Der Regionalverkehr der deutschen Bahn hat sich im vergangenen Jahr besser geschlagen als der Gesamtkonzern. Das operative Ergebnis der Tochtergesellschaft DB Regio ist im vergangenen Jahr gestiegen, sagte Harmen van Zijderveld, der im Konzernvorstand der Bahn für den Regionalverkehr zuständig ist. Bei der Bereitstellung von Zügen im Nahverkehr lief es für DB Regio ebenfalls besser als im Jahr zuvor. Die Zahl der wegen fehlenden Personals oder Fahrzeugschäden ausgefallenen Schienenkilometer ist von 14 Millionen Kilometer oder drei Prozent der gesamten Schienenkilometer auf unter ein Prozent gefallen, sagte van Zijderveld am Mittwoch in Berlin.
Die Pünktlichkeit entwickelt sich auch bei DB Regio in die falsche Richtung. „Das hat auch mit dem Erfolg des Nahverkehrs zu tun, denn das Wachstum überfordert die Infrastruktur“, sagte van Zijderveld. Mit etwas weniger als 90 Prozent pünktlichen Zügen war DB Regio aber auch 2025 deutlich zuverlässiger als der Fernverkehr, der aktuell um eine Zielmarke von 70 Prozent kämpft. „Wir sind ein Stabilitätsfaktor innerhalb des Bahnkonzerns“, sagte van Zijderveld, der seit November an der Spitze von DB Regio steht und bei der Tochtergesellschaft der Bahn die Nachfolge von Evelyn Palla antrat, die an die Konzernspitze berufen wurde.
Wenn die Bahnchefin Ende März die Jahresbilanz für den Gesamtkonzern vorlegt, werden tiefrote Zahlen erwartet. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte zuletzt unter Verweis auf Insider berichtet, dass Abschreibungen beim chronisch unpünktlichen Fernverkehr den Konzern tief in die Verlustzone gedrückt haben. Unter dem Strich liegt das Minus der Bahn demnach bei insgesamt 2,3 Milliarden Euro und damit noch höher als 2024, als es minus 1,8 Milliarden Euro waren. Im operativen Geschäft konnte der hoch verschuldete Konzern mit einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 300 Millionen Euro wohl dennoch besser abschneiden als zuletzt erwartet. Im Vorjahr war ein Betriebsverlust von über 300 Millionen Euro angefallen.
Profitabilität steht 2026 im Fokus
Der Nahverkehr hatte 2024 einen operativen Gewinn von 108 Millionen Euro beigesteuert. Im zurückliegenden Geschäftsjahr ist es noch einmal besser gelaufen. „Wir haben es geschafft, unser Ergebnis signifikant zu steigern“, sagte van Zijderveld, ohne wenige Tage vor der Bilanzpressekonferenz konkrete Zahlen zu nennen. Auch das zuletzt defizitäre Geschäft von DB Regio auf der Straße, mit Bussen im Regionalverkehr, hat 2025 flächendeckend mindestens eine schwarze Null geschafft, sagte er. Der Umsatz der Straße bei DB Regio habe sich seit 2020 glatt verdoppelt und machte 2025 rund zwei Milliarden Euro aus. Der Gesamtumsatz von DB Regio lag 2024 bei etwas mehr als zehn Milliarden Euro.
Für 2026 hat sich van Zijderveld vor allem eine Verbesserung der Profitabilität vorgenommen. Ziel sei es, mittelfristig eine Marge von mindestens drei Prozent zu erreichen, sagte er. 2024 lag die Marge auf Ebene des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern noch bei rund einem Prozent. „Da reicht ein Risiko aus, um das Unternehmen in die rote Zone zu drücken“, sagte van Zijderveld. Es gebe viele Hebel, um Einsparungen zu erzielen und die Profitabilität zu verbessern, auch wenn DB Regio bei der Verschlankung der Verwaltung weiter fortgeschritten sei als der Gesamtkonzern. „Wir sind noch lange nicht ausoptimiert“, sagte er.
Verbessern will DB Regio auch die Sicherheit in ihren Zügen. Im vergangenen Jahr gab es im Regionalverkehr rund 1500 körperliche Angriffe auf Mitarbeiter der Bahn. Damit sei die Zahl der Übergriffe anders als im Fernverkehr um sieben Prozent gesunken, sagte van Zijderveld. Die tödliche Attacke auf einen Zugbegleiter in einem Nahverkehrszug in Rheinland-Pfalz sorgte Anfang Februar aber für bundesweite Bestürzung und habe auch DB Regio zu „neuem Nachdenken“ gezwungen.
Mehr Bodycams, weniger Ausweiskontrollen
Nach einem kurzfristig von Bahnchefin Evelyn Palla initiierten Sicherheitsgipfel hatten Bund, Länder und die Bahn im Februar mitgeteilt, alle Beschäftigten der Bahn im Kundenkontakt auf freiwilliger Basis mit Kameras – sogenannten Bodycams – auszustatten. Darüber hinaus ist die verpflichtende Ausweiskontrolle in Regionalzügen seit dem 1. März ausgesetzt, damit Zugbegleiter gefährlichen Situationen aus dem Weg gehen können. Zudem will die Bahn 200 zusätzliche Sicherheitskräfte einstellen, die an Bahnhöfen zum Einsatz kommen sollen. Eine vor allem von der Eisenbahngewerkschaft EVG geforderte Doppelbesetzung in Nah- und Regionalverkehrszügen ist nicht geplant.
DB Regio will bis zur Jahresmitte die Hälfte aller Zugbegleiter auf freiwilliger Basis mit Kameras ausstatten und alle Beschäftigten im Kundenkontakt in verpflichtenden Schulungen mit der Technik vertraut machen. „Ich halte sehr viel von diesem Instrument, weil es deeskalierend wirkt“, sagte van Zijderveld zum Einsatz von Bodycams. Bisher habe es noch keinen schweren Übergriff auf Mitarbeiter von DB Regio gegeben, die mit einer Kamera ausgestattet waren.
Auch die Entbindung von der Pflicht zur Ausweiskontrolle hält van Zijderveld für sinnvoll. „Zwei Drittel aller Übergriffe entstehen in Situationen, in denen neben dem Ticket auch der Ausweis kontrolliert wird“, sagte van Zijderveld. Langfristig will sich DB Regio mit betrugssicheren digitalen Tickets der Notwendigkeit von Ausweiskontrollen ganz entledigen. Entsprechende Lösungen kämen in einzelnen Verkehrsverbünden zum Einsatz, sagte van Zijderveld. Jetzt gehe es darum, diese Digitalisierungsmöglichkeiten zu skalieren.