CSU-Chef Söder fordert Rückkehr zur Atomkraft mit Mini-Kernkraftwerk in Bayern

Stand: 15.03.2026 • 09:23 Uhr

Die EU will wieder verstärkt in Atomkraft investieren. CSU-Chef Markus Söder unterstützt das auch für Deutschland – und schlägt ein Pilotprojekt in Bayern vor. In der Regierung ist das Thema jedoch umstritten.

In der Debatte über die Energiesicherheit in Deutschland wirbt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder für einen Testversuch mit einem sogenannten Mini-Atomkraftwerk. Der CSU-Chef bekräftigte in der Bild am Sonntag seine Ansicht, dass Deutschland zur Kernenergie zurückkehren sollen. „Bayern ist bereit für ein Pilotprojekt“, sagte Söder.

„Kernenergie 2.0 bedeutet kein Zurück zu alter Technik, sondern ein neues Kapitel ohne die früheren Gefahren“, sagte er. Dazu zählten neuartige modulare Kleinreaktoren und die Kernfusion, erklärte Söder. Als Brennstoff sprach er sich für die Nutzung von Atommüll aus.

Thema in der Bundesregierung umstritten

Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima vor 15 Jahren hatte Deutschland seinen Ausstieg aus der Atomenergie beschleunigt. 2023 ging der letzte Reaktor vom Netz. Zuletzt zeichnete sich innerhalb der Europäischen Union jedoch eine Kehrtwende ab. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) nannte die Abkehr von der Atomkraft zu Wochenbeginn einen „strategischen Fehler“. Zugleich kündigte sie auf einem Atomenergie-Gipfel in Frankreich neue EU-Gelder für Forschung und Investitionen in die Kernenergie an.

In der Bundesregierung aus Union und SPD ist das Thema Atomkraft umstritten. Bundeskanzler Friedrich Merz nannte den Atomausstieg „irreversibel“, äußerte aber zugleich sein Bedauern darüber. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) dagegen kritisierte die EU-Pläne zur Förderung. „Der vor 15 Jahren erreichte Atomkonsens hat unserem Land gutgetan, das sollten wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen“, sagte er. An den von CSU-Chef Söder geforderten Mini-AKW meldete er Zweifel an: „Diese kleinen Atomkraftwerke werden schon seit Jahrzehnten angekündigt, schaffen aber den Durchbruch nicht und ringen stattdessen um Subventionen.“

Großbritannien und andere unterstützen Entwicklung

Befürworter halten die sogenannten SMR-Reaktoren (auf Englisch „small modular reactor“) für eine Alternative zu herkömmlichen großen Atomkraftwerken. Sie argumentieren, dass sie einfacher und kostengünstiger zu bauen sein könnten als traditionelle Großkraftwerke. Atomkraftgegner bezweifeln das und befürchten neue Risiken durch eine Vervielfachung der Anlagenzahl, was Kontrollen erschwere. Befürchtet werden auch neuartige radioaktive Abfälle.

Derzeit treiben mehrere Länder, darunter Großbritannien, Tschechien und Polen, die Entwicklung der Mini-Atomreaktoren voran.

Source: tagesschau.de