„Dann können wir dichtmachen“Die USA wollen, dass Kalabrien kubanische Ärzte rauswirft
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Will US-Präsident Trump verhindern, dass kubanische Ärzte in der süditalienischen Region Kalabrien ausgebeutet werden? Wohl kaum. Für Kalabrien eine schwierige Lage: Das Gesundheitssystem dort ist ohnehin massiv überfordert.
Wenn man dieser Tage über Krieg, Tod und Verwüstung liest und hört, dann erscheint der Fall der kubanischen Ärzte in Kalabrien eher nebensächlich. Ginge es nach US-Präsident Donald Trump, müssten diese sofort nach Hause geschickt werden. Die Sache ist aber nicht nebensächlich. Und sie verweist wieder einmal darauf, wie zwiespältig Trumps Beziehung zur italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ist.
Seit 2022 arbeiten 321 Ärzte aus Kuba in der süditalienischen Region. Sie wurden vom Präsidenten der Region, Roberto Occhiuto, infolge eines Abkommens mit einer staatlichen kubanischen Dienstleistungsagentur nach Kalabrien geholt. Der Mangel an medizinischem Personal in der Region ist dramatisch, und das nicht erst seit gestern. Eingestellt wurden etwa Chirurgen, Kardiologen, Orthopäden und Urologen.
Das Abkommen mit Kuba läuft noch bis Ende 2027. Dass sie dann wirklich gehen, können sich weder ihre italienischen Ärzte-Kollegen noch die Kalabresen vorstellen. Letztere haben mit einer Protestwelle gedroht, sollte das wirklich geschehen.
Schuldenberg und Mafia-Machenschaften
In Italien gehört das Gesundheitswesen zu den Bereichen, die der regionalen Verwaltung obliegen. In Kalabrien hat die Regierung in Rom schon 2009 eine kommissarische Verwaltung eingesetzt, als die Schulden des kalabrischen Gesundheitssystems komplett außer Kontrolle gerieten – auch, weil die ‚Ndrangheta, die kalabrische Mafia, sich tief in das System eingenistet hatte. Die kommissarische Verwaltung dauert bis heute an. Allerdings ist der außerordentliche Kommissar Regionalpräsident Occhiuto selbst.
An den strukturellen Problemen des kalabrischen Gesundheitssystems hat sich denn auch seit 2009 nicht viel geändert. Nach Angaben der Tageszeitung „Corriere della Sera“ mussten seit 2010 in der Region 18 Krankenhäuser dichtmachen. Die Verschuldung im Gesundheitssystem liegt bei 860 Millionen Euro. Vor einem Monat teilte der italienische Rechnungshof mit, dass das Defizit im Jahr 2024 bei 118,5 Millionen Euro lag. Zu alldem kommt ein chronischer Mangel an Personal. Kalabresen, die es sich leisten können, lassen sich anderswo behandeln, zumeist in Norditalien.
Kalabrien ist nicht Südamerika
Die Aufforderung der US-Regierung, die kubanischen Ärzte nach Hause zu schicken, kam von Mike Hammer, dem Geschäftsträger in der US-Botschaft in Kuba. Bei einem Besuch in Italien forderte Hammer Occhiuto auf, die Mediziner vor die Tür zu setzen.
Präsident Occhiuto weigerte sich jedoch. „Ich habe ihm gesagt, meine erste Priorität ist die Gesundheit der kalabrischen Bevölkerung. Wenn die amerikanische Regierung uns das Personal schickt, das wir brauchen, oder wenn sie uns hilft, es zu finden, könnten wir eventuell darauf verzichten, welches aus Kuba anzuheuern. Sollte das jetzige aber gehen, können wir dichtmachen.“
Präsident Trump und sein Außenminister Marco Rubio haben auch eine Reihe südamerikanischer Staaten gedrängt, Programme mit kubanischen Ärzten zu beenden oder nicht zu verlängern. Anders als Kalabrien leisteten die meisten dieser Staaten der Anweisung Folge.
Trump lobt, Meloni schweigt
Die US-Regierung begründet ihre Forderung mit der unfairen Behandlung der Mediziner durch das kubanische Regime: Die Ärzte erhalten demnach nur einen Drittel des ihnen zustehenden Lohns, etwa 1200 Euro. Den Rest kassiert der kubanische Staat. Trump dürfte es daher nicht darum gehen, die Ausbeutung der Ärzte zu beenden – er will Kuba wichtige Deviseneinnahmen entziehen.
Der Streit um die kubanischen Ärzte steht in einem seltsamen Gegensatz zum ansonsten guten Verhältnis zwischen Rom und Washington, genauer: zwischen Meloni und Trump. Normalerweise nutzt der US-Präsident jede Gelegenheit, um die italienische Regierungschefin zu loben. Erst am vergangenen Wochenende sagte Trump dem „Corriere della Sera“ am Telefon, Meloni versuche „immer zu helfen, sie erfüllt ihre Führungsrolle ausgezeichnet und ist eine Freundin“. Hintergrund waren die jüngsten Drohnenangriffe auf Zypern; als Reaktion hat Italien ein Marineschiff vor die Insel geschickt.
Meloni, die sich immer wieder gerne auch zu lokalen Themen äußert, hat zum Thema der kubanischen Ärzte bislang nichts gesagt.
Source: n-tv.de