Deepfake-Affäre in welcher Union-Niedersachsen – Jetzt spricht welcher gefeuerte Fraktionsgeschäftsführer

In der vergangenen Woche erschütterte eine Deepfake-Affäre die CDU in Niedersachsen. In einer WhatsApp-Gruppe von Fraktionsabgeordneten teilte im Januar ein leitender Angestellter ein KI-generiertes Deepfake-Video, das eine Mitarbeiterin in eindeutig sexualisierter Weise darstellte.

Fraktionschef Sebastian Lechner und die Parlamentarische Geschäftsführerin Carina Hermann erfuhren laut WELT-Recherchen erst zwei Monate später davon. Demnach hatte der ehemalige Geschäftsführer der Fraktion, Adrian Mohr, versucht, das Video löschen zu lassen, wollte den Vorgang offenbar vertuschen. Mohr, der in der vergangenen Woche von seinen Aufgaben freigestellt wurde, äußert sich nun erstmals öffentlich zu dem Fall und weist die Vorwürfe zurück.

In einer über seinen Anwalt verbreiteten Mitteilung heißt es, dass er den Vorfall zutiefst bedauere. Dass er den Vorgang habe vertuschen wollen, bezeichnet Mohr als „schlicht falsch“. Er habe die Löschung veranlasst, um die Verbreitung und „weiteren Schaden zu verhindern, insbesondere natürlich für die betroffene Frau“, heißt es. Er habe es als seine „Aufgabe angesehen, auf Fehlverhalten und mögliche Risiken unverzüglich zu reagieren und die Beteiligten zu schützen“.

Fraktionsspitze widerspricht ehemaligem Geschäftsführer

Auch, dass er die Fraktionsspitze zu spät oder unvollständig informiert habe, stimme nicht. „Ich habe die parlamentarische Geschäftsführerin der CDU-Fraktion über den Vorgang auf der Basis meines Kenntnisstands bereits am 19.01.2026 vollumfänglich unterrichtet“, so Mohr. Ein weiterer Mitarbeiter sei dabei gewesen. Man habe dann gemeinsam „arbeitsrechtliche Schritte gegen den Ersteller des Videos erörtert“. Daraufhin sei eine Abmahnung ausgesprochen worden.

WELT-Informationen zufolge hat Mohr die Fraktionsspitze jedoch nicht vollumfänglich informiert. Hermann bestätigt das in einer Mitteilung: „Ich bin im Januar nur unvollständig und verharmlosend informiert worden. Ich kannte den sexualisierten Inhalt des Videos nicht“. Ihr sei lediglich mitgeteilt worden, dass es sich „um ein unangemessenes Bild mutmaßlich einer Mitarbeiterin handeln würde“. Als Hermann gefragt habe, ob sie das Bild sehen könne, hieß es, es sei bereits gelöscht worden.

Sie hat eigenen Angaben zufolge erst am 27. März „den Inhalt des Videos gesehen und wurde über Name sowie Profilbild der WhatsApp-Gruppe informiert“. Daraufhin habe sie den Fraktionsvorsitzenden Sebastian Lechner in Kenntnis gesetzt. Die Gruppe trug laut Medienberichten den Namen „MitGLIEDER“. Das Profilbild sei ein Elefant mit einem erigierten Penis gewesen.

Fraktionschef will neue Strukturen schaffen

Auch WELT hatte berichtet, dass Lechner im Januar keinerlei Informationen über den Vorgang bekam. Demnach hatte sich Mohr entschuldigt und gesagt, er habe Lechner nicht mit in die Sache hineinziehen wollen. Nach Bekanntwerden des Videos hatte die CDU den Vorgang von der Staatsanwaltschaft Hannover prüfen lassen. Ermittlungen wurden keine aufgenommen. Der Mitarbeiter, der das Video erstellt hatte, wurde fristlos gekündigt

„Um es ganz deutlich zu sagen: Bei frauenfeindlichen Denk- und Verhaltensweisen gibt es in der CDU null Toleranz“, sagte Lechner in der vergangenen Woche. Mit externer Unterstützung wolle der Fraktionsvorsitzende nun Maßnahmen erarbeiten, um effektive Strukturen innerhalb der Partei zu schaffen.

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Source: welt.de

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