Das ist dieser Mann, dieser beim BVB hinaus Sebastian Kehl folgt

Nils-Ole Book wird neuer Sportdirektor bei Borussia Dortmund. Der 40-Jährige hat sich in Elversberg den Ruf eines Diamantenauges erworben und wagt nun den Schritt zu seinem Lieblingsverein. Kann er auch große Transfers tätigen?

In Sachen Herzensverein hat er einen großen Vorteil: Nils-Ole Book ist bekennender Anhänger des BVB. Vor 40 Jahren wurde er im eine Autostunde von Dortmund entfernten Beckum geboren, seit Kindheitstagen besteht die besondere Beziehung zu den Schwarz-Gelben. Weitaus mehr als die für einen Traditionsverein durchaus wichtige Fanfolklore bringt der Mann, der ab Mittwoch die Nachfolge von Sebastian Kehl antritt, aber vor allem eines mit: ein feines Gespür für große Talente.

Das ist seit einigen Jahren in der saarländischen Provinz zu bestaunen. Book gilt bei der SV Elversberg als Baumeister der mehr als erstaunlichen Erfolge. Immer wieder schaffte er es, namhafte Talente zum Klub zu locken: Nick Woltemade, Paul Wanner, Fisnik Asllani und Muhammed Damar – sie alle spielten schon leihweise für den Verein und vollzogen abseits des ganz großen medialen Interesses den nächsten Entwicklungsschritt ihrer Karrieren. Das gilt auch für Torjäger Younes Ebnoutalib, den Book vor 15 Monaten in der vierten Liga beim FC Gießen entdeckte, ihn für 50.000 Euro fest verpflichtete – und der in der jüngsten Transferphase für acht Millionen Euro zu Eintracht Frankfurt wechselte.

Derlei Diamantenaugen sind in der Branche begehrt. Borussia Mönchengladbach und der VfL Wolfsburg sollen daher schon an einer Verpflichtung des Elversberger Sportvorstands interessiert gewesen sein, Book aber entschied sich für einen Verbleib. Dem Werben seines Herzesverein erlag er aber nun. Nur einen Tag nach der einvernehmlichen Trennung von Kehl präsentierte Borussia Dortmund Book als neuen Sportdirektor.

„Kreative und mutige Ideen“

„Ich verfolge seine hervorragende Arbeit in Elversberg zunächst als Sportdirektor und zuletzt als Sportvorstand schon lange und bin absolut überzeugt, dass Ole fachlich und menschlich sehr gut zu uns passt“, sagte Dortmunds Sportchef Lars Ricken, der Book als „Wunschkandidaten“ bezeichnete. „Wir haben großes Vertrauen in Ole und seine Expertise, wenn es darum geht, kreative und mutige Ideen auf dem Transfermarkt zu entwickeln“, sagte Ricken und nannte als Beleg Books Arbeit beim saarländischen Dorfklub, den er von der Regionalliga in die Spitzengruppe der zweiten Liga geführt hatte.

Bei Borussia Dortmund war die Stelle von Kehl seit Sonntag vakant. Der BVB trennte sich einvernehmlich vom Sportdirektor und präsentierte nun zügig einen Nachfolger. Die Frage ist nur, ob Book auch schnell umschwenken und Transfers jenseits der 25-Miilionen-Euro-Grenze stemmen kann. Das wird von einem Sportdirektor in Dortmund erwartet und dürfte auch weiterhin zum Kerngeschäft zählen.

Book spielte einst für den MSV Duisburg, Rot Weiss Ahlen und Wehen Wiesbaden – und absolvierte gar in U21-Länderspiel: im April 2007 gegen die Schweiz. Nach dem Ende seiner aktiven Karriere schloss er sich der SV Elversberg an. Zunächst 2017 als Nachwuchsscout, dann ab 2018 als Sportdirektor und schließlich ab 2023 als Sportvorstand. Nach Trainer Horst Steffen, der im vergangenen Sommer zu Werder Bremen gewechselt war und dort auch schon wieder Geschichte ist, ist dies für den saarländischen Verein der nächste herbe Verlust binnen neun Monaten auf der Kommandobrücke.

Für Book aber ist es ein gewaltiger Sprung. „Borussia Dortmund ist ein besonderer Verein für mich mit einer emotionalen Verbindung seit Kindheitstagen. Nicht nur deshalb möchte ich der SV Elversberg, allen voran Dominik Holzer (Präsident, d. Red.) dafür danken, dass ich meine Arbeit in Dortmund direkt beginnen kann“, sagte der 40-Jährige am Montagnachmittag.

jb

Source: welt.de

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