Vor fast 32 Jahren wurde in Koblenz eine US-Touristin ermordet. Jetzt wurde ihr mutmaßlicher Mörder gefasst. Am Mittwoch gab die Polizei Details zur Festnahme bekannt.
Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Mord an einer US-Touristin ist Polizei und Staatsanwaltschaft in Koblenz nun der Durchbruch gelungen. Bereits am Dienstag vermeldeten die Ermittler die Festnahme eines 81-Jährigen, der dringend verdächtig ist, die damals 24-jährige Amy Lopez im September 1994 sexuell missbraucht und getötet zu haben. Er wurde am Montag verhaftet und sitzt seitdem in Untersuchungshaft in einer Justizvollzugsanstalt in Rheinland-Pfalz.
Am Mittwoch gaben Polizei und Staatsanwaltschaft in einer Pressekonferenz mehr Details zu ihren Ermittlungen bekannt. Demnach sei der 81-Jährige am Montag in einem Seniorenheim bei Koblenz festgenommen worden. Er befinde sich in einem altersentsprechenden Zustand und sei „geistig gut orientiert und einigermaßen körperlich fit“, so Mario Mannweiler, Leiter der Staatsanwaltschaft Koblenz. Er sei zwar nicht in Koblenz geboren, habe aber den Großteil seines Lebens in der Region verbracht. Strafrechtlich sei er in der Vergangenheit schon „erheblich einschlägig in Erscheinung getreten“. Bislang habe er sich nicht eingelassen, die Tat aber auch „nicht spontan bestritten“. Trotzdem sei „der Tatnachweis noch nicht abschließend geführt“. Die Ermittlungen dauerten noch an, so Mannweiler. Der Haftbefehl gehe von Mord aus Heimtücke und zur Befriedigung des Geschlechtstriebs aus.
Der Tatverdächtige hat ein langes Vorstrafenregister. 1999 wurde er vom Landgericht Koblenz wegen der versuchten Vergewaltigung einer damals 16-Jährigen zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt, die er laut Mannweiler auch vollständig verbüßt hat. Auch in den Jahren 1968, 1974 und 1986 soll er bereits verurteilt worden sein. Zu den Einzelheiten wollte sich der leitende Oberstaatsanwalt jedoch nicht äußern.
Tatverdächtiger gab freiwillige DNA-Probe ab
Schon damals sei er für den Fall Amy Lopez in den Blick genommen worden, jedoch habe es da noch keine valide DNA-Proben zum Abgleich gegeben. „Sein Alibi für die Tat von 1994 wurde überprüft, wobei eine abschließende Überprüfung nicht mehr möglich war, da entsprechende Unterlagen zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vorhanden waren“, ergänzte die leitende Kriminalhauptkommissarin Simone Roeder. Auch habe er nicht zu der damaligen Personenbeschreibung eines Zeugen gepasst. Man habe sich „auf Personen aus dem unmittelbaren örtlichen Umfeld in Koblenz-Ehrenbreitstein konzentriert sowie auf Personen, die aufgrund der damaligen Erkenntnisse stärker im Fokus standen“.
Erst im Jahr 2022 konnten durch verbesserte Methoden konkretere DNA-Spuren an der Kleidung der Toten und an Hautschuppenfragmenten extrahiert werden. Insgesamt wurden laut Staatsanwaltschaft circa 1600 Proben präpariert und mittels modernster Analysetechniken ausgewertet. Die eindeutigste Spur stamme demnach vom inneren Hosenbund der Jeanshose des Opfers. Diese soll er so ausgezogen haben, dass sie auf links gedreht war. Auch am entkleideten Oberschenkel von Amy Lopez sei eine Spur gefunden worden, die „zumindest auf den Täter hinweist“, so Mannweiler.
Wie die leitende Kriminalhauptkommissarin Simone Roeder ergänzt, seien nach einer Neustrukturierung des Falls und einer Ausstrahlung des Falls bei „Aktenzeichen XY … ungelöst“ im vergangenen Jahr Personen in den Blick genommen worden, „die bei den damaligen Ermittlungen nicht im Fokus standen“. Mehr als 200 Spurenakten seien erneut überprüft worden. Auf dieser Grundlage sei bei einer Vielzahl von Personen eine freiwillige DNA-Vergleichsprobe entnommen worden. Im Zuge dessen wurde im Januar 2026 auch dem Beschuldigten auf freiwilliger Basis eine Speichelprobe entnommen. Der anschließende Abgleich habe dann zur Identifizierung geführt.
Der Mordfall Amy Lopez
Der Cold Case Amy Lopez scheint damit nach mehr als drei Jahrzehnten aufgeklärt. Im Sommer 1994 machte die junge Amerikanerin aus Texas eine Rundreise quer durch Europa. Zusammen mit einer Reisegruppe tourte sie auch durch Deutschland. Die letzte Station war Koblenz. Am Morgen des 26. September trennte sie sich nach dem Frühstück von der Gruppe, die zurück in die USA reisen wollte. Gegen 8 Uhr bestieg die junge Frau den Bus nach Ehrenbreitstein, wo sie die Festung besichtigen und in einer Jugendherberge einchecken wollte.
Gegen 10 Uhr fanden spielende Kinder im abgelegenen General-von-Aster-Zimmer, einem damals frei zugänglichen Gemäuer etwas unterhalb der oberen Festungsanlage, Amys Leiche. Sie wurde sexuell missbraucht und starb an inneren Blutungen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde sie mit einem Stein gegen den Kopf geschlagen, mit mehreren Messerstichen traktiert und stranguliert. Ihren Slip hatte der Täter mitgenommen, genau wie einige andere Gegenstände.
Quellen: Staatsanwaltschaft Koblenz, Polizei Koblenz
Source: stern.de