Unheilig-Frontmann der Graf erzählt, wie er seine Bühnenunfälle im vergangenen Jahr erlebt hat und wie es um seine Verletzungen heute steht.
Nach neun Jahren Pause meldeten sich der Graf und seine Band Unheilig im vergangenen Jahr zurück. Die Musiker gaben im Herbst und Winter ihre Comeback-Konzerte, veröffentlichten Single-Vorboten und bringen nun am 13. März ihr neues Album „Liebe Glaube Monster“ auf den Markt, bevor es mit Open-Air-Shows im Sommer und einer Arena-Tour Ende des Jahres weitergeht.
Bei den ersten Comeback-Auftritten erlebte der Graf bei all der Freude auch Schreckmomente. Im Haus Auensee in Leipzig stürzte er im November 2025 von der Bühne, im Dezember verletzte sich der Sänger bei der Show in Oberhausen und zog sich einen Muskelfaserriss in der Wade zu. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news gibt der Sänger ein Gesundheitsupdate und liefert einen Ausblick auf seine „Liebe Glaube Monter“-Tour.
Ihr neues Album „Liebe, Glaube, Monster“ steht in den Startlöchern, Comeback-Auftritte haben Sie aber schon absolviert. Dabei haben Sie turbulente Tage auf Tour erlebt, inklusive Bühnensturz und Muskelfaserriss. Wie geht es Ihnen?
Der Graf: Ich bin auf einem guten Weg. Zu 90 Prozent ist alles wieder hergestellt. Der Muskelfaserriss ist schon vergessen, aber die Zähne heilen noch. Ich habe mir den Oberkiefer gebrochen, weil die Zähne nach hinten gedrückt wurden. Ich habe später auf einem Video gesehen, dass ich nach dem Sturz wieder auf die Bühne gegangen bin und weitergesungen habe – daran erinnere ich mich gar nicht mehr. Nach dem Lied bin ich hinter die Bühne und habe in den Spiegel geschaut. Normalerweise weißt du ja, wie du aussiehst – aber in dem Moment dachte ich: Das ist nicht mein Gebiss. Die Zähne waren völlig schief und standen kreuz und quer im Mund.
Und trotzdem sind Sie wieder auf die Bühne gegangen…
Der Graf: Ich dachte mir: Nach neun Jahren Pause, beim ersten Konzert, kannst du nicht nach 15 Minuten aufhören. Ob ich nun sofort in die Uniklinik fahre oder zwei Stunden später, ist egal. Ich hatte kein Flimmern vor den Augen und mir war nicht schwindelig. Also bin ich raus und habe den Menschen erzählt, was passiert ist. Das komplette Team hat mich unterstützt – alle hatten Angst, weil sie gesehen haben, wie ich gefallen bin. Ich bin mit dem Nacken nach hinten geknallt, und da war natürlich die Sorge groß. Während der Show habe ich gemerkt, wie die Muskeln hinten zugemacht haben. Das war schon eine Quälerei.
Wie haben Sie das durchgestanden?
Der Graf: Alle haben zusammengehalten. Das Publikum, meine Crew, meine Frau – sie alle haben mich getragen. Ich sage es immer wieder: Wir haben die besten Fans der Welt. Und meine Crew ist großartig, mein Schlagzeuger ist sogar von der Bühne gesprungen, um mich aufzufangen. Zwischen den Liedern, wenn ich kurz nach hinten gegangen bin, wusste ich: Da ist jemand, der sich kümmert, der schaut, dass es mir gut geht. Dieses Vertrauen war entscheidend. Der Muskelfaserriss kam später – das war wie eine Billardkugel in der Wade, das tat höllisch weh und ich konnte nur noch auf einem Bein hüpfen. Aber das wächst wieder zusammen. Viele haben danach von meinem großen Pech auf Tour geschrieben, ich sehe es als Glück, weil alles auch viel schlimmer hätte kommen können. Es war eine harte Probe, aber letztlich eine gute Generalprobe für alles, was kommt. Ich muss mich jetzt fit halten, regelmäßig dehnen, Sport machen – damit so etwas nicht wieder passiert.
Sind Sie grundsätzlich hart im Nehmen?
Der Graf: Ich bin leidensfähig. Mit körperlichen Schmerzen komme ich gut klar. Ich kann mit einem gebrochenen Arm wahrscheinlich noch weitermachen. Schwieriger ist es, wenn die Psyche nicht mitspielt. Ich bin ein Kopfmensch, und wenn da etwas nicht stimmt, bin ich mir selbst der größte Gegner. Aber in diesem Fall war alles körperlich – das ist mir lieber, weil ich das einschätzen kann.
Machen Sie sich als Kopfmensch dann Druck, dass bei den nächsten Konzerten alles klappt?
Der Graf: Druck ist immer da – den Fans gegenüber, der Crew, allen, die mitarbeiten. Aber es ist ein anderer Druck als früher. Früher haben wir alles selbst gemacht: Wir haben die Konzerte selbst veranstaltet, die Bühne gebaut, die Locations gebucht, das Risiko getragen. Wenn etwas schiefging, waren wir verantwortlich. Das wollte ich nicht mehr.
Was haben Sie geändert?
Der Graf: Wir haben vieles abgegeben. Natürlich verdient jetzt jemand mit, aber das ist es mir wert. Ich kann nachts ruhiger schlafen, weil sich andere um vieles kümmern. Früher waren wir mit 70 Leuten unterwegs, sieben große Sattelschlepper sind von Auftritt zu Auftritt gefahren – diese Verantwortung will ich nicht mehr tragen. 2014, als es die ersten Anschläge auf Konzerte in Frankreich gab, wurden die Sicherheitsmaßnahmen auch in Deutschland hochgeschraubt. Wir hatten schlaflose Nächte, ich hätte mir nie verziehen, wenn einem unserer Fans etwas passiert wäre. Heute ist der Druck geringer, auch wenn die Verantwortung bleibt. Trotzdem liebe ich, was ich tue. Ich habe meinem Manager Anfang 2025 gesagt: „Gib mir ein Mikro und einen Lautsprecher – ich will einfach wieder auf die Bühne.“ Das hat mir gefehlt. Da kann ich eine Seite von mir zeigen, die ich sonst nicht zeigen kann.
Es stehen viele Konzerte an. Auf welche freuen Sie sich besonders?
Der Graf: Ganz besonders auf die Berliner Wuhlheide. Dort habe ich fantastische Erinnerungen, das war eines meiner Karriere-Highlights. Ich wollte dort immer spielen – dieses Amphitheater hat eine einzigartige Atmosphäre. Auch auf Hamburg freue ich mich riesig. Dort ist mir damals die Idee zu „Große Freiheit“ gekommen. Ich liebe die Stadt, die Menschen, den Humor. Ich habe in Lübeck gelernt, war dort Hörgeräteakustiker, daher liegt mir der Norden sehr am Herzen. Aber ich kann eigentlich zu jeder Stadt etwas sagen. Köln zum Beispiel – wir haben dort zuletzt in einer kleineren Location gespielt, das war wunderschön. Und jetzt freue ich mich auf die Arena-Tour zu „Liebe, Glaube, Monster“. Wir haben eine komplett neue Bühne, ein ganz anderes Level, ein neues Konzept. Es wird visuell groß, mit Lichteffekten und Videoelementen. Wenn ich mir vorstelle, wie die neuen Songs mit den alten zusammen live klingen – das wird einfach der Hammer.
SpotOnNews
Source: stern.de