„Dass da Menschen ein kleinster Teil unschuldig werden, dazu habe ich Verständnis“, sagt jener Ortsvorsteher

Nach dem großflächigen Stromausfall in Berlin verteidigt Bürgermeister Kai Wegner das Krisenmanagement des Senats. Zugleich äußert er Verständnis für den Ärger betroffener Bürger und verweist auf Hilfsbereitschaft und Unterstützung – auch durch die Bundeswehr.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat das Krisenmanagement des Senats nach dem Stromausfall in der Hauptstadt verteidigt und Verständnis für Ärger bei betroffenen Bürgern geäußert. „Die Krisenstäbe haben funktioniert, vom ersten Moment an“, sagte Wegner am Montag bei einer Pressekonferenz in Berlin. Er dankte allen Senatskollegen dafür, „dass das Krisenmanagement so schnell, so gut angelaufen ist“.

Der Anschlag auf Kabel, zu dem sich Linksextremisten bekannt haben, sorgt seit dem frühen Samstagmorgen für einen großen Stromausfall. Zunächst waren 45.000 Haushalte und mehr als 2200 Unternehmen betroffen, inzwischen erhalten etwa 15.000 Kunden wieder Energie. Der Betreiber Stromnetz Berlin versucht, die zerstörten Starkstromleitungen so schnell wie möglich zu reparieren.

Bei einem Termin in dem betroffenen Bezirk war Wegner am Sonntag wütenden Bürgern begegnet. „Das, was ich gestern an Gesprächen hatte, war überwiegend sehr besonnen“, sagte Wegner. Dass Menschen in der Situation sauer oder erregt seien, könne er nachvollziehen. „Dass da Menschen auch ein bisschen lauter werden und ihren Druck auch mal loslassen wollen, dafür habe ich großes Verständnis.“

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Wegner dankte neben seinen Senatskollegen auch allen Berlinern und den Hilfsorganisationen für die Hilfsbereitschaft. „Wir haben eine unglaubliche Hilfsbereitschaft aus der Zivilgesellschaft.“ Auch die Bundesregierung sowie die Hilfsangebote anderer Bundesländer lobte er. Mittlerweile erhalte Berlin auch Unterstützung von der Bundeswehr.

Die Armee helfe mit der Anlieferung von Notstromaggregaten, sagte Innensenatorin Iris Spranger (SPD). Sie kritisierte den Anschlag scharf. „Ich verurteile diesen menschenverachtenden Anschlag, der bewusst und gezielt Menschenleben gefährdet“, sagte sie. In der Region gebe es viele ältere Menschen und vulnerable Gruppen in Pflegeheimen. Man könne in diesem Fall nicht mehr von Extremismus sprechen, ein Anschlag wie dieser sei „Linksterrorismus“.

Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) erklärte, noch seien etwa 28.500 Haushalte betroffen. Zehn Mittelspannungskabel waren beschädigt, seien aber schnell zu reparieren gewesen. Doch da auch Hochspannungskabel zerstört wurden, seien noch immer zehntausende Haushalte ohne Strom. Ein weiteres Problem seien die „Nahversorgungseinrichtungen“ – also Supermärkte. Einige hätten Notstromaggregate angefragt, um normal weiterarbeiten zu können.

ll/jr/jf

Source: welt.de

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