Das dynamische Dutzend

Im sportlichen Tanztheaterstück „Skatepark“ holt Choreografin Mette Ingvartsen die unglaubliche Energie und Entschlossenheit versierter Skateboarder und Rollschuhfahrerinnen auf die Bühne. Auf Kampnagel waren sieben Hamburger Skater mit von der Partie.

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Um sich ihr neues Tanztheaterstück „Skatepark“ zusammenzureimen, verbrachte die dänische Choreografin Mette Ingvartsen viel Zeit am Rande von Skateparks. Nun brachte sie die Essenz ihrer ausführlichen Recherche auf die Bühne. Und ihr Stück „Skatepark“ hält, was der Titel verspricht. Denn die Kulisse besteht aus einer Funbox voller Rampen und Kanten. Die zwölf Darstellerinnen und Darsteller verausgaben sich in dieser Box, die wirkt wie eine öffentliche Sport- und Spaßanlage, im Verlauf des Stücks völlig.

Lokale Skateboarder zeigen ihr Können

Die erste halbe Stunde ist dabei mehr oder minder dem Aufwärmen gewidmet. Diesen Teil der Show dürfen die lokalen Helden, die glorreichen Sieben, mitgestalten. Ingvartsen hat sie in Hamburg ausgewählt. Sie zeigen, vom Kind bis zum Erwachsenen, welche Moves sie draufhaben: Flipps, Slides und Ollies bestimmen die Szene. Die Bühne ist gut gefüllt und die ersten Beinah-Zusammenstöße werden vermieden. Wann immer ein Skater absteigt, weil ein Trick nicht gelingt, wird er von den anderen geschickt umkurvt. Trotz wagemutiger Manöver gibt es am Premierenabend keinen einzigen Unfall.

Auch das gehört zum Gebilde Skatepark, in dem unterschiedliche Kulturen nebeneinander und gemeinsam Spaß haben: Regeln, die von allen anerkannt und eingehalten werden. Live gespielter Funk von der E-Gitarre zu fetten Grooves gibt dem Einstieg ins Stück einen entspannten Charakter. Doch das bleibt nicht so. Denn der Sport wird auch vom Wettstreit geprägt. Hier geht es darum, wer über immer höher aufgebaute Skateboards springen kann, die eine zunächst kleine, dann immer größere Hinderniswand bilden, schließlich fünf Boards hoch. Alle sind dabei, und wer ausgeschieden ist, fiebert bei denen mit, die noch im Rennen sind.

Maskiert, aber nicht anonym

Dann kommt es zu stärker synchronisierten Fahrten und der Einfluss der Choreografin wird offenkundig, denn nun gibt es plötzlich erste Tanzszenen, mit Skatern, mit Rollschulfahrerinnen und Sängern, die laut singen. Erst klingt alles funky, später immer stärker nach Rave, die Beats werden härter. Immer wieder sind zunächst vier Darsteller mit Gesichtsmasken unterwegs, bis zum Schluss schließlich alle Masken tragen, einer eine weiße Fahne schwingt. Abgesehen davon, dass die Tänzerinnen und Tänzer an ihrer Kleidung erkennbar bleiben, lassen sie sich mittlerweile an ihren Bewegungsmustern erkennen, an ihren typischen Tricks.

In den offenkundig am Tanz orientierten Szenen kommt es auch zu besinnlicheren, fast lyrischen Momenten, etwa, wenn zwei Rollschuhfahrerinnen einander in weitem Bogen umkreisen, oder wenn plötzlich alles mehr oder minder diszipliniert im Kreis hintereinander herfahren. So wird der Skatepark zum Abbild einer komplexen Gemeinschaft. Hindernisse sind dazu da, überwunden zu werden. Wer will, kann sich mit ungeheurer Energie etwas beibringen und damit glänzen.

Spaß, Power und Rebellion

Einander im Wettkampf überbieten, zugleich füreinander da sein, mit Freunden gemeinsam Spaß haben, sich allein austoben, auspowern, in der Musik sein, rebellieren, all das geht hier Hand in Hand. Und parallel kann jeder so unterwegs sein, wie es ihm, seinen Talenten, am meisten entspricht. Unermüdlich, entweder auf dem Skateboard, oder auf Rollschuhen, oder am Musikinstrument oder als Breakdancer, mit dem Basketball oder in einem alten Autoreifen. So wird „Skatepark“ zu einem Ausflug in eine fremde, faszinierende Welt, die Chancen aufzeigt und in der es keinen Moment der Langeweile gibt, denn es gibt immer wieder etwas zu entdecken.

Termin: Samstag, 18. April, 20 Uhr

Source: welt.de

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