Der Smartphone-Absatz wächst nur noch langsam, eine Mehrheit nutzt die Geräte inzwischen zwei Jahre und länger. Dass die Nachfrage nach KI-Komponenten die Hardware-Preise antreibt, macht die Sache für die Hersteller noch schwieriger.
Zum dritten Mal in Folge hat Apple im vergangenen Jahr mehr Smartphones verkauft als jeder andere Hersteller der Welt – und trotzdem ist die Freude gedämpft. Laut dem Marktforschungsunternehmen Omdia wurden 2025 weltweit rund 1,25 Milliarden Smartphones abgesetzt, ein Plus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Das klingt nach gutem Geschäft, ist im Vergleich zu den sieben Prozent aus dem Jahr davor aber eine deutliche Abkühlung. „Obwohl 2025 für die meisten Anbieter insgesamt ein positives Jahr war, zeichnen sich für 2026 schwierige Zeiten ab“, sagt Runar Bjorhovde, Senior Analyst bei Omdia.
Als Hauptgrund nennt er den Gegenwind durch die Speicherpreise, der die Herstellermargen unter Druck setzen werde. Denn die Nachfrage nach KI-Servern lässt auch die Preise für die dafür nötigen Speicher explodieren.
Hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten und eine gesättigte Nachfrage in den westlichen Märkten. Die große Frage für die Branche lautet: Reicht die Begeisterung für KI im Smartphone, um Konsumenten zu einem früheren Neukauf zu bewegen? In Deutschland jedenfalls ist von Wachstum keine Spur.
Laut dem Digitalverband Bitkom werden 2026 hierzulande nur noch 18,8 Millionen Smartphones verkauft – 2022 waren es noch 21 Millionen. Das liegt unter anderem an einer wachsenden Treue der Kunden zu ihrem aktuellen Gerät. „Smartphones sind heute zunehmend länger in Gebrauch“, sagt Bitkom-Präsidiumsmitglied und Vodafone-Deutschland-Chef Marcel de Groot.
Im Schnitt nutzten die Deutschen ihr Smartphone bereits 25 Monate lang, und 45 Prozent besitzen ihr Gerät schon länger als zwei Jahre. Der Markt schrumpft also nicht, weil die Lust aufs Smartphone nachlässt – 87 Prozent der Deutschen über 16 Jahren sagen, sie können sich ein Leben ohne Smartphone nicht mehr vorstellen –, sondern weil schlicht seltener gewechselt wird.
„Das Smartphone ist für viele Menschen die wichtigste Schaltstelle im digitalen Alltag“, sagt de Groot. Auch der Preis könnte hier eine Rolle spielen: Im Schnitt kostet ein Smartphone inzwischen 646 Euro, 2024 waren es noch 627 Euro.
Der vielleicht symbolträchtigste Wandel des Jahres vollzog sich jedoch bei den Smartphone-Apps. Wie aus Zahlen des Marktforschungsunternehmens Business of Apps hervorgeht, verdrängte ChatGPT mit 770 Millionen Downloads TikTok und Instagram von der Spitze der meist geladenen Apps der Welt. TikTok folgte mit 644 Millionen, Instagram mit 521 Millionen Downloads.
Insgesamt wurden rund 142 Milliarden Apps heruntergeladen, aus dem Google Play Store dreimal so viele wie aus Apples App Store. Beim Umsatz dreht sich das Verhältnis jedoch um. Apple erwirtschaftete mit den Apps 117 Milliarden US-Dollar, Google nur 49 Milliarden Dollar.
Dass ChatGPT zur beliebtesten App der Welt aufstieg, ist kein Zufall. Smartphones werden zunehmend zur KI-Plattform. Laut Bitkom-Umfrage haben 56 Prozent der deutschen Nutzer bereits einen Chatbot auf dem Handy verwendet, 64 Prozent greifen auf KI-Sprachassistenten zurück.
Die Hersteller setzen alles daran, KI als Kaufargument zu etablieren. Ob das gelingt, ist offen – immerhin wissen 53 Prozent der deutschen Nutzer nach eigener Aussage gar nicht, welche ihrer Smartphone-Funktionen auf Künstlicher Intelligenz basieren. Und nur 33 Prozent würden für ein Gerät mit mehr KI-Funktionen auch mehr Geld ausgeben.
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und Business Insider erstellt.
Thomas Heuzeroth ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet über Verbraucher- und Technologiethemen, Unterhaltungselektronik und Telekommunikation.
Source: welt.de