Der Koffer kommt nicht an? Warum man jetzt schnell tätig werden sollte

Der Flug ist geschafft, doch die letzte Nervenprobe wartet am Gepäckband. Ein Experte sagt, wie viel Wartezeit normal ist, was Tracker bringen – und was zu tun ist, wenn man ohne Koffer da steht.

Sie kennen das sicher: Die Gepäckausgabe am Flughafen läuft an, und die Nervosität steigt, je länger der eigene Koffer auf sich warten lässt.

Tatsächlich ist es nicht selten, dass Gepäckstücke mit ihren Besitzern am Ziel gar nicht gemeinsam ankommen: 2024 gab es laut einer Auswertung des IT-Dienstleisters Sita weltweit pro Tausend Passagiere 6,3 „mishandled bags“.

Bei etwa drei Viertel (74 Prozent) handelte es sich um Koffer, die erst verspätet ankamen. 18 Prozent waren beschädigt. Nur 8 Prozent und damit etwa jeder zwölfte dieser „mishandled bags“ blieb laut der Statistik verschwunden oder wurde als gestohlen vermerkt.

Das heißt für Passagiere: Auch wenn er anfangs nicht dabei ist, kommt er meistens noch nach.

Doch wie lange sollte man an der Gepäckausgabe warten, wenn der eigene Koffer einfach nicht kommt? Und was tun, wenn er offenbar wirklich verschwunden ist? Antworten auf wichtige Fragen:

Warum dauert es manchmal länger?

Lange Transportwege im Flughafen, der Zoll, der das Gepäck einer ankommenden Maschine komplett durchleuchten will, starker Schneefall oder Gewitter: Es gibt viele Gründe, die für längere Wartezeiten an der Gepäckausgabe sorgen können, wie Marc Poeschmann von Fraport sagt. Die AG betreibt unter anderem den Flughafen Frankfurt.

Dort kommt das erste Gepäckstück im Durchschnitt 30 Minuten nach der Landung aufs Band der Ausgabe, so Poeschmann, der mitverantwortlich für die Gepäcklogistik in Frankfurt ist. Der letzte Koffer erscheint demnach durchschnittlich spätestens etwa 55 Minuten, nachdem der Flieger auf der Landebahn aufgesetzt hat.

Und wann ist es Zeit, sich Gedanken zu machen?

„Bis 60 Minuten nach der Landung braucht man also nicht nervös oder aktiv werden. Erst danach ist der Passagier gefragt“, sagt Poeschmann.

Stoppt das leere Band und der Koffer fehlt, kann man davon ausgehen, dass er nicht mit im Flugzeug war. Verschiedene Airlines informieren via App über den Gepäckstatus. „Bei Lufthansa bekommt man etwa eine Push-Nachricht, wenn der Koffer nicht kommt – etwa, weil er nicht rechtzeitig verladen wurde“, sagt Poeschmann.

Zum Ablauf tragen Trackingsysteme an den Flughäfen bei. Der IT-Dienstleister Sita prognostizierte in seinem jüngsten Kofferreport, dass 82 Prozent der Airlines bis 2027 ihren Passagieren einen Echtzeit-Gepäck-Status anbieten werden.

Sind eigene Tracker sinnvoll?

Wer sehen will, wo der Koffer ist, kann auch selbst einen kleinen Tracker in den Koffer packen. Mit Apples Airtags zum Beispiel kann man den Objektstandort auch via App direkt mit vielen Airlines teilen. Eine ähnliche Kooperation hat Samsung für seine Galaxy Smarttags kürzlich mit Turkish Airlines gestartet.

In einem Fall sei ein Tracker Gold wert gewesen, so Poeschmann. So ging eine teure Fotoausrüstung als Sperrgepäck am Airport verloren, ohne Hinweis, wem sie gehört, da auch kein Gepäckschein an ihr angebracht war. Sie kam ins Zollgepäcksammellager. Der Fotograf, der ohne die Ausrüstung in Las Vegas gelandet war, konnte über den Tracker sehen, dass sie in dem Lager war. Entsprechend konnte sie nachgesendet werden.

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In vielen Fällen sind die Tracker laut Poeschmann aber unnötig. Am wichtigsten sei, dass am Koffer Namen und Kontaktdaten des Besitzers sind – und dass der Koffer bestenfalls eindeutige Merkmale hat, sodass er klar zuzuordnen ist. Ein farbiges Band etwa, oder ein bunter Aufkleber.

Denn der Gepäckanhänger („Baggage Tag“) mit Strichcode und den Flughafenkürzeln, der bei der Gepäckaufgabe um den Griff gewickelt bzw. geklebt wird und sonst bei Verlust eine Zuordnung ermöglicht, reißt mitunter ab. Dann braucht es solche Erkennungszeichen und Daten. Also stattet man den Koffer bestenfalls mit beidem aus, rät Poeschmann.

Für den Fall eines Kofferverlustes ist es auch wichtig, Flugunterlagen aufzuheben. Zentral bei einer Verlustmeldung sind vor allem die Bordkarte und der Gepäckabschnitt. Das ist der kleine Klebezettel, den man bei der Gepäckaufgabe ausgehändigt bekommt.

Warum kommt Gepäck nicht an?

In Frankfurt sei ein häufiger Grund für Gepäckstückverlust eine zu kurze Umsteigezeit. „Passagiere rennen, Gepäck nicht, sagen wir immer“, so Poeschmann. Koffer müssten stets nach dem gleichen Schema transportiert werden – 45 Minuten seien hier das Minimum. In der Regel sei die Umsteigezeit aber länger.

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Landet ein Flug verspätet und der Anschlussflug wartet, bleibt der Koffer jedoch auch mal auf der Strecke. Gleiches gilt, wenn Wetterereignisse schnelles Ausladen oder Einladen verhindern. „An herausfordernden Betriebstagen mit Gewitter und Schneesturm kann die Zahl zurückbleibender Gepäckstücke schnell ansteigen, wenn das System an seine Kapazitätsgrenzen gerät“, sagt Poeschmann.

Mein Koffer ist nicht da – was nun?

Dann sollte man einen Property Irregularity Report (PIR) ausfüllen. Marc Poeschmann empfiehlt, das vor dem Verlassen des Airports zu machen. Diese Verlustmeldung kann man vor Ort am Lost-and-Found-Schalter des Flughafens direkt in der Ausgabehalle oder am Schalter der Airline erledigen. Vielfach geht das auch digital auf der Internetseite der Fluggesellschaft.

„Die Meldung ist wichtig, weil die Airline sonst gar nicht weiß, wo ich erreichbar bin. Etwa, wo der Koffer im Urlaub hingeschickt werden müsste.“ Außerdem ist es wichtig mit Blick auf mögliche Erstattungen, dass man den Verlust der Fluggesellschaft zeitnah meldet. Denn die ist in so einem Fall zuständig, nicht der Flughafen. Oft kommt fehlgeleitetes Gepäck mit einem der nächsten Flieger an. Mit zwei Tagen müsse man für das Nachsenden rechnen.

Was zahlt die Airline?

Muss man sich ersatzweise Kleidung oder Hygieneartikel kaufen, weil der Koffer fehlt, erstattet die Airline das Geld in gewissen Grenzen – die Quittungen sollte man zeitnah bei ihr einreichen, das geht in aller Regel auch online. Die meisten Airlines haben rund um Gepäckverlust im Internet Hilfeseiten mit genauen Informationen und Kontaktdaten.

Ist ein Koffer länger als drei Wochen verschwunden, gilt er als verloren – in dem Fall muss die Airline den Inhalt ersetzen. Hier gibt es eine Haftungshöchstgrenze, die bei aktuell etwas mehr als 1800 Euro liegt.

Als Beleg für solche Fälle sollte man den Inhalt des Koffers vorher bestenfalls fotografiert haben. Und man sollte sich überlegen, was man in den Koffer packt: Für Schmuck, Geld oder auch teure Elektronik schließen Airlines die Haftung in aller Regel aus. Solche Dinge sollten im Handgepäck transportiert werden. Gleiches gilt für wichtige Medikamente.

dpa

Source: welt.de

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