Die deutsche Industrie hat im Dezember überraschend den vierten Monat in Folge mehr Aufträge erhalten. Das Neugeschäft wuchs um 7,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das ist das größte Plus seit Dezember 2023. Die Entwicklung kommt überraschend: Ökonomen hatten mit einem Rückgang von 2,2 Prozent gerechnet.
Das Auftragsplus im Dezember ging zu einem großen Teil auf deutliche Anstiege bei der Herstellung von Metallerzeugnissen und im Maschinenbau zurück. Bei Metallerzeugnissen legten die Aufträge um 30,2 Prozent zu. Die Maschinenhersteller kamen auf ein Plus von 11,5 Prozent. Großbestellungen, auch aus dem Rüstungsbereich, hatten schon im November für einen deutlichen Zuwachs von 5,7 Prozent gesorgt.
Auch wirkten sich mehr Bestellungen für elektronische und optische Erzeugnisse positiv aus. In der Autoindustrie ging der Auftragseingang hingegen um 6,3 Prozent im Monatsvergleich zurück.
Fulminanter Auftragsschub
Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung, sprach von einem fulminanten Auftragsschub für die Industrie im Dezember. Das Auftragsvolumen habe ein Niveau wie zuletzt Anfang 2022 erreicht. „Das Quartalsplus bei den Auftragseingängen ist dabei ein weiteres Indiz, dass die steigenden Staatsausgaben im neuen Jahr die Wirtschaft ankurbeln werden.“
Ähnlich äußerte sich Jens-Oliver Niklasch, Ökonom bei der Landesbank Baden-Württemberg. „Das sieht jetzt wirklich sehr stark nach Trendwende aus. Wir haben erstmals seit längerer Zeit Grund für Zuversicht.“ Die Prognose, dass die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr um rund 1 Prozent anlegen werde, scheint realistisch. „Doch für mehr Produktion kommt es jetzt darauf an, dass die Aufträge auch zügig abgearbeitet werden“, sagte der Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, Alexander Krüger.
Allerdings gibt es auch mahnende Stimmen. „Man sollte bedenken, dass das wichtige ifo-Geschäftsklima in den zurückliegenden Monaten tendenziell gesunken ist“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. „Noch signalisieren die Frühindikatoren keine klare Erholung, die wegen des fehlenden Neustarts in der Wirtschaftspolitik ohnehin moderat ausfallen dürfte.“ Das Bundeswirtschaftsministerium warnte, dass sich das Auslandsgeschäft „angesichts der handels- und geopolitischen Unwägbarkeiten“ tendenziell schwächer und unter stärkeren Schwankungen entwickle.