marktbericht
Aktuelle Konjunkturumfragen zeigen: Die deutsche Wirtschaft ist längst noch nicht über den Berg. Experten sehen positive Zeichen, aber die Situation bleibt nach wie vor angespannt. Der DAX tendiert derweil seitwärts.
Wenn die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) die Ergebnisse ihrer regelmäßig durchgeführten DIHK-Konjunktur-Umfrage unter rund 26.000 Unternehmen vorstellt, dann schauen Politikerinnen, Politiker sowie Anlegerinnen und Anleger genau hin. Was bei der Präsentation der aktuellen Ergebnisse zu lesen ist, lässt sich mit „Licht und Schatten“ umschreiben.
Zwar hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft in den vergangenen Monaten aufgehellt – weshalb die DIHK ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr leicht angehoben hat. Sie rechnet mit einem Prozent Wachstum, statt bisher 0,7 Prozent. Aber das Wachstum gehe vor allem auf schuldenfinanzierte staatliche Impulse zurück.
Für einen stärkeren Aufschwung müsste es laut DIHK mehr private Investitionen geben. Das Gegenteil scheint jedoch der Fall zu sein: Laut Umfrage zögert die Industrie und verlagert Aktivitäten in Länder mit besseren Standortbedingungen. Zudem planen der Umfrage zufolge deutlich mehr Unternehmen, Stellen zu streichen statt neue zu schaffen. So rechnet fast ein Viertel der befragten Firmen mit sinkenden Mitarbeiterzahlen.
Baustellen sind bekannt
„Es bleibt ein langer, steiniger Weg“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov in Berlin. Reform- und Entlastungspakete seien zwar von der Bundesregierung angestoßen worden. „Aber in den Betrieben ist davon bislang wenig spürbar“, meint Melnikov. Seit Monaten fordert die Wirtschaft mehr Tempo bei Reformen, Bürokratieabbau sowie eine Senkung von Arbeits- und Energiekosten in Deutschland.
Börsenprofis teils ernüchtert
Überraschend eingetrübt haben sich derweil die Konjunkturerwartungen von Finanzexpertinnen und Finanzexperten. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hat heute mitgeteilt, das regelmäßig erhobene ZEW-Stimmungsbarometer habe sich gegenüber dem Vormonat überraschend um 1,3 Punkte auf 58,3 Punkte eingetrübt. Volkswirte hatten im Schnitt einen Anstieg auf 65,2 Punkte erwartet.
„Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer Phase fragiler Erholung“, kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach. „Die strukturellen Herausforderungen, insbesondere in der Industrie und bei den Privatinvestitionen, bleiben erheblich.“ Wambach meint, die anstehenden Reformen der Sozialversicherungssysteme sollten dazu genutzt werden, die Standortattraktivität wesentlich zu steigern.
Einige Ökonominnen und Ökonomen sehen aber auch Hoffnungszeichen. Robin Winkler, Deutschland-Chefvolkswirt bei der Deutschen Bank, stellt fest: „Die ZEW-Konjunkturerwartungen stabilisieren sich seit Beginn des Jahres auf einem Niveau, das man zuletzt Anfang 2022 sah, also vor dem russischen Angriff auf die Ukraine“.
Deutschem Aktienmarkt fehlt der Schwung
Die durchwachsenen Konjunkturnachrichten können den deutschen Aktienmarkt nicht aus seiner Lethargie holen. Ein Auf und Ab allerdings innerhalb enger Grenzen – das kennzeichnet den DAX-Verlauf bis zum Nachmittag.
Der deutsche Leitindex dümpelt mehr oder weniger auf Vortagsniveau herum. Es will sich keine rechte Kauflaune einstellen. In der zweiten und dritten Börsenreihe, beim MDAX für mittelgroße Werte und beim SDAX für kleinere Werte herrscht gar Verkaufsdruck, bis zu 0,9 Prozent Minus.
Source: tagesschau.de