Schurken, Helden, Macher: Der Schauspieler Mario Adorf gab dem deutschen Kino eine Wucht und Präsenz, die nicht so häufig zu sehen war. Die folgende Auswahl an Filmen und Fernsehserien beweist das aufs Schönste.
Mario Adorfs ersten Rollen ab 1954 waren kleine Auftritte als Gefreiter Wagner und als Unteroffizier Stamm in den „08/15“-Filmen. Dann folgten hunderte Auftritte in Filmen und im Fernsehen des Schauspielers, der am 8. September 1930 in Zürich geboren wurde und am 8. April 2026 in Paris starb.
„Nachts wenn der Teufel kam“ (1957)
Sein Durchbruch: Der aus dem Exil zurückgekehrte Regisseur Robert Siodmak dreht einen Krimi über die Nazizeit. Adorf ist Bruno Lüdtke, ein angeblicher Serienmörder, und er spielt sich die Seele aus dem Leib.
„Das Totenschiff“ (1959)
„Seeman, was? Was fährstn?“, fragt Horst Buchholz. „Maschine. Trimmer“, sagt Adorf. Eine Reise übers Wasser in den Wahnsinn, bis nur noch ein Floß übrig ist. „Das Totenschiff“ zeigt, wie das deutsche Kino auch mal sein konnte. (Hier zu sehen.)
„Winnetou I“ (1963)
Santer hat keinen Vornamen. Santer ist ein Schurke. Wer Mario Adorfs Figur nicht gehasst hat und beim Tod von Nscho-tschi nicht gelitten, der hat kein Herz. Ein Western aus Jugoslawien fürs bundesrepublikanische Seelenheil. Toll!
„Deadlock“ (1970)
Ein deutscher Spätwestern, voller Liebe für die großen Vorbilder, gedreht in der Negevwüste Israels. Roland Klicks Kino war der Versuch, aus der intellektuellen Kino-Anmutung nach 1968 auszubrechen, und Mario Adorf sein Mann.
„Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (1975)
Mario Adorf als Kommissar Beizmenne, der Katharina Blum verhört und verfolgt, die eine Nacht mit einem mutmaßlichen Terroristen verbracht hat. Es geht um Boulevard-Journalismus und Paranoia. Adorfs Präsenz ist wie so oft nicht zu übertreffen.
„Die Blechtrommel“ (1979)
Adorf spielt Oskar Mazeraths Vater. Eine Wucht. Junge Zuschauer waren nach der Szene mit Adorf, der mit einem Pferdekopf Aale fängt und sie von seiner Frau essen lässt, schier traumatisiert. Unbedingt noch mal anschauen.
„Lola“ (1981)
Bonbonbunt und zugleich grausig kalt. R. W. Fassbinders Abrechnung mit der Biederlichkeit der 50er-Jahre. Mario Adorf behält als Baulöwe Schuckert die Zügel in der Hand, auch die der Prostituierten Lola.
„Kir Royal“, Folge 1: „Wer reinkommt, ist drin“ (1986)
„Isch mach in Kleber.“ Fast alle Sätze vom rheinischen Fabrikanten Heinrich Haffenloher sind grandios. Adorf dreht herrlich auf. „Isch scheiß dich so zu mit meine Jeld.“ „Sag: ,Für Geld tu ich alles‘.“
„Der große Bellheim“ (1993)
Einmal noch die Deutschland AG der alten Tage retten. Adorf zieht als alter Kaufhausleiter Peter Bellheim in den Kampf gegen Finanzmenschen und andere Schufte. Die Gründer-Generation wehrt und behauptet sich in Dieter Wedels Vierteiler. Hat was Märchenhaftes.
„Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“ (1997)
Deutsches Super-Kino. Beinahe wie „The Avengers“, nur in München. Alle sind dabei. Adorf ist Restaurant-Chef Paolo Rossini, er leidet wunderschön und zeigt alles, was an Italien so liebenswert ist.
Source: welt.de