Die Performance der Künstlerin Milena Jorek in der von der ARD an Heiligabend übertragenen Christmette aus Stuttgart sollte die Menschwerdung Gottes anschaulich zeigen. Wie ein riesiger Säugling hatte sich die Performerin Eleni Sismanidou in eine Krippe gelegt und mit Reispapier bedeckt.
In den sozialen Medien war die ungewöhnliche Darbietung kurze Zeit später als „Schleim-Jesus“ diffamiert worden. Einige Zuschauer hatten sich beschwert und von einer „ekelhaften“ Weihnachtsmesse gesprochen, Hörfunkpfarrer Thomas Steiger hatte in der Christmette gesagt: „So radikal wird Mensch Gott. Die Krippe zeigt einen echten Menschen dort, elend, nackt und bloß, der Mensch ist eingehüllt, weil er zart und verletzlich ist.“ Gerade in Stuttgart, wo die Kirche liege, gebe es einen Gegensatz zwischen „reicher Geschäftswelt“ und „unterschiedlichen Formen menschlicher Armut“. Er habe keinesfalls provozieren wollen.
Fast vier Wochen nach dem Gottesdienst hat der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Klaus Krämer, nun sein Bedauern über die Verletzung religiöser Gefühle ausgedrückt. Auch sei die Liturgie zu frei gestaltet worden. Krämer will Entscheidungsprozesse für Gottesdienstübertragungen jetzt besser abstimmen, um der „Sensibilität“ gerecht zu werden. Die ARD überträgt Gottesdienste nach dem Rundfunkstaatsvertrag lediglich, sie übt keinen redaktionellen Einfluss aus.
Source: faz.net