Deutsche-Handelszentrum-Strategie: Lieber ausschließlich zu Haus

Die Deutsche Börse tut gut daran, sich von dem politischen Geraune um europäische Champions, die im Börsenbereich geschaffen werden sollten, nicht allzu sehr ablenken zu lassen. Zu viele Jahre hat sie verschenkt mit der Warterei auf Entscheidungen aus Brüssel, ob denn nun eine Fusion mit London oder Paris genehm sei oder nicht. Sich nun wieder in lange Diskussionen zu begeben, wie viele Minuten ein CEO in Frankfurt oder Paris zu verbringen habe und wo die Vorstandssitzungen stattzufinden haben, ist wenig ergiebig.

Die Entwicklung der Börse seit dem Jahr 2018 hat gezeigt, wie agil und erfolgreich sie ohne eine politisch beäugte Großfusion sein kann. 2017 hatte die EU mit Bedenken gegen die Übernahme der Londoner Börse letztmals unmissverständlich klargemacht, dass sie aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nichts von größeren Börsenfusionen in Europa hält. Für die Deutsche Börse war das die Initialzündung, den Kopf freizubekommen von den ewigen Hintergedanken an Großfusionen.

Es hat ihr sehr gut getan. Sie ist in politisch weniger verminten Feldern stark gewachsen, ob dies nun die Börsen für Strom und Gas betraf, das Geschäft mit Fonds, mit Software für die Finanzbranche oder auch mit ESG-Daten. Die Kapazitäten der Führungsmannschaft weiter auf Innovationen, auf intelligente Lösungen und auf neue Geschäftsfelder zu fokussieren, scheint auch für die Zukunft die bessere Wahl, als sich in politischen Standortfragen aufzureiben.

Source: faz.net