Der krausköpfige Musiker Mo (Timur Işık) ist ein Mann, der aus prinzipiellen Gründen ohne Fernseher zu leben versucht, und es gibt Tage, an denen man diese Entscheidung bestens versteht. Fernseher im Raum machen die schönsten Einrichtungsideen zunichte. Sie eignen sich nur bedingt zur Erziehung von Kindern. Und im Abendprogramm laufen im Zweifel ja doch nur halbgare Krimis und Wohlfühlgeschichten wie die melancholische Komödie „Louma“, die kein schlagendes Argument für die Anschaffung einer Mattscheibe abwirft.
Der Neue bringt erstmal einen Fernseher mit
Kurz nach dem Autounfall, bei dem Mos Partnerin Lou (Marie Nasemann) ums Leben kam, wird trotzdem eine Flimmerkiste angeschafft. Außerdem ein Statussymbol von Kaffeemaschine. Und ein neuer Mitbewohner, der diese Dinge für notwendig hält. Das ist der Makro-, Mikro- und Alltagsmanager Tristan (Trystan Pütter). Er war der erste Gatte von Lou und bekam mit ihr die Kinder Toni (Lola Höller) und Fabi (Noél Gabriel Kipp), die nach dem Ende der Beziehung bei der Mutter blieben. Nano (Michel Koch) und Fritte (Emily Kaiser) hingegen, entsprechend jünger, stammen von Mo.
Für Tristan war das ausgesourcte Familienleben bequem. Es schmolz auf zwei Wochenenden mit dem Nachwuchs zusammen, und in der übrigen Zeit vermochte er sich ganz der Expansion seiner Kaffeehaus-Kette zu widmen. Selbst am Tag von Lous Beerdigung, gleich nach der Trauerfeier, bricht er zu einer Geschäftsreise auf. Der kreative Mo klettert unterdessen mit allen vier Kindern über die Mauer des Friedhofs. Er will mit ihnen in einem Zelt am Grab übernachten. Bis Tristan unerwartet auftaucht. Er kündigt an, Toni und Fabi zu sich zu nehmen.
Entsetzte Gesichter. Die vier Kinder fühlen sich längst als Geschwister, und dass Mo ihr Vater ist, ob blutsverwandt oder nicht, steht für Toni und Fabi bis auf Weiteres ebenfalls fest. Vater ist, wer sich kümmert. Die Verzweiflung gebiert einen Plan, der das Auseinanderreißen der Patchwork-Nähte verhindern soll: Tristan muss einziehen, damit Toni und Fabi nicht ausziehen müssen.
Jetzt geschieht es. Tristan zieht ein und verändert die Regeln augenblicklich nach seinem Geschmack. Der Freigeist Mo, der in fast allen Belangen andere Vorstellungen hat, erlebt es mit Schrecken. Ein Fernseher kommt ins Haus. Der wilde Garten mit der umgestürzten Eiche wird gründlich rasiert, und wenn Mo den Kochlöffel schwingt, klingelt Tristan trotz des dampfenden Topfes einen Sushi-Boten herbei. Der Ton, den er als Marionettenspieler der Kinder anzuschlagen versucht, ist spürbar härter als der sensible von Mo.
Eine Eskalation sieht das Drehbuch bis auf einige Rangeleien und beleidigte Blicke leider nicht vor. „Louma“, geschrieben von Christian Schnalke, der auch den 2021 veröffentlichten Roman verfasste (Regie Mark Monheim), ist keine Klamotte mit überdrehten Ideen und gepfefferten Sprüchen, sondern biederes Schmunzelfernsehen mit „vill Jeföhl“, wie man im Rheinland, dem Ort der Handlung, so sagt.
Den Schauspielern macht das nichts aus. Sie gehen vergnügt zu Werke. Aber man merkt es schon beim Hoppeln der Friedhofskaninchen: „Louma“ ist eine herzige Sache. Warm sind die Bilder und aufgeräumt die Kulissen, Trauriges wird durch gefühlige Gitarre und Wütendes mit entwaffnendem Tanz-Akkordeon unterlegt (Musik Vanessa Donelly), die schlimmste Drohgeste ist eine Motorsäge, die erhoben und wieder gesenkt wird.
Alle haben sich lieb. Nicht sofort, versteht sich, mit den Unterschieden zwischen den beiden Männern lässt sich schon spielen. Aber doch im Laufe der neunzig Minuten, den dieses Schonwaschprogramm mit Tabs aus der Didaktik-Abteilung in Anspruch nimmt. Der Weg zum Familienglück in ungewohnter Konstellation führt über rührselige Rückblenden, innige Männergespräche und die Hinwendung zu den trauernden Kindern. Und zum großen Schlussgag (Hochzeit nicht ausgeschlossen) ist auch der seit Lous Unfall vermisste Wuschelhund Hummel wieder im Haus.
Louma – Familie ist kein Kinderspiel läuft am Mittwoch um 20.15 Uhr im Ersten.
Source: faz.net