DB-Managerin soll umziehen: Rabiater Umbau

In der Vorstandsetage der Deutschen Bahn geht es derzeit zu wie auf Deutschlands Bahnhöfen. Nicht selten scheuchen unerhoffte Gleiswechsel die Kunden kurzfristig von einem Bahnsteig zum nächsten. Ähnlich disruptiv darf man sich die Personalpolitik der neuen Bahnchefin Evelyn Palla vorstellen. Seit ihrem Amtsantritt Anfang Oktober hat sie den Vorstand kräftig umgebaut, und ausgerechnet auf dem wichtigsten Vorstandsposten gibt es mehr abrupte Wechsel, als ihr lieb sein kann. Die Finanzchefin Karin Dohm, gerade drei Monate im Amt, soll schon wieder ausgetauscht werden. Das bringt zusätzlich Unruhe in einen Konzern, der ohnehin schon tief in der Misere steckt.

Offenbar hat sich Palla bei dieser Personalie gründlich verschätzt, und es bedarf einer umfassenden Ana­lyse, warum dies geschah. Der Posten des Finanzvorstands beim wichtigsten und größten Staatskonzern ist keine Lappalie. Wer immer ihn bekleidet, muss nicht nur ein heraus­ragender Finanzprofi sein, sondern auch in der Politik bestens vernetzt. Anders als in anderen Unternehmen geht es nicht nur darum, die Einnahmen und Ausgaben im Blick zu behalten und notfalls den Rotstift anzusetzen. Es geht auch um eine delikate Zusammenarbeit mit dem Bund, der für das umfangreiche Sanierungsprogramm in den kommenden Jahren viele zusätzliche Milliarden zur Verfügung stellen muss.

Schon früh Zweifel an Dohm

Es gab schon früh Zweifel daran, dass die ehemalige Hornbach-Managerin Dohm dieser Aufgabe gewachsen ist. Ihr Kurzauftritt beim Auto­mobilzulieferer Continental hätte zusätzlich eine Warnung sein können, dass sie womöglich nicht zu den umgänglichsten Zeitgenossen gehört. Als Bahnmanagerin muss das nicht ihre herausragendste Eigenschaft sein; da sind klare Zielvorstellungen und Durchsetzungskraft wichtiger. Aber wer in so kurzer Zeit so viel Vertrauen zerstört, muss gleich in mehrerer Hinsicht wirklich ungeeignet sein.

Bahnchefin Palla muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie bei ihrem rabiaten Umbau sowohl des Konzernvorstands als auch der darunter liegenden Managementetagen bisher kaum überzeugende Ergebnisse erzielt hat. Die Personalie Dohm ist im Konzern nicht die einzige, die für Unmut sorgt und Fragen aufwirft. Bisher wird Palla noch zugute gehalten, dass sie in dem Konzern ordentlich aufräumen will. Aber danach sollte es besser aussehen als vorher.

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