Im Interview erzählt der Graf, welchen Unheilig-Song er seiner Frau gewidmet hat und warum er heute offen über seine Beziehung spricht.
Der Graf und Unheilig besiegeln mit der Veröffentlichung ihres Albums am 13. März endgültig ihr Comeback. Nachdem der Sänger und seine Band bereits Singles veröffentlicht und Konzerte gegeben haben, folgt nun das Gesamtwerk „Liebe Glaube Monster“. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erzählt der Musiker, welcher Song von der Liebe seiner Eltern handelt und warum er ein Lied dem Thema Künstliche Intelligenz gewidmet hat. Zudem offenbart der Graf, welche Rolle seine Frau bei seinem Comeback spielt und wie sich seine Fans nach neun Jahren Musikpause verändert haben.
Der Albumtitel vereint drei starke Begriffe – Liebe, Glaube, Monster. Im Titelsong heißt es: „Habe die Liebe im Gepäck, der Glaube, der mein Herz bewegt, ich will der Zukunft auch gehören, keine Monster können mich zerstören.“ Warum stehen diese drei Begriffe im Fokus?
Der Graf: Im Grunde ist das Album eine Reflexion meines Lebens – von klein auf bis heute. Ich hatte neun Jahre Zeit, über vieles nachzudenken, und auch nach dem Comeback habe ich weitergeschrieben und mich erneut mit meinem Leben beschäftigt. Es geht um die Liebe, die ich erfahren durfte – da hatte ich großes Glück. Um den Glauben an sich selbst, den man nicht verlieren darf, gerade wenn man, wie ich, in der Kindheit kämpfen musste. Als Stotterer war es nicht immer leicht. Und es geht auch um den Glauben im spirituellen Sinn. Der Grund, warum wir „Unheilig“ heißen, war ja: Ich bin ein gläubiger Mensch, aber keiner Religion unterworfen. Wer so denkt, ist in allen Religionen „unheilig“. Die Monster stehen für die inneren Dämonen – Ängste, Zweifel, Menschen, die einem nicht guttun oder einen kleinhalten wollen. Doch egal, was andere denken – ich gehe jetzt meinen Weg. Das ist die Einleitung in das Album.
In „Monster“ geht es um die Angst, nicht zu funktionieren oder andere zu enttäuschen – und um den Kampf gegen diese Monster. Was hilft Ihnen, sich ihnen zu stellen?
Der Graf: Monster können alles Mögliche sein: Ängste, Zweifel, Angewohnheiten. Der Schlüssel ist, nicht aufzugeben und auf sich selbst zu hören. Kritik kann hilfreich sein, aber man darf sich nicht darin verlieren. Wichtig ist, sich treu zu bleiben und das zu tun, was man selbst für richtig hält. Und: einfach machen. Es klingt banal, aber manchmal muss man einfach anfangen. Der erste Schritt ist der schwerste, egal ob beim Sport oder im Leben. Wenn du diesen inneren Schweinehund – also dein inneres Monster – überwunden hast, fühlt sich das großartig an.
„Mein Löwe“ haben Sie Ihrer mittlerweile verstorbenen Mutter gewidmet. Handelt „Du bist meine Heimat“ von Ihrer Frau?
Der Graf: Ja. Wir haben uns mit fünf Jahren im Familienurlaub am Bodensee kennengelernt. Wir haben eine Woche lang zusammen gespielt, und als sie abreiste, sagte ich zu meiner Mutter: „Wenn ich groß bin, heirate ich sie.“ Und so kam es. Früher habe ich nie über sie gesprochen, das habe ich eher versteckt – und das war rückblickend nicht gut, das hat mir nicht gutgetan. Sie hatte da nie ein Problem mit. Aber ich habe ihr so viel zu verdanken, und das möchte ich auch sagen dürfen. Jetzt ist sie auf Tour immer mit dabei, was mir sehr hilft. Ich liebe meine Kollegen, aber auf Tour redet man ständig über Technik, Sound oder Organisation. Dann ist es schön, den Menschen, den man liebt, einfach umarmen zu können und mal über etwas anderes zu sprechen.
Der Plan, dass Ihre Frau bei den Konzerten immer dabei ist, ging also auf?
Der Graf: Absolut. Auch mein Hund und Teile meiner Familie sind dabei. Ich habe das große Glück, eine tolle Frau und ein liebevolles Umfeld zu haben. Es ist fast wie ein kleiner Zirkus, der von Stadt zu Stadt zieht – sehr familiär, mit einer ganz besonderen Stimmung. Wir sind keine Partytruppe, die abends feiert, sondern sind eher ruhig unterwegs. Für andere sind wir wahrscheinlich die langweiligste Band der Welt, ich finde es großartig.
In „Liebe“ geht es um die Höhen und Tiefen einer Beziehung. Spiegelt sich darin Ihre eigene Liebe wider?
Der Graf: Das kann man natürlich auch auf meine Beziehung beziehen, aber eigentlich geht es um die Liebe meiner Eltern. Ich habe gesehen, wie sie im hohen Alter immer noch so sind, wie in diesem Lied. Sie haben sich jeden Morgen einen Kuss gegeben, sie haben jeden Morgen gesagt: Ich hab dich lieb. Ich glaube an diese Form von Liebe. Vielleicht ist das eine kindliche Vorstellung, aber ich denke, dass es etwas gibt, das Menschen verbindet – über die Zeit hinaus. Wenn zwei Menschen füreinander bestimmt sind, dann finden sie sich immer wieder, auch nach dem Tod. Diese Vorstellung, dass sich Liebe wiederfindet, finde ich wunderschön.
Sie haben auch einen Song über Künstliche Intelligenz geschrieben. Wie kam es dazu?
Der Graf: KI ist ein Thema unserer Zeit. Als ich vor zehn Jahren aufgehört habe, hätte ich darüber nie ein Lied schreiben können – das Thema existierte so noch nicht. Ich war quasi „eingefroren“, habe lange kaum etwas mitbekommen – kein Internet, kein Social Media, keine neuen Trends. Als ich dann 2025 mein Comeback vorbereitet habe, sagte man mir: „Mach erst mal dein Handy an und schau, was da los ist.“ Ich sehe KI positiv wie negativ. Im medizinischen Bereich kann sie viel bewirken, aber sie kann auch missbraucht werden. Das Internet wird nicht kontrolliert, jeder kann anonym agieren – das halte ich für gefährlich. Es gibt schon KI-generierte Songs in den Charts, bei denen niemand weiß, wer wirklich dahintersteckt. Mein Lied „KI“ beschreibt ein Horror-Szenario, angelehnt an Mary Shelleys „Frankenstein“: Wir erschaffen digitale Menschen, die gar nicht real sind, und glauben ihnen. Damit kann man viel Unruhe und Schaden anrichten. Es war spannend, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen – und es ist wichtig, darüber zu sprechen.
Der Graf: Am Anfang musste ich mich da erst mal einarbeiten. Heute finde ich es großartig, direkt mit den Fans in Kontakt treten zu können. Was ich kritisch sehe, sind die Vorgaben bei Instagram und Co. – dass Songs etwa nur zwei Minuten dauern dürfen, weil die Aufmerksamkeitsspanne angeblich so kurz ist. Ich mache meine Musik nicht kürzer wegen irgendeines Algorithmus. Mittlerweile kümmert sich die Jugend in meiner Familie um vieles. Sie erklären mir geduldig alles, und sie haben gute Ideen. Man merkt, dass es eine Generationenfrage ist – ich bin eher Fraktion Facebook, die es ja auch immer noch gibt. Wir versuchen, beide Lager abzuholen. Wichtig ist mir, offenzubleiben. Ich will kein ewig Gestriger sein, der an alten Weltbildern festhält. Man muss sich immer wieder selbst reflektieren.
Auch Ihr Publikum hat sich verändert. Wie viele Fans sind Ihnen treu geblieben?
Der Graf: Wir haben zum Start sechs kleine Konzerte online gestellt – und sie waren sofort ausverkauft. Damit hatten wir nicht gerechnet. Es war, als wären wir nie weg gewesen. Viele Menschen haben anscheinend immer daran geglaubt, dass wir zurückkehren – das ist ein großes Geschenk. Ich nenne unser Publikum liebevoll das „Mensch ärgere dich nicht“-Publikum – von acht bis 88 Jahren. Auf unseren Konzerten stehen Kinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen nebeneinander. Manche Fans von damals sind heute 20, andere 80. Da muss man auch mal über Sitzplätze nachdenken. Aber es könnte ja nicht schöner sein. Wenn alle Generationen zu deinen Konzerten kommen, ist das das größte Kompliment. Deshalb ist es so wichtig, auf Social Media alle zu erreichen, egal ob auf Facebook oder TikTok.
SpotOnNews
Source: stern.de