Heute vor 15 Jahren ereignete sich in Japan die Atomkatastrophe von Fukushima. Die Bergung des geschmolzenen Brennstoffs könnte ein wichtiger Schritt zur Stilllegung des AKW sein – doch das wird noch viele Jahre dauern.
„Zentrale, ich melde ein großes Problem: Block 3 ist vermutlich jetzt gerade explodiert.“
Eine dunkle Rauchwolke schießt mehrere Hundert Meter hoch. Schwere Betonteile und Stahlträger schleudern in die Luft, das Reaktorgebäude wird fast vollständig zerstört. Die Bilder einer gewaltigen Wasserstoff-Explosion gehen um die Welt. In drei Reaktoren kommt es zu Kernschmelzen.
„Im Atomkraftwerk Fukushima haben sich schwerwiegende Unfälle ereignet. Das Gebäude des Kraftwerks ist explodiert, radioaktive Stoffe wurden freigesetzt sowie eine Ausbreitung der Strahlung in Luft und Wasser mit weitreichenden Auswirkungen auf Nutzpflanzen und Trinkwasser.“ Das räumt der damalige Präsident der Betreiber-Firma Tepco drei Wochen nach der Katastrophe ein. Mehr als 90.000 Menschen in direkter Nachbarschaft zum AKW müssen evakuiert werden.
Meterhohe Wellen überfluten am 11. März 2011 in Miyako einen Deich in der Nähe der Mündung des Hei-Flusses.
Kühlwasser wird ins Meer geleitet
Und das havarierte Kraftwerk selbst muss vor allem gekühlt werden. Jahrelang. Es entsteht immer mehr radioaktiv belastetes Wasser. Insgesamt fast 1,3 Millionen Tonnen – so viel wie in mehr als 500 olympische Schwimmbecken passen.
Erst zwölf Jahre nach der Katastrophe präsentiert der neue Tepco-Chef Tomoaki Kobayakawa eine Lösung: „Das Ablassen des Wassers hat heute begonnen, aber der Prozess dauert sehr lange, bis die Stilllegung des AKW abgeschlossen ist.“
Von rund 30 Jahren ist die Rede. Das Wasser wird gereinigt, verdünnt und mit einer Tritiumkonzentration ins Meer geleitet, die die japanische Regierung und die Weltgesundheitsorganisation WHO für unbedenklich halten. Japans Nachbarn, vor allem China, kritisieren den Vorgang.
Komplizierte Bergung der Brennstoffreste
Noch weitaus komplizierter ist die Bergung der Brennstoffreste in den havarierten Reaktoren. Mit einem über 20 Meter langen Teleskoparm hat man Ende 2024 ein winziges Stück geschmolzenen Brennstoff herausgebrochen und geborgen.
„Die entnommene Stichprobe ist zwar äußerst klein, aber es ist trotzdem möglich, Untersuchungen durchzuführen, weil unsere analytischen Fähigkeiten inzwischen sehr fortgeschritten sind. Wir erwarten sehr viel Aufschlussreiches aus der Probe“, erklärt der Chef der Stilllegungsfirma, Akira Ono. Er verspricht sich viel von dem weniger als ein Gramm wiegenden dunklen Steinchen.
In Schutzanzügen und Masken führen Arbeiter im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi Stilllegungsarbeiten durch.
„Tepco ist auf dem richtigen Weg“
Und auch für Nuklearexperte Wolfgang Raskob ist das Vorgehen alternativlos. „Sie haben mit Trial-and-Error Dinge entwickelt und die dann eingesetzt. Von daher ist Tepco auf dem richtigen Weg, Dinge auszuprobieren und dann zu entscheiden: Das funktioniert, oder das funktioniert nicht.“
880 Tonnen hochradioaktiven Materials liegen noch in der Atomruine. 0,9 Gramm wurden bislang geborgen. Bis 2051, also in spätestens 27 Jahren, soll alles raus sein. Realistisch ist das nicht. Es gibt derzeit weder die passenden Gerätschaften für die Bergung noch ein Endlager für den ganzen Atommüll.
Trotzdem setzt Regierungschefin Sanae Takaichi voll auf Atomkraft. Japan baut aktuell drei neue Reaktoren. Und Tepco nimmt mit Takaichis Segen das weltgrößte AKW wieder ans Netz.
Die Wiederinbetriebnahme des Kernkraftwerks Kashiwazaki-Kariwa ist von großer Bedeutung, um die Anfälligkeit der Stromversorgung in Ostjapan zu beseitigen, die Strompreise zu drücken und eine dekarbonisierte Stromerzeugung zu gewährleisten.
Nur wenige Menschen wollen zurück
Die Gegenden um das Atomkraftwerk Fukushima sind übrigens bis auf wenige Ausnahmen wieder normal bewohnbar. Gesundheitsgefahr besteht in den Städten nicht mehr. Die Böden wurden dekontaminiert. Allein die Menschen bleiben aus. Wo früher fast 90.000 Menschen wohnten, leben jetzt weniger als 20.000.
Source: tagesschau.de