Deutschland holt uff: Wie aus deutschen Einhörnern Superstars werden könnten

Am Wirtschaftsstandort Deutschland sind in den vergangenen Tagen bemerkenswerte Dinge geschehen: Der Bundestag hat die Mittel freigegeben, um bei zwei jungen Unternehmen Kampfdrohnen im Wert von mehr als einer halben Milliarde Euro zu kaufen. Damit wird der Grundstein für Deutschlands Drohnenarmee von zwei Start-ups gelegt, die es zu Beginn des Jahrzehnts noch gar nicht gab.

Und das Unternehmen Proxima Fusion hat zusammen mit dem Freistaat Bayern, der Max-Planck-Gesellschaft und dem Energiekonzern RWE eine Kooperation beschlossen, um das erste kommerzielle Fusionskraftwerk zu verwirklichen – es wäre ein Meilenstein für die Revolution des Energiesektors. Zudem hat mit dem finnisch-deutschen Unternehmen IQM hat das erste europäische Quantencomputing-Unternehmen seinen Börsengang angekündigt. Drei Beispiele am viel und oft auch zu Recht gescholtenen Standort, die zeigen: Deutschland kann immer noch Technologie.

Auch in München entstehen vielversprechende Unternehmen

Auf der Habenseite steht zweifellos, dass das deutsche Ausbildungssystem im internationalen Vergleich noch punkten kann. Ein einzigartiges Netzwerk von Hochschulen im deutschsprachigen Raum bringt kontinuierlich exzellente Physiker hervor, deren Arbeiten im sogenannten Deep-Tech-Bereich von grundlegender Bedeutung sind. Wo hervorragende Forschung auf praktische Anwendung in der Wirtschaft trifft, entstehen die Hoffnungsträger von morgen.

Nicht zufällig stammen viele der jüngsten Erfolgsmeldungen aus dem Raum München. Auch wenn nicht jede Jubelmeldung aus der dortigen Staatskanzlei auf die Goldwaage gelegt werden sollte, so ist mit den dortigen Hochschulen, dem Inkubator Unternehmer-TUM sowie Weltkonzernen von BMW bis Siemens ein Ökosystem entstanden, das nicht nur in Europa seinesgleichen sucht.

Hier ist 2021 auch der Drohnenhersteller Helsing entstanden, der nun die Bundeswehr ausrüstet. Mit einer Bewertung von rund zwölf Milliarden Euro gilt Helsing als wertvollstes Defense-Start-up Europas. Auch in anderen Tech-Bereichen bewegen sich Neulinge auf Milliardenbewertungen zu, womit sie sich den Titel „Einhorn“ verdienen. Doch so gut diese Entwicklung klingt – ob die Folgen der technologischen Umwälzungen kompensiert werden können, entscheidet sich nicht an der Zahl der Start-ups mit Milliardenbewertungen, sondern ob daraus auch Superstar-Stars mit Milliardenumsätzen und vielen Arbeitsplätzen werden. Nur so lassen sich Wachstum und Wohlstand dauerhaft sichern.

Neben regulatorischen Hindernissen gilt der Zugang zu Kapital weiterhin als größtes Wachstumshindernis hierzulande. Bisweilen gehen beide auch Hand in Hand. Die lange Zeit unsäglich rigide Auslegung der ESG-Regularien durch Banken und Investoren hat es jungen Rüstungsunternehmen in Deutschland schwer gemacht, Finanzierungen auf die Beine zu stellen. Waffen galten per se als nicht sozial („S“). Mittlerweile hat sich zum Glück die Erkenntnis durchgesetzt, dass entscheidend ist, wer die Waffen zu welchem Zweck in seinen Händen hält.

Der Schlüssel für Deutschland liegt darin, jungen Unternehmern einfacher Zugang zu Kapital zu ermöglichen. Bislang dominieren von einem bestimmten Volumen an potente US-Investoren die Finanzierungsrunden. Der amerikanische Markt für Wagniskapital ist mit mehr als 200 Milliarden Dollar dreimal so groß wie jener in Europa. Doch auch diesseits des Atlantiks gibt es viel Geld, das mobilisiert werden kann – sei es in Family Offices, Versicherungen, Stiftungen, Versorgungswerken oder auf Konten und Sparbüchern. Der Rahmen muss so attraktiv gestaltet sein, dass an Investitionen in Unternehmen kein Weg mehr vorbei führt.

Der Weg an die Börse darf nicht zu lang werden

Erste Schritte hat die Regierung mit dem Zukunftsfonds und dem Start-up-Modul im Deutschlandfonds immerhin gemacht. Der Grundgedanke ist, dass staatliche Investitionen etwa durch die KfW-Bank weitere aus dem Privatsektor nach sich ziehen. Ob diese Rechnung aufgeht, muss sich erst noch zeigen. Positiv ist zudem eine kluge Auftragsvergabe der öffentlichen Hand an junge Unternehmen über die Meilenstein-Strategie: Gezahlt wird immer dann, wenn bestimmte Vertragsinhalte geliefert werden. Scheitert das Unternehmen daran, fließt kein Geld mehr.

Doch Deutschland muss noch weitergehen mit der Liberalisierung der Regulatorik für institutionelles Kapital. Investoren wollen klare Ausstiegspfade, das beinhaltet auch den schnelleren Weg aufs Börsenparkett. Eine echte Kapitalmarktunion in der EU würde zudem die Skalierung deutlich einfacher machen. Umbruchphasen sind auch jene Zeiten, in denen sich neue Chancen auftun. Die Zukunft gehört denen, die sie beherzt ergreifen.

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