Der Jahrtausend-Frühlingshit

Niemand hat den Frühlingsanfang schöner und erfolgreicher besungen als der dritte Beatle. Nach 57 Jahren wirkt sein Abschiedslied vom langen und kalten, harten und einsamen Winter so aktuell wie nie zuvor.

Lang, kalt und einsam war der Winter, bis das Eis allmählich schmolz. „It’s been a long, cold, lonely winter“, sang George Harrison zum Frühlingsanfang 1969 vor sich hin: „I feel that ice is slowly melting.“ Selbstverständlich sah der Beatle den Wechsel der Jahreszeiten und den warmen Sonnenaufgang in „Here Comes the Sun“ poetisch, als Metapher.

Er schrieb Songs. Im Januar hatte er sich mit Paul McCartney und John Lennon überworfen und die Band im Streit verlassen. Nach einigen Tagen war er wieder da. Aber er stand nicht mehr im Schatten.

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Ob „Here Comes the Sun“ das schönste aller Frühlingslieder ist, entscheidet der Musikgeschmack. Für Spotify ist es, seitdem es als erster Song der Beatles die Milliardenmarke übertroffen hat, das erfolgreichste und populärste. Vielleicht traf das Lied den Zeitgeist sogar nie so umfassend und überzeugend wie 2026, 57 Jahre, nachdem es George Harrison in jenem März erschienen war. Der Wahnsinn wütet in der Welt, über den Kriegswinter hinaus. Aber die Sonne kehrt zurück und spendet Trost. Die Böden sind getaut, es blüht bereits. Wenigstens die Natur wagt einen Neubeginn.

„Here Comes the Sun“ ist ein naives Lied mit seinen heiteren Gitarren, die nicht mehr wollen als der Gesang in seiner leichten Melodie. Hier kommt die Sonne, doo-doo-doo-doo, alles wird gut. „And I say, ‚It’s all right‘“. Ein kleiner Schatz dient als lyrisches Du, in dem der Dichter auch sich selbst anspricht und tröstet. Hart war der Winter 1968/69 für Harrison persönlich nicht nur wegen der schwierigen Aufnahmen der letzten Alben mit den Beatles und den künstlerischen Kränkungen durch die zwei Alpha-Musikanten seiner Band. Das klärte er im Januar. Im Februar bremste eine Operation im Rachen seinen Schaffensdrang als Songschreiber. Im März wurde er wegen eines Hanftütchens verhaftet.

Dann war da noch das Geschäftliche. Die Beatles gründeten ihr eigenes Unternehmen. Apple Records hielt George Harrison vom Liedermachen ab. In seinen Memoiren „I, Me, Mine“ berichtete er, wie er 1969, als der Frühling anbrach, die Büroarbeit bei Apple schwänzte, um seinen Freund Eric Clapton zu besuchen: „Die Befreiung, all diese dämlichen Buchhalter nicht zu sehen, war wunderbar, und ich ging mit einer von Erics akustischen Gitarren durch den Garten und schrieb ‚Here Comes the Sun‘.“ Nach einem Winter, der ihm endlos vorkam: „Wenn der Frühling kommt, hast du das wirklich verdient.“

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Im Sommer nahm er seinen Song auf. Ringo Starr und Paul McCartney spielten mit, John Lennon fehlte. Die Gitarren- und Gesangsspuren füllte George Harrison allein. Hinzu kamen Bratschen, Celli und Kontrabass, Flöten und Klarinetten. Als der Herbst anfing, erschien „Here Comes the Sun“ auf „Abbey Road“, dem letzten Studioalbum, bevor sich die Beatles trennten. Auf der B-Seite, da allerdings als erstes Stück.

Source: welt.de

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