Deutsche Bank: Finanzchef mit neuem Stil

Helle Hemden, Krawatten, Lederschuhe. Die gesamte Finanzbranche mag mitten in einer riesigen Transformation stecken und in weißen Turnschuhen in die Zukunft marschieren, zur Bilanzpressekonferenz der Deutschen Bank aber ist der Dresscode durchaus noch gesetzt.

Der zukünftige Finanzvorstand der Deutschen Bank, Raja Akram, tanzt dabei nicht aus der Reihe. Er hat für diesen Anlass einen mittelgrauen Zwirn gewählt. Das fügt sich neben dem Blau von Christian Sewing und dem leicht schimmernden Grau von James von Moltke stimmig ein. Während sein neuer Chef Sewing spricht, setzt sich Akram in die erste Reihe, und dabei blitzen sie hervor: bunte Socken mit Gesichtsmotiv. Sonderbar? Mitnichten. Es ist ein Trend, mit dem er nicht allein ist. Ein bekannter Trendsetter ist der ehemalige kanadische Premierminister Justin Trudeau, der inzwischen für seine „Sockendiplomatie“ in der Welt durchaus bekannt ist.

Raja Akram mit Vorstandschef Christian Sewing (Mitte) und seinem Vorgänger James von Moltke (rechts) auf der Bilanz-Pressekonferenz am 29. Januar 2026dpa

Aber das Gesicht auf Akrams Socken? Jemand Bekanntes? Ein Rock-Frontmann aus den Achtzigern? Ringo Starr? „Solche Designs spielen absichtlich mit der Wiedererkennung“, schreibt die flugs hinzugezogene Künstliche Intelligenz. Wirklich nichts dahinter? Es wird den Moment der Aufklärung geben, der Mann ist gekommen, um zu bleiben.

Erst seit Oktober 2025 ist Akram bei der Deutschen Bank in Diensten. Auf dem Investorentag im November spielte er schon eine Nebenrolle, in der Bilanzpressekonferenz am 29. Januar stand er nach den Reden Sewings und von Moltkes in der Fragerunde neben Vorstandschef und Vorgänger auf der Bühne und durfte schon erste Fragen zum zukünftigen Kurs beantworten.

Wer dort auf diesem Podest zu diesem Anlass steht, ist natürlich wohl gewählt und alles andere als Zufall. Es ist ein Statement in der Art von: Seht her, diese Person ist wichtig. So war es vor einigen Jahren auch mit Christiana Riley, die 2020 zur Bank kam und mit viel Elan und positiver Energie das Amerika-Geschäft beackerte, dann 2023 aber überraschend das Geldhaus wieder verließ – angeblich, weil der fast unsichtbare, aber unnachgiebige Aufsichtsratschef Alexander Wynaendts mit ihrer anschließenden Leistung unzufrieden war. Aber ihr charismatisches Auftreten, das sie nun auch als Chefin von Santander Nordamerika zeigt, durfte Riley damals auf der Bühne der Bilanzpressekonferenz der Deutschen Bank zeigen.

Christiana Riley im Januar 2020 auf der Bilanzpressekonferenz der Deutschen Bankpicture alliance / SvenSimon

Nun also Akram. Der 1972 geborene designierte Finanzvorstand gilt als kundiger Vertreter seines Fachs. Fünf Jahre arbeitete er als stellvertretender Finanzchef der Investmentbank Morgan Stanley, zuvor war er 14 Jahre lang bei der US-Großbank Citi unter Vertrag, von dort kennt er auch seinen Vorgänger von Moltke. Akrams Wechsel zur Deutschen Bank sehen viele Beobachter als Zeichen, dass die Deutsche Bank den Hebel umgelegt hat. Nach der Zeit des Aufräumens und der Kärrnerarbeit der Restrukturierung sollen nun wieder größere Ziele angepeilt werden. Da sollte die Erfahrung aus fast 20 Jahren in Diensten von Wall-Street-Banken hilfreich sein. „Er genießt einen exzellenten Ruf als einer der fähigsten Finanzmanager in der Branche“, sagte Sewing zu Akrams Benennung im Herbst 2025. „Ich schätze seine Qualitäten als Führungspersönlichkeit außerordentlich. Von seiner Erfahrung in leitenden Positionen bei zwei führenden globalen Banken werden wir sehr profitieren.“

Morgan Stanley hat aktuell eine Marktkapitalisierung von rund 290 Milliarden Dollar, Citi von gut 204 Milliarden Dollar. Mit der Deutschen Bank arbeitet Akram nun für ein Institut, das nach Jahren der Tristesse an der Börse inzwischen wieder 62 Milliarden Euro auf die Börsenwaage bringt. Noch vor zwei Jahren war die Deutsche Bank gerade ein Drittel so viel wert. Mit erkennbarem Stolz erwähnte Sewing während der Bilanzvorlage dann auch, dass die Aktie nun wieder über dem Buchwert notiere. Gemessen an der amerikanischen Konkurrenz ist sie allerdings noch immer klein, im Vergleich zur europäischen Konkurrenz auch. Egal, ob BNP Paribas, Santander, UBS, HSBC – sie alle rangieren vor der größten deutschen Bank. Es gibt noch viel zu tun.

Akram ist gekommen, dies zu ändern. Bei diesem offiziellen Termin spricht er ruhig und fokussiert, wenn es um die Zukunft der Bank geht. Er sehe gute Chancen für die Deutsche Bank, mit den scheinbar weit enteilten US-Wettbewerbern mitzuhalten. Die Deutsche Bank sei wettbewerbsfähig, wo sie wettbewerbsfähig sein wolle. Das bedeute auch: Den Konkurrenten im Heimatmarkt USA Geschäft zu überlassen und sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren. „Absolute Weltklasse“ sei die Deutsche Bank im Handel und der Finanzierung mit Anleihen und Währungen, hatte zuvor Sewing gesagt. Tatsächlich steht dieses FIC-Geschäft für 30 Prozent der Konzernerträge. In manchen Jahren galt das als gefährliche Abhängigkeit. Sewing hat aber auch den Anspruch, die Unternehmenssparte zu stärken. In den USA will die Deutsche Bank nicht nur für die Tochtergesellschaften europäischer Unternehmen tätig werden. Sie arbeitet laut Sewing auch mit vielen amerikanischen Unternehmen, die eine Alternative zu US-Banken wünschen. In Zeiten, in denen sich Staaten und Unternehmen stark verschulden und die Kurse stark schwanken, gilt die Deutsche Bank aber eben vor allem im FIC-Geschäft als gut positioniert.

Akram, der einst an einer Uni in Texas Finanz- und Rechnungswesen studiert und sich seine Sporen erst beim Wirtschaftsprüfer KPMG und dann im Controlling und bei einem Auslandseinsatz für die Citigroup in Brasilien verdient hat, wird die Zahlen der Deutschen Bank schon nach wenigen Wochen aus dem Effeff kennen. Auch mit der deutschen Bankenaufsicht kam er schon in Berührung. Sie drängte dem Vernehmen nach darauf, dass Akram seinen Dienstsitz in Frankfurt nehmen muss. Kurz vor Bekanntgabe der Jahreszahlen suchten zudem Ermittler des Bundeskriminalamtes die Frankfurter Zentrale der Deutschen Bank heim – nun gilt es, für die Aufarbeitung von Geldwäscheverdachtsfällen möglicherweise rund um den russischen Milliardär Roman Abramowitsch mit den Behörden zu kooperieren.

Akram, der die pakistanische und die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, wird auch anderswo als eine Art Diplomat gefordert sein. So gilt es als große Kunst von Finanzvorständen, die Gemeinde der Analysten so anzuleiten („guiden“), dass sie mit ihren Prognosen zu den Quartalszahlen halbwegs richtig liegen, die von der Deutschen Bank erst noch veröffentlicht werden. Die Erwartungen dieser Fachwelt sollten nahe an der Realität sein, aber die Deutsche Bank sollte schon mit der einen oder anderen Quartalszahl die Börse auch mal positiv überraschen. Sein Vorgänger beherrschte diesen Spagat, schaffte ihn aber auch nicht immer. Der Abgang von James von Moltke, der in seinen neun Jahren bei der Bank ganz maßgeblich zu der Rückkehr von Reputation und Vertrauen der Bank beigetragen hat, reißt eine Lücke, die Akram wird schließen müssen. Er bringt seinen ganz eigenen Stil mit – von Kopf bis Fuß.

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