Der FC Bayern hat im Kampf um die Meisterschaft vorgelegt. Borussia Dortmund kann bei RB Leipzig nicht nachziehen. Der BVB kommt nach einer schwachen Halbzeit zwar zurück, gewinnt aber nicht mehr. Niko Kovac und Sebastian Kehl fühlen sich um einen Elfmeter gebracht.
Super-Serie gerettet, Bayern-Jagd aber vorerst abgeblasen: Borussia Dortmund hat im Top-Spiel bei RB Leipzig in der Nachspielzeit ein 2:2 (0:2) gerettet. Der BVB liegt nun aber acht Zähler hinter Tabellenführer München. Immerhin baute die Borussia ihre Serie von ungeschlagenen Spielen auf 16 aus: Nur drei Mannschaften (AC Mailand, Fenerbahce Istanbul und Slavia Prag) sind europaweit derzeit besser. Leipzig bleibt Fünfter.
Vor 47.800 Fans avancierte Christoph Baumgartner in der ersten Halbzeit scheinbar schon zum Leipziger Helden. Der Top-Scorer der Sachsen schloss zweimal den nahezu identischen Spielzug ab, sorgte mit Toren in der 20. und 39. Minute für die hochverdiente Halbzeit-Führung. Leipzig brachte Dortmund zurück ins Spiel, Romulo (50.) unterlief ein Eigentor. In der fünften Minuten der Nachspielzeit gelang Fabio Silva der Ausgleich nach Zuspiel von Karim Adeyemi.
Dortmund bleibt damit so etwas wie der Aufbaugegner der Leipziger, die in diesem Jahr bisher unterdurchschnittlich in der Leistung und im Punkte sammeln waren. Das Remis war das sechste Heimspiel der Sachsen gegen den BVB ohne Niederlage, zuvor hatte es fünf Siege gegeben. Zudem bleibt Niko Kovac im Trainer-Duell mit Ole Werner ohne Sieg.
„Wir haben ärgerliche zwei Tore bekommen“, sagte BVB-Keeper Gregor Kobel beim Sender Sky: Es sei aber nicht so, dass Leipzig kein Fußball spielen könne. „Grundsätzlich gut, dass die Mannschaft noch mal zurückgekommen ist“, betonte BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl, monierte aber: „Wir haben es in der ersten Halbzeit nicht richtig gut gemacht.“
Sie seien dann in der zweiten Halbzeit näher dran gewesen, das Spiel zu gewinnen, meinte Kehl und reklamierte auch noch mal einen Foulelfmeter nach einem Zweikampf mit Karim Adeyemi, der im Strafraum der Leipziger in der Schlussphase zu Fall gekommen war. Der VAR verzichtete sehr zum Unwillen der Borussen auf eine Überprüfung.
Auch Kovac ärgerte sich über das Laufduell zwischen Lukeba und Adeyemi in der 89. Minute. „Ich war bis zum 13./14. Lebensjahr auch Judoka. Das ist eine Sichel, das ist ein Feger“, sagte Kovac bei Sky. „Ich weiß nicht, was wir da im Studio wieder gesehen haben, aber anscheinend das falsche.“
Mit Studio meinte Kovac den Videoschiedsrichter. Keinen Vorwurf machte er Schiedsrichter Benjamin Brand. „Das kann der Schiedsrichter nicht sehen. Aber der im Studio hat die Bilder, die wir auch haben“, sagte der 54-Jährige. „Das ist eine Fehlentscheidung. Er trifft ihn ja.“
Im Vergleich zum souveränen Play-off-Auftritt in der Champions League gegen Atalanta Bergamo am Dienstag nahm BVB-Coach Kovac nur eine Veränderung vor. Anstelle von Julian Brandt agierte der Ex-Leipziger Marcel Sabitzer im offensiven Mittelfeld. Dort setzte der österreichische Nationalspieler zunächst wenig Akzente. Nach acht Minuten musste BVB-Keeper Gregor Kobel zum ersten Mal gegen Romulo eingreifen.
Im direkten Konter stürmte plötzlich Maximilian Beier auf das Leipziger Tor zu, scheiterte aber an Maarten Vandevoordt. Der Belgier war für den verletzten Peter Gulacsi zwischen die Pfosten gerückt, er soll den langjährigen Kapitän mittelfristig als Nummer eins ersetzen. „Wir haben Energie auf den Platz gebracht und zwei sehr schöne Tore gemacht“, sagte Gulacsi in der Halbzeit.
Leipzig trifft zweimal nahezu identisch
Zwei nahezu identische Tore über die linke Seite sogar. Zunächst brachte Nicolas Seiwald mit einem präzisen Diagonalball Yan Diomande ins Spiel. Der Shooting-Star der Saison tanzte Julian Ryerson aus, brachte den Ball flach in die Mitte, wo der zum kurzen Pfosten gelaufene Baumgartner vollendete. Acht Minuten später wählte Baumgartner denselben Laufweg, doch sein Abschluss ging knapp am langen Pfosten vorbei.
Trotz der Ausfälle von Nico Schlotterbeck, Emre Can und Niklas Süle sollte sich die BVB-Abwehr nun auf Baumgartners Laufweg eingestellt haben. Oder auch nicht: In der 37. Minute verfehlte Österreicher am kurzen Pfosten knapp das Tor, zwei Minuten später traf er nach Vorlage von Nationalspieler David Raum zum zweiten Mal – sein zehntes Bundesliga-Tor der Saison.
Nach dem Wechsel kam der BVB prompt zurück ins Spiel – mit Leipziger Hilfe. Nach einer Ecke von Ryerson verlängerte der Leipziger Willi Orban unfreiwillig und Romulo kann sein Kopfball-Eigentor nicht verhindern. Es war allerdings mitnichten so, dass das Tor als Initialzündung für den BVB diente. Auch wenn die Gäste etwas engagierter nach vorn spielten, blieben Großchancen lange Zeit aus.
Stattdessen hatte Ridle Baku (73.) das dritte RB-Tor auf dem Fuß. Der Nationalspieler umkurvte Kobel, hatte nur noch das leere BVB-Tor vor sich. Doch der Winkel war bereits zu spitz, Rami Bensebaini klärte problemlos.
Als alles schon nach einem Leipziger Sieg aussah, wurde Karim Adeyemi nochmal steil geschickt. Der Nationalspieler war schneller als Castello Lukeba, legte den Ball flach quer – und Fabio Silva vollendete mühelos am zweiten Pfosten. Danach hatte Julian Brandt sogar noch den Sieg auf dem Fuß, scheiterte aber vor Vandevoordt.
luwi/dpa
Source: welt.de