Deepfakes, erneuerbare Energie, kostenlos ins Museum

Der Fall Collien Fernandes beschäftigt uns weiter. Außerdem freuen wir uns über CO2-Einsparungen, gehen kostenlos ins Museum und fragen, was gute Comedy ausmacht

Hallo,

nicht einmal zwei Wochen, nachdem der Fall Collien Fernandes die Aufmerksamkeit auf sexualisierte Gewalt gegen Frauen im Internet gelenkt hat, kommt heraus, dass in einer Männer-Mitarbeiter-Chatgruppe der CDU Niedersachsen ein Deepfake-Video einer Kollegin im Bikini kursierte.

Meine Kollegin Elena Jaekel beschreibt in ihrem Kommentar, wie sie jede dieser Enthüllungen in ihrem eigenen Körper spürt. Mir geht es da nicht anders. Je klarer wird, wie verbreitet dieses Verhalten unter ganz normalen Männern – Kollegen, Brüdern, Partnern, Freunden – ist, desto weniger haben ich und viele Frauen das Gefühl, Männern vorbehaltlos vertrauen zu können.

Je weniger wir uns jedoch vertrauen können, desto leichter haben es diejenigen, die die Gesellschaft spalten wollen. Dabei können die Männer, die keine Gewalt gegen Frauen ausüben, es sicherlich auch nicht wollen, dass ihnen generell misstraut wird – nur weil sie Männer sind.

Deshalb wünsche ich mir mehr als alles andere, dass die anständigen Männer denjenigen, die Frauenhass noch immer für einen guten Witz halten, endlich zeigen, dass sie deren Verhalten nicht mehr hinnehmen.

1. Heute wichtig

2. Made My Day

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Positiv sehen! Pünktlich zu Ostern landete unsere Stromabrechnung im Briefkasten. Meistens ist das eher positiv – die letzten Jahre haben wir eigentlich immer etwas Geld zurückbekommen. Dieses Jahr sieht das leider anders aus. Beim Abendessen gestern hat mir der Brief aber trotzdem ziemlich gute Laune gemacht. Wir beziehen unseren Strom von einer grünen Energiegenossenschaft, die uns mitteilte, dass wir pro kWh im Vergleich zum deutschen Durchschnitt etwa 300g CO₂ sparen. Unser Mehrverbrauch entspricht so gesehen also etwa 63 kg gespartem CO₂.

Mir ist bewusst, dass die Umrechnung wirklich nicht ganz fair ist und weniger Stromverbrauch immer die beste Option ist – aber so fühlt sich die Nachzahlung wenigstens wie Klimaschutz an!

3. Kultur-Tipp

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➜ Gut zu sehen:

Wer in Berlin wohnt, hat in Sachen Kunst eigentlich ein solches Überangebot, dass im besten Fall jeder Tag Kunst-FOMO ist, im schlimmsten Fall, einen das Ganze erschlägt und man sich aus Überforderung gar nichts mehr anguckt.

Wer nicht mehr weiß, was sich anzusehen lohnt, dem empfehle ich die Ausstellungen im KW Institute of Contemporary Art. Aktuell sind dort Installationen von Klara Liden, Werke von Jean Katambayi Mukende und eine Klanginstallation von Else Marie Pade zu sehen – beziehungsweise zu hören. Diesen Donnerstag, am 9. April, ist der Eintritt von 16 bis 21 Uhr kostenlos.

Zum Institut for Contemporary Art

4. Lese-Empfehlung

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Von wegen lustig: Wenn ich an das zurückdenke, was Film und Fernsehen in meiner Kindheit in den 00er Jahren als Comedy verkauft haben, wird mir schlecht. Was ich als Jugendliche daraus mitnahm, war vor allem eins: Frauen sind die Pointe eines guten Witzes und Gewalt gegen sie ist okay, solange Männer darüber lachen. Jacinta Nandi analysiert aber nicht nur, wie Frauenhass damals durch Comedy-Sendungen legitimiert wurde, sondern auch, wie verbreitet er als Thema auf den Poetry-Slam-Bühnen Neuköllns war, was sich seitdem Positives getan hat – und warum Deutschland immer noch ein Täterparadies ist.

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Ich bin ein großer Fan von Joko und Klaas. Und ich denke, als Engländerin und Comedy-Expertin, dass sie die lustigsten Deutschen sind. Ich mag sie, ich gucke sie oft, ich finde sie einfach gut. Aber lange Zeit war ich sauer auf sie wegen eines TV-Streichs, den sie im Oktober 2012 zeigten.

„Der war das auch so unangenehm, die stand wirklich da und hat sich so entwürdigt gefühlt“, sagt Klaas Heufer-Umlauf über die Frau, eine Messehostesse, die in diesem Prank Opfer von Joko und Klaas wurde. Eine wichtige Frage für mich ist: Opfer wovon eigentlich? War das, was passierte, eine Mutprobe, in der Joko eine Messehostess unaufgefordert am Körper anfasste, ein harmloser TV-Streich?

zum ganzen Text

Und damit sind wir auch schon wieder am Ende dieser Ausgabe. Vielleicht bietet sich ja gleich in der Mittagspause die Möglichkeit, herauszufinden, welche Comedy heute deutlich besser ist als Joko, Klaas und Ulmen. Ich empfehle ja immer Douglas von Hannah Gadsby als Peak-Comedy.

Viele Grüße,

Ihre Alina Saha

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Hat Ihnen die Ausgabe gefallen oder haben wir etwas vergessen? Dann freuen wir uns über euer Feedback – per Mail an a.saha@freitag.de

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