Der Corona-Impfstoff des Herstellers Biontech ist während der Pandemie zwar milliardenfach verimpft worden, doch in einem Land sind die Mainzer und ihr Kooperationspartner Pfizer bislang nicht zum Zug gekommen: China. Das könnte sich mit dem aktuellen Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ändern. Nach Gesprächen mit Staats- und Parteichef Xi Jinping sowie Ministerpräsident Li Keqiang gab der deutsche Regierungschef am Freitag bekannt, dass man Fortschritte erzielt habe in der Möglichkeit, Biontech auch in China einzusetzen. Für sogenannte Expats, also in China lebende Ausländer, existiere nun die Möglichkeit, das in Deutschland entwickelte Vakzin zu verwenden. Dabei handelt es sich Schätzungen zufolge um eine kleine Gruppe von rund 400. 000 Personen, während in China insgesamt rund 1,4 Milliarden Menschen leben.
Scholz wertete den Schritt trotzdem als gute Botschaft und Teil einer vereinbarten engeren Zusammenarbeit in der Bekämpfung der Pandemie. Dabei soll es aber nach dem Willen des Kanzlers nicht bleiben. Man habe gleichzeitig gesprochen über das Zulassungsverfahren für den Pfizer/Biontech-Impfstoff. Dieses Verfahren zieht sich schon über viele Monate hin.
„Hier wird Beschleunigung eintreten“
Beobachter vor Ort rechneten bislang nicht damit, dass China noch seine Zustimmung erteilt, zumal die eigenen Vakzinentwicklungen in Europa ebenfalls keine Zulassung haben.
An der Börse kam die Nachricht aus Peking gut an. Der Kurs der Biontech-Aktie stieg zeitweise um 4,5 Prozent. In Peking hatte Scholz gesagt, er habe sehr dafür geworben, dass das Zulassungsverfahren für den mRNA-Impfstoff jetzt beschleunigt werde. „Und hier wird Beschleunigung eintreten, ist mir jedenfalls versichert worden“, fügte er hinzu. Seine Gesprächspartner dürfte positiv gestimmt haben, dass ihnen im Gegenzug eine Erleichterung auf dem europäischen Markt in Aussicht gestellt wurde. „Umgekehrt habe ich sehr sorgfältig dargestellt, dass das Zulassungsverfahren, das chinesische Unternehmen bei der europäischen Arzneimittelbehörde auf den Weg gebracht haben, dann zügig zu Ende gehen kann, wenn auch die letzten Fragen geklärt sind“, sagte Scholz. Die Tatsache, dass er „an den richtigen Stellen noch mal diskutiert habe, könnte dazu führen, dass das geschieht“.
China hat bisher nach westlichen Einschätzungen keinen so wirksamen Impfstoff gegen das Virus entwickelt wie die westlichen Unternehmen. Studien ergaben, dass zwei Dosen des einheimischen Vakzins Sinovac einen geringeren Schutz vor Infektionen mit schweren Verläufen oder Tod bieten als mRNA-Impfungen von Pfizer/Biontech beziehungsweise dem amerikanischen Konkurrenten Moderna . Auch fährt Peking ein andere Corona-Politik; sie ist von rigiden Maßnahmen und Lockdowns geprägt. Seit Tagen halten sich Gerüchte, wonach die Volksrepublik ihren Corona-Kurs lockern wird.
Zur Wirtschaftsdelegation, die Scholz in China begleitet, gehört auch Biontech-Chef und -Mitgründer Ugur Sahin. Das Mainzer Unternehmen wollte sich zunächst nicht äußern. Biontech hatte schon viel früher auf den Zugang zum chinesischen Milliardenmarkt gehofft. Bereits im Frühjahr 2020 hatte Sahin eine Kooperation mit dem Schanghaier Pharmaunternehmen Fosun vereinbart und bei einem Besuch ein Jahr später von der Schanghaier Parteiführung signalisiert bekommen, dass der Biontech-Impfstoff bald für das ganze Land produziert werden solle. Nachdem jedoch die chinesischen Impfstoffe nicht in der Europäischen Union zugelassen wurden, rächte sich Peking dem Vernehmen nach und ließ im Gegenzug den deutschen Impfstoff nicht zu.