Die Produktion im produzierenden Gewerbe in Deutschland ist im August um 4,3 Prozent gegenüber dem Vormonat eingebrochen. In der Industrie im engeren Sinne, also ohne das Baugewerbe und die Energieerzeugung, betrug das Minus sogar 5,6 Prozent. Mit den Zahlen bestätigte das Statistische Bundesamt am Mittwoch die weiterhin schwierige Lage der deutschen Wirtschaft. Am Vortag hatte schon der Rückgang des Auftragseingangs im August viele Beobachter beunruhigt.
Nach den nun vorliegenden ersten harten Konjunkturdaten für August sehen Volkswirte für das dritte Quartal von Juli bis September wenn überhaupt nur eine Chance auf ein sehr geringes Wachstum. Von einem Aufschwung in der deutschen Industrie könne bisher keine Rede sein, kommentierte Ralph Solveen von der Commerzbank. „Die Industrie bleibt zunächst ein Bremsklotz für die deutsche Wirtschaft.“ Das Bundeswirtschaftsministerium erwartet eine „noch schwache“ Konjunkturentwicklung im dritten Quartal.
Für das Gesamtjahr erwarten die großen Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrer Gemeinschaftsdiagnose, dass die Wirtschaft mit einem Plus von 0,2 Prozent nur wenig mehr als stagnieren wird. Erst für das kommende Jahr rechnen die Fachleute als Folge der expansiven Fiskalpolitik mit einem Plus von 1,3 Prozent. Nach Medienberichten will das Bundeswirtschaftsministerium sich dieser Prognose an diesem Mittwoch anschließen.
Minus von 6,2 Prozent im Maschinenbau
Der Einbruch der Industrieproduktion geht zu einem guten Teil auf einen gewichtigen Sonderfaktor zurück. Die Statistiker weisen wie zuvor schon die Automobilwirtschaft darauf hin, dass ungewöhnlich viele Werksferien in der Branche in diesem Jahr in den August fielen. Daraus resultiert ein drastisches Minus der Autoproduktion im August um 18,5 Prozent gegenüber dem Vormonat. Solche außergewöhnlichen Schwankungen können durch die reguläre Saisonbereinigung der Daten zur Industrieproduktion nicht ausgeglichen werden.
Doch auch ohne die Automobilwirtschaft gerechnet, ging die Industrieproduktion im August um 2,5 Prozent zurück. Der gleichfalls wichtige Maschinenbau meldete ein Minus von 6,2 Prozent. Im weniger schwankungsanfälligen Dreimonatsvergleich sank die Industrieproduktion von Juni bis August um 1,7 Prozent gegenüber den drei vorherigen Monaten. In den fünf Monaten seit April ist die Produktion nur einmal gestiegen – der Trend weist im Sommer abwärts.
Die Aussichten für die kommenden Monate deuten nicht auf eine schnelle Belebung durch die schuldenfinanzierten Ausgaben der Bundesregierung hin. Der Auftragseingang der Industrie ging im August den vierten Monat nacheinander zurück und zwar um 0,8 Prozent gegenüber den Vormonat, wie das Statistische Bundesamt schon am Dienstag mitgeteilt hatte. Eine ähnliche Durststrecke habe es zuletzt am Jahresbeginn 2022 nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine gegeben, hieß es von der Deutschen Industrie- und Handelskammer. Klammert man die stark schwankenden Großaufträge aus, gingen die Bestellungen im August nach Angaben des Statistischen Bundesamts um 3,3 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück.
Das Minus der Aufträge spiegelt zum Teil die schädlichen Folgen der amerikanischen Einfuhrzölle auf Waren aus der Europäischen Union. Am Jahresbeginn hatte die Erwartung auf amerikanische Zölle noch vorgezogene Bestellungen ausgelöst, jetzt dreht der Trend sich um. Die Aufträge von außerhalb der Eurozone gingen im August um fünf Prozent zurück. Auch die Nachfrage des anderen Staaten des Euroraums schwächelt und fiel im August um 2,9 Prozent.
Als Hoffnungsschimmer machten Ökonomen das Plus der Inlandsaufträge um 4,7 Prozent im August aus. Das Bundeswirtschaftsministerium erkennt darin ein Zeichen für eine Bodenbildung in der Industrie. Der abermals hohe Anteil inländischer Großaufträge bei Investitionsgütern deute auf zunehmende Aufträge für Rüstungsgüter hin, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. Das deutet darauf hin, dass zumindest im Bereich Verteidigung die von der Bundesregierung angestoßenen Mehrausgaben sich schon in der Wirtschaft bemerkbar machen.