rechtssystem an. „Deutschland ist ein absolutes Täterparadies“, sagte sie den „Tagesthemen“.

Dabei schildert sie eindrücklich die Folgen von Deepfakes – und fordert ein Umdenken in Justiz und Gesellschaft. So berichtet Fernandes, dass Anzeigen häufig folgenlos geblieben seien: „Ich habe selbst Erfahrungen damit gemacht, dass man das Thema zur Anzeige bringt, diese Anzeigen nicht weiter verfolgt wird, das ganze Thema relativ schnell fallen gelassen wird.“ Sie spricht dabei offen von „Justizversagen“.

Bereits im Jahr 2024 hatte sie berichtet, dass sie wegen der Deepfakes Anzeige gegen unbekannt bei der deutschen Polizei erstattet hatte. Doch statt Hilfe zu erhalten, sei sie wieder weggeschickt worden: „Wir können Sie hier nicht als Geschädigte aufführen, Ihnen ist ja dadurch gar kein Schaden entstanden!“, habe man ihr gesagt, wie die „Bild“-Zeitung berichtet.

Die Anzeige von Fernandes erfolgte nun vermutlich deshalb auch in Spanien. Dort könnte aufgrund einer anderen Rechtslage Identitätsdiebstahl zum Zwecke der sexuellen Befriedigung unter den Straftatbestand falle. In Deutschland ist Identitätsdiebstahl an sich dagegen nicht grundsätzlich strafbar, sondern nur dann, wenn er etwa als Teil eines Finanzbetrugs erfolgt.

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Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass Fernandes ihrem Ex-Mann Christian Ulmen unter anderem Anmaßung des Personenstandes, öffentliche Beleidigung und Körperverletzung vorwirft. So soll Ulmen über Jahre auf sozialen Medien wie LinkedIn im Namen von Fernandes Profile erstellt und darüber mit Männern gechattet und geflirtet haben. Er soll pornografisches Material verschickt haben, das offenbar den Eindruck erwecken sollte, es zeige seine damalige Frau.

Die Anwälte ihres Ex-Mannes haben die Vorwürfe zurückgewiesen. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung. Zuerst hatte der „Spiegel“ über den Fall berichtet.

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Es gebe kein Bewusstsein dafür, was die Folgen solch digitaler Gewalt seien, sagte Fernandes weiter in dem „Tagesthemen“-Interview: „Ich war lange in psychotherapeutischer Behandlung. Ich musste das extrem aufarbeiten“. Vielen sei nicht bewusst, „was für traumatische Auswirkungen das haben kann“. Es sei zentral zu verstehen, „dass digitale Gewalt reale Gewalt ist“.

Zugleich fordert sie mehr gesellschaftliche Verantwortung. Gerade bei „Tätern ohne Unrechtsbewusstsein“ müsse „die Gesellschaft als Korrektiv funktionieren und dem Täter den Spiegel vorhalten“. Es gehe darum, sichtbar zu machen, „was das mit den Opfern macht“.

Justizministerium kündigt Gesetzesänderung an

Fernandes begründet auch, warum sie jetzt an die Öffentlichkeit geht: „Wir müssen darüber sprechen, damit sich etwas verändert, damit überhaupt das Ausmaß bekannt wird.“ Ziel sei es, das „Dunkelfeld“ zu erhellen und Betroffene zu ermutigen, „diese Mauer des Schweigens“ zu durchbrechen.

Möglicherweise könnte Fernandes‘ Fall tatsächlich etwas verändern. Im Bundesjustizministerium soll ein entsprechender Gesetzentwurf zum besseren Schutz vor digitaler Gewalt „praktisch fertig“ sein und „in sehr kurzer Zeit“ vorgelegt werden, teilte eine Sprecherin mit. Danach soll das Erstellen gefälschter Pornodarstellungen unter Strafe gestellt werden. Täter sollen sich nicht mehr sicher fühlen können, sondern damit rechnen müssen, dass sie identifiziert und wirksam strafrechtlich verfolgt werden.

kami mit EPD

Source: welt.de

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