„Der Name gehört uns“Simson-Nachfahre will Höcke notfalls persönlich in die Schranken weisen
22.02.2026, 14:55 Uhr
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Als er Björn Höcke auf einem Simson-Moped sieht, explodiert Dennis Baum förmlich. Der US-Amerikaner ist Nachfahre der jüdischen Unternehmerfamilie Simson. Dass die AfD die Kult-Krafträder nutzt, gehe gar nicht. Doch er macht der rechten Partei ein Zugeständnis.
Der US-Amerikaner Dennis Baum, Nachfahre der jüdischen Unternehmerfamilie Simson, kritisiert die AfD und den Thüringer Parteichef Björn Höcke für Wahlkampfauftritte mit Simson-Mopeds aus DDR-Zeiten. Der 81-Jährige wirft der AfD Vereinnahmung des Familiennamens Simson vor und verurteilt die Ideologie der Partei. Im Interview mit dem „Spiegel“ sagte er: „Das, was die AfD sich für Deutschland wünscht, klingt für mich wie eine Wiederholung der 1930er-Jahre. Und das soll nicht mit unserem Namen in Verbindung gebracht werden.“
Baums Vorfahren betrieben bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten ein erfolgreiches Unternehmen im thüringischen Suhl, wo sie mit der Herstellung von Waffen für die Reichswehr eine Monopolstellung innehatten. Dem Hitler-Regime war das ein Dorn im Auge. Unter haltlosen Vorwürfen wurde die Familie 1935 enteignet. Die Simsons flohen wenig später in die Schweiz und schließlich in die USA. Spätere Versuche nach dem Zweiten Weltkrieg und der deutschen Wiedervereinigung, den Betrieb wieder in Familienbesitz zu bringen, scheiterten.
Die Schwalbe darf die AfD „sogar haben“
Baum beschreibt im „Spiegel“-Interview, wie er erst vor ein paar Wochen durch zugesandte Videos erfahren habe, dass Höcke Simson-Mopeds für AfD-Werbung nutzt. Er verfolge die deutsche Politik zwar schon lange. „Zur AfD hatte ich deshalb auch schon lange eine klare Meinung. Aber ich wusste nicht, dass sie unseren Namen so konkret verwendet.“ Er sei förmlich explodiert, als er die Poster gesehen habe, auf denen „der Name Höcke direkt neben dem unserer Familie steht“.
Baum versteht die Nostalgie für die Mopeds, sagt, die AfD könne „die Schwalbe sogar haben“, das bekannteste Modell der Marke. „Aber der Name Simson gehört uns.“ Der Simson-Nachfahre zeigte sich im Interview entschlossen, Höcke von der Nutzung des jüdischen Familiennamens abzuhalten. „Glauben Sie mir, ich habe kein Problem damit, ins Flugzeug zu steigen, nach Deutschland zu fliegen und die Auseinandersetzung vor der Haustür zu klären.“
Im vergangenen Jahr tourte Höcke mit den beliebten Zweitakter-Mopeds von Simson durch Thüringen. Hunderte junge Männer und Frauen knatterten ihm hinterher. Höcke lud anschließend ein Video von der „Simson-Tour“ auf Youtube hoch und bezeichnete „die Simme“ als das „Kultsymbol des Ostens“. Auf die jüdische Geschichte des Unternehmens hinter dem Moped ging der Rechtsextremist nicht ein.
Source: n-tv.de