Zu spät, zu wenig – die Opposition hat die Pläne der Bundesregierung zur Evakuierung gestrandeter deutscher Touristen in der Golfregion kritisiert. Die Polizei warnt derweil Reisende davor, bei Umbuchungen auf Trickbetrüger reinzufallen.
Nach der Ankündigung der Bundesregierung, erste deutsche Reisende aus der Kriegsregion am Persischen Golf ausfliegen zu lassen, haben die Fraktionen der Grünen und Linken im Bundestag das Vorgehen von Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) kritisiert.
„Was wir derzeit im Nahen Osten erleben, ist eine Eskalation, die sich seit Wochen als mögliches Szenario abgezeichnet hat“, sagte die Grünen-Außenexpertin Luise Amtsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
„Dass die Bundesregierung in dieser nun akuten Gefährdungslage dennoch unvorbereitet ist und überfordert wirkt, ist erschütternd.“ Der Schutz der eigenen Bürgerinnen und Bürger gehöre zu den Pflichten einer Bundesregierung, ergänzte Amtsberg. „Erst an Tag drei nach Ausbruch des Krieges anzukündigen, einzelne vulnerable Personengruppen aus der Region evakuieren zu wollen, reicht nicht aus.“
Kritik kam auch von der außenpolitischen Sprecherin der Linksfraktion, Cansu Özdemir. Die Krisenkommunikation der Bundesregierung sei mangelhaft, sagte sie den Funke-Zeitungen. „Mit der aktuellen Äußerung von Außenminister Wadephul, zunächst nur ältere Menschen, Kinder, Kranke und Schwangere evakuieren zu wollen, schürt die Bundesregierung weitere Verunsicherung.“
Es müssten schnellstmöglich Pläne vorgelegt werden, wie eine Evakuierung für alle rund 30.000 Menschen erfolgen könne.
Wadephul ist „guter Dinge“
Am Montag hatte Wadephul bekannt gegeben, dass die Bundesregierung Charterflugzeuge nach Saudi-Arabien und in den Oman schicken wolle, um von dort gestrandete deutsche Reisende auszufliegen. Zuerst sollten dabei „besonders vulnerable Gruppen“ evakuiert werden.
Im ZDF zeigte sich der CDU-Politiker optimistisch: „Ich bin guter Dinge, dass das nach und nach gelingt“, sagte Bundesaußenminister Wadephul im heute-journal. Man sei in engem Kontakt mit den Reiseveranstaltern.
Warnung vor Trickbetrügern
Der Deutsche Reiseverband rät Urlaubern, den Anweisungen der örtlichen Behörden zu folgen, in ihren gebuchten Hotels zu bleiben und nicht eigenständig zu Flughäfen oder in Nachbarländer zu reisen. Sobald die Lufträume wieder geöffnet sind, wollen die Veranstalter über Rückreisemöglichkeiten informieren.
Die Polizei warnt unterdessen vor Fake-Hotlines für angebliche Flugumbuchungen, nachdem eine Frau aus Niederbayern dabei um 2.500 Euro betrogen wurde. Verbraucher sollten Hotlines ausschließlich über die offizielle Website des Buchungsportals oder der Fluggesellschaft recherchieren – und nicht über teils gekaufte Anzeigen bei Suchmaschinen, empfiehlt das bayerische Landeskriminalamt.
Bei Mitteilungen über Flugstornierungen sollten Reisende niemals auf Rückrufnummern oder fremde Supportlinks reagieren, die sie nicht überprüft haben. Stattdessen solle man Buchungsänderungen nur über das eigene Kundenkonto vornehmen.
Etihad und Emirates starten wieder – sehr begrenzt
Die beiden Fluggesellschaften Etihad und Emirates haben am Montag trotz des Krieges in Nahost ihren Betrieb zum Teil wieder aufgenommen. Erste Flüge der Airlines mit Sitz in Abu Dhabi beziehungsweise Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten starteten am Montagnachmittag, wie aus Daten von Flugtracking-Seiten im Internet ersichtlich war. Auch die Billigfluglinie FlyDubai flog wieder.
Die Regierung von Dubai teilte mit, es gebe eine „begrenzte Wiederaufnahme des Betriebs“. Es sollten aber nur jene Passagiere zum Flughafen kommen, die direkt kontaktiert worden seien.
In Abu Dhabi starteten dem Flugverfolgungsdienst Flightradar24 zufolge innerhalb eines dreistündigen Zeitfensters 16 Etihad-Flüge mit Zielen wie Paris, Amsterdam oder Moskau. Seit Samstag wurden jedoch rund 11.000 Flüge in die oder aus der Region abgesagt.
Source: tagesschau.de