Der Verlust des Ehepartners trifft die Gesundheit von Männern und Frauen unterschiedlich

Der Verlust des Partners verändert den Alltag vieler älterer Menschen grundlegend. Forscher haben untersucht, wie Männer und Frauen aus gesundheitlicher Sicht auf diesen Einschnitt reagieren.

Der Tod des eigenen Partners gehört zu den schwersten Erfahrungen im Leben. Für viele ältere Menschen endet damit nicht nur eine Beziehung, sondern auch ein vertrauter Alltag. Routinen brechen weg, Entscheidungen müssen plötzlich allein getroffen werden. Selbst kleine Dinge wie der Wocheneinkauf oder der Arztbesuch fühlen sich ungewohnt an. Eine neue Studie deutet jetzt darauf hin, dass die gesundheitlichen Folgen dieses Verlusts bei Männern und Frauen unterschiedlich ausfallen.

Wissenschaftler der Boston University School of Public Health und der Universität Chiba haben untersucht, welche gesundheitlichen Folgen mit dem Tod des Ehepartners verbunden sind. Ihre Ergebnisse, die kürzlich im Fachjournal „Journal of Affective Disorders“ veröffentlicht wurden, zeigen deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen.

Für die Studie analysierte das Forschungsteam Daten aus der „Japan Gerontological Evaluation Study“, einer Langzeituntersuchung zur Gesundheit älterer Menschen in Japan. In die Analyse flossen Daten von fast 26.000 Teilnehmern ab 65 Jahren ein. Während des Beobachtungszeitraums verloren 1076 von ihnen ihren Ehepartner. Insgesamt betrachteten die Forscher 37 verschiedene Gesundheits- und Wohlbefindensindikatoren. Darunter körperliche und kognitive Gesundheit, psychisches Wohlbefinden, soziale Beziehungen und Gesundheitsverhalten. Die Daten wurden in drei Erhebungswellen zwischen 2013 und 2019 gesammelt.

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Die Ergebnisse zeigen ein deutliches Muster: Verwitwete Männer wiesen im Vergleich zu verheirateten Männern häufiger Demenz, höhere Sterblichkeit und mehr Einschränkungen im Alltag auf. Bei Frauen fanden die Forscher diesen Zusammenhang nicht. Zudem berichteten Männer häufiger von depressiven Symptomen, Hoffnungslosigkeit und einem Rückgang ihres Lebensglücks. Auch ihre soziale Unterstützung nahm nach dem Tod der Partnerin ab.

Bei Frauen zeigte sich ein anderes Bild. Zwar sank ihr Glücksgefühl unmittelbar nach dem Verlust zunächst leicht – doch depressive Symptome nahmen nicht zu. Im Verlauf der folgenden Jahre berichteten Frauen sogar von höherer Lebenszufriedenheit und mehr Lebensfreude.

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„Der Verlust eines Ehepartners ist ein einschneidendes Lebensereignis, das weit mehr als nur Trauer auslösen kann“, wird Studienleiter Koichiro Shiba, Assistenzprofessor für Epidemiologie an der Boston University, in einer Pressemitteilung zitiert. „Wir haben festgestellt, dass verwitwete Männer in fast jeder Hinsicht stärker betroffen waren, während verwitwete Frauen eine überraschende Widerstandsfähigkeit zeigten.“

Unterschiedliche Rollen, unterschiedliche Folgen

Auch im sozialen Verhalten unterschieden sich die Geschlechter. Nach dem Tod ihres Partners wurden sowohl Männer als auch Frauen sozial aktiver. Doch während Frauen weiterhin auf stabile Unterstützung aus ihrem Umfeld zählen konnten, berichteten Männer trotz häufigerer sozialer Kontakte von weniger emotionaler Unterstützung. Gleichzeitig stieg bei ihnen der Alkoholkonsum. Frauen dagegen bewegten sich nach dem Verlust tendenziell weniger, nahmen jedoch häufiger Vorsorgeuntersuchungen wahr.

Die Forscher vermuten, dass kulturelle Rollenbilder eine wichtige Rolle spielen könnten. In vielen Gesellschaften, auch in Japan, konzentriert sich das Leben von Männern stärker auf die Arbeit und weniger auf soziale Netzwerke außerhalb der Partnerschaft. Sie sind daher häufig stärker auf die emotionale und praktische Unterstützung ihrer Partnerin angewiesen.

„Frauen in Japan sind viel häufiger die Hauptpflegepersonen ihrer Partner. Für manche Frauen kann die Trauerbewältigung auch eine Erleichterung von dieser Belastung bedeuten, was die beobachteten Verbesserungen des Wohlbefindens erklären könnte“, so Shiba.

Besonders kritisch scheint die Zeit kurz nach dem Verlust zu sein. Vor allem im ersten Jahr nach dem Tod des Partners zeigten Männer eine deutliche Verschlechterung ihres psychischen Wohlbefindens und ihrer Gesundheit. Deshalb könne es wichtig sein, dass Familie, Freunde und Ärzte aktiv Kontakt zu den Betroffenen aufnehmen, so die Forscher. Im Verlauf der Zeit besserten sich viele der Werte zwar wieder, blieben jedoch häufig unter dem Niveau verheirateter Männer.

Um die Ursachen dieser Unterschiede besser zu verstehen, sei weitere Forschung nötig, betonen die Autoren. Etwa zur Rolle der Beziehungsqualität, der Pflegebelastung oder sozialer Netzwerke. Klar ist für sie jedoch schon jetzt: Unterstützungsangebote nach einem Trauerfall sollten stärker auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Männern und Frauen zugeschnitten sein.

Source: welt.de

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