Kurz vor dem Ende seines Ultimatums zur Öffnung der Straße von Hormus hat US-Präsident Donald Trump dem Iran mit der Zerstörung aller Brücken und Kraftwerke gedroht. „Das ganze Land kann in einer Nacht ausgeschaltet werden, und diese Nacht könnte morgen sein“, sagte der US-Präsident im Weißen Haus. Die Kraftwerke im Iran würden „brennen, explodieren und nie wieder genutzt werden können“, drohte Trump. Die bereits mehrfach verschobene Frist zur Öffnung der für den globalen Öl- und Gasmarkt wichtigen Meerenge läuft nach deutscher Zeit um zwei Uhr in der Nacht zum Mittwoch ab.
Bei seinem Auftritt drohte der Präsident zudem einem unbekannten Informanten aufgrund der Medienberichte über die Rettung der US-Kampfjetbesatzung im Iran. Man werde zu einem Medienunternehmen gehen, das die Infos veröffentlicht habe, und unter Verweis auf die nationale Sicherheit die Herausgabe des Namens bei Androhung von Gefängnis verlangen, sagte Trump. Weitere Details nannte er nicht. Die Bekanntmachung der vertraulichen Information sollen demnach die Rettung erschwert haben.
Iran weist Drohungen zurück
Die iranische Militärführung wies die Warnungen des US-Präsidenten in der Nacht zurück. Die „grobe, arrogante Rhetorik“ sowie die „haltlosen Drohungen des wahnhaften US-Präsidenten“ würden die Gegenangriffe auf die USA und Israel nicht stoppen, sagte der Sprecher der Khatam-al-Anbiya-Kommandozentrale, Ebrahim Zolfakari, laut Staatsmedien. Zuvor hatte der Iran eine Waffenruhe abgelehnt und ein endgültiges Ende des Kriegs gefordert.
Israel und Iran fliegen Angriffe
Die israelische Armee griff in der Nacht eigenen Angaben zufolge erneut den Iran an. Dabei sei Infrastruktur in Teheran und anderen Gebieten attackiert worden, teilte die Armee mit. Zugleich habe die israelische Luftabwehr auf Raketenangriffe aus dem Iran reagiert. Iranische Staatsmedien meldeten derweil Explosionen in Teheran und der nahe gelegenen Stadt Karadsch. Die iranischen staatlichen Nachrichtenagenturen Fars und Mehr gaben keine weiteren Details bekannt. Laut dem syrischen Staatsfernsehen waren in der syrischen Hauptstadt Damaskus durch das israelische Abfangen iranischer Raketen verursachte Explosionen zu hören.
UN verlangen Verzicht von Angriffen auf zivile Infrastruktur
UN-Generalsekretär António Guterres appellierte an die Vereinigten Staaten, von Angriffen auf die zivile Infrastruktur im Iran abzusehen. Dies sei nach dem Völkerrecht verboten, sagte UN-Sprecher Stéphane Dujarric. Selbst wenn bestimmte zivile Infrastruktur als militärisches Ziel eingestuft werden könne, wäre ein Angriff dennoch untersagt, wenn er das Risiko eines „übermäßigen unbeabsichtigten Schadens für Zivilisten“ berge. Ob solche Angriffe als Kriegsverbrechen einzustufen seien, müsse ein Gericht entscheiden, sagte Dujarric.
IWF-Chefin geht von gedämpftem Wirtschaftswachstum aus
Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgieva, äußerte sich besorgt über die wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs. Ohne den Krieg wäre sie mit Blick auf die Weltwirtschaft optimistischer gewesen, sagte sie der Nachrichtenagentur Reuters. „Stattdessen führen nun alle Wege zu höheren Preisen und einem langsameren Wachstum“, ergänzte sie. Selbst ein rasches Ende des Kriegs und eine schnelle Erholung würden zu einer geringen Abwärtskorrektur der Wachstumsprognose und einer Aufwärtskorrektur der Inflationsprognose führen. Der Preis für Öl der Nordseesorte Brent stieg zuletzt um rund ein Prozent auf 110 Dollar je Barrel.
Verfolgen Sie alle Entwicklungen im Irankrieg in unserem Liveblog.