Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) hat die jüngsten gesellschaftlichen Diskussionen über Gewalt gegen Frauen begrüßt. „Wirklich ehrlich ist die Debatte nicht“, kritisierte sie zugleich in der Rheinischen Post. Es müsse in Ordnung sein, alle Facetten von Gewalt gegen Frauen anzusprechen, „ohne dass man als rassistisch abgestempelt wird“, sagte Klöckner.
Zwangsehen, Gruppenvergewaltigungen und Übergriffe in sozialen Einrichtungen müssten genauso thematisiert werden wie andere Formen von Gewalt, sagte Klöckner. Auf die Frage, welche Verantwortung Männer hätten, sagte die Bundestagspräsidentin, diese hätten vor allem als Väter einen Einfluss. In dieser Rolle müssten sie einen gleichberechtigten Umgang mit Frauen vorleben.
Bei einer Regierungsbefragung im Bundestag hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) als eine Hauptursache von Gewalt die Zuwanderung nach Deutschland bezeichnet. „Dann müssen wir auch ansprechen, dass ein beachtlicher Teil dieser Gewalt aus den Gruppen der Zuwanderer in die Bundesrepublik Deutschland kommt“, sagte er. Merz wurde für seine Äußerungen teils als rassistisch kritisiert, auch mehrere Abgeordnete widersprachen ihm mit lauten Rufen.
Hintergrund der aktuellen Debatte war ein Bericht des Spiegels, in dem Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes ihrem Ex-Mann, dem Schauspieler und Moderator Christian Ulmen, langjährige sexualisierte Gewalt vorwirft. Ulmens Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an; es handle sich um eine einseitige Darstellung falscher Tatsachen.
Klöckner sprach sich gegenüber der Rheinischen Post auch für eine weibliche Nachfolgerin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier aus. „Es kann doch nicht allein nur Zufall sein, dass es in mehreren Jahrzehnten noch keine Frau an der Spitze unseres Staates gegeben hat“, sagte sie. Auf die Frage, ob sie sich selbst als Kandidatin sehe, antwortete Klöckner: „Ich bin Bundestagspräsidentin.“