Seit dem Krieg im Iran sind die Treibstoffpreise deutlich gestiegen – besonders in Deutschland. Der Unterschied zu Tankstellen in Polen ist jedoch so groß, dass viele Deutsche zum Tanken ins Nachbarland fahren. Das bleibt nicht ohne Folgen.
Angesichts der Preisunterschiede an Tankstellen auf deutscher und polnischer Seite der Grenze mahnt der Zoll, nicht zu viel Treibstoff im Nachbarland einzukaufen. „Privatpersonen dürfen Kraftstoff für den Eigenbedarf aus einem anderen EU-Mitgliedstaat steuerfrei nach Deutschland mitführen, sofern sich der Kraftstoff im Haupttank des Fahrzeugs befindet. Zusätzlich ist das Mitführen von Kraftstoff in einem Reservebehälter bis zu einer Gesamtmenge von 20 Litern steuerfrei zulässig“, informiert das Hauptzollamt Stralsund. Wichtig: Es muss sich um den gleichen Kraftstoff wie im Haupttank handeln.
Werde darüber hinaus Treibstoff in Zusatzbehältern mitgebracht, sei dafür Energiesteuer zu entrichten. „In der Regel ist die entstandene Steuer vor Ort zu zahlen“, so das Hauptzollamt. Finden die Beamten bei einer Kontrolle größere Kraftstoffmengen und die Energiesteuer werde damit in erheblichem Umfang verkürzt, könne auch ein Steuerstrafverfahren eingeleitet werden. Ab wann eine Kraftstoffmenge „größer“ ist, wurde nicht mitgeteilt.
Bei 20 Liter beträgt die Einfuhrsteuer 13 Euro – für viele Fahrer lohnt sich das Tanken auf polnischer Seite trotzdem. „Die 13 Euro bezahle ich lieber als 30 Euro bei uns mehr“, sagte ein Autofahrer dem Nachrichtensender WELT TV.
Am Wochenende ging der Treibstoff aus
Am Mittwochnachmittag war ein Liter E10-Benzin an Greifswalder Tankstellen laut Preisvergleichsportal „tankstellenpreise.de“ zwischen 1,90 Euro und 1,95 Euro zu bekommen. Eine Swinemünder Tankstelle lag laut dem Portal „mehr-tanken.de“ bei 1,43 Euro für den Liter E10.
Wieso ist Tanken in Polen günstiger? Diese Grafik erklärt die Unterschiede, basierend auf einem Durchschnittspreis von 2 Euro in Deutschland und 1,39 Euro in Polen:
Am vergangenen Wochenende waren die Preisunterschiede ähnlich groß gewesen. Der Tanktourismus von der deutschen Seite sorgte für Probleme beim Treibstoffnachschub. „Es geht nicht darum, dass Benzin teuer ist, sondern darum, dass es keins mehr gibt“, sagte die Stadtpräsidentin (Bürgermeisterin) von Swinoujscie (Swinemünde), Joanna Agatowska.
Am vergangenen Sonntag hätten einige Tankstellen in der Stadt schließen müssen. Benzin sei auf polnischer Seite durchschnittlich zwei Zloty (47 Cent) günstiger gewesen. Swinoujscie erhalte seine Treibstoffe mit Tankern, deshalb habe es am Wochenende keine Nachlieferungen gegeben, sagte Agatowska.
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Sie appellierte an Tankstellenbetreiber, den deutschen Kunden nur eine Tankladung plus 20 Liter im Kanister zu verkaufen. „Wir müssen vor allem unseren Einwohnern und den städtischen Unternehmen, die ihre Aufgaben sicher und ohne Unterbrechung erfüllen müssen, einen ununterbrochenen Zugang zu Kraftstoffen gewährleisten“, sagte sie.
Die Kraftstoffpreise sind wegen des Iran-Kriegs auch in Polen gestiegen, wobei die Großhandelspreise am Mittwoch wieder leicht sanken. Die Versorgung sei stabil, das Land habe genügend große Vorräte und könne weiteres Öl importieren, teilte die Regierung in Warschau der Nachrichtenagentur PAP zufolge mit.
dpa/jm
Source: welt.de