Deutschland verteidigt zwar seinen Spitzenplatz hinter den USA bei europäischen Patentanmeldungen, insgesamt aber geht die Zahl der Patente leicht zurück. China stürmt auf Platz drei, bei den Firmen dominieren die Asiaten schon – bis auf zwei deutsche Ausnahmen.
Deutschland hat 2025 seine Spitzenstellung bei Patentanmeldungen beim Europäischen Patentamt (EPA) verteidigt. So liegt Deutschland europaweit an erster Stelle bei Patentanmeldungen und weltweit auf Platz zwei. Allerdings sind die Patentanmeldungen aus Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht zurückgegangen.
Diese Zahlen gehen aus dem aktuellen Index zu Patentanmeldungen des EPA, dem sogenannten EPO Technology Dashboard 2025, hervor. Der Index ist ein wichtiger Frühindikator, der Investitionen in Forschung und Entwicklung einzelner Länder veranschaulicht.
Im globalen Ranking der meisten Patentanmelder beim EPA liegen die USA an der Spitze. Im Vergleich zum Jahr 2024 sind die Patentanmeldungen der Amerikaner jedoch um 1,6 Prozent auf rund 47.000 zurückgegangen. Auf Platz zwei liegt weiterhin Deutschland, auch wenn die Patentanmeldungen beim EPA im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 2,2 Prozent zurückgegangen sind. Eine Veränderung gibt es auf Platz drei. So hat China seine Patentanmeldungen um 9,7 Prozent gesteigert und Japan (plus 1,1 Prozent) vom dritten Platz verdrängt.
„Unterstreicht Innovationskraft Europas“
Insgesamt sind die Patentanmeldungen beim EPA im vergangenen Jahr um 1,4 Prozent gestiegen und überschritten erstmals die Marke von 200.000. Die Anmeldungen aus den 27 europäischen Mitgliedsstaaten stiegen dabei um 0,7 Prozent. Die Anmeldungen aus Ländern außerhalb Europas haben um 2,1 Prozent zugenommen.
„Die Rekordzahl an Patentanmeldungen unterstreicht die Innovationskraft Europas und seine Attraktivität als globaler Technologiemarkt“, sagte António Campinos, Präsident des Europäischen Patentamts. „Das Technology Dashboard 2025 zeigt auf, welche Industrien Fortschritte erzielt haben und wo noch Lücken bestehen. Es unterstützt politische Entscheidungsträger in Europa dabei, zentrale Themen zu identifizieren sowie gezielte Maßnahmen und Investitionen zu planen, um technologische Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern“, so Campinos. Ein besonderer Fokus wäre laut Campinos in Europa auf strategische Sektoren wie KI, Halbleiter, Gesundheit und Quantentechnologien notwendig.
Zu den Top-10-Patentanmeldern beim EPA gehören zwei Konzerne aus Deutschland. So liegt der Münchener Technologiekonzern Siemens auf Platz sechs der meisten Patentanmeldungen. Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF belegt Rang acht. Die meisten Patentanmeldungen beim EPA kommen von den Konzernen Samsung (Südkorea), Huawei (China) und LG (Südkorea).
Das Ranking der deutschen Bundesländer bei den Patentanmeldungen beim EPA wird abermals von Bayern angeführt. Aus dem Bundesland kamen im Vorjahr rund 6600 Anmeldungen (27,1 Prozent). Auf den Plätzen folgen Baden-Württemberg mit rund 5300 Anmeldungen (21,8 Prozent), Nordrhein-Westfalen mit rund 4600 (18,9 Prozent), Rheinland-Pfalz mit rund 1900 (7,8 Prozent) und Hessen mit rund 1900 (7,7 Prozent). Auf Ebene der Städte behält München seine Spitzenposition als Deutschlands und Europas führende Patentstadt.
Der Index des EPA ist auch ein klarer Indikator für die globalen Technologietrends. So blieb die Computertechnik 2025 das Top-Segment bei europäischen Patentanmeldungen. Der Bereich legte um 6,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Getrieben wird das Segment dabei durch einen Anstieg KI-bezogener Technologien (+9,5 Prozent) und dem stark wachsenden Bereich der Quantentechnologien (+37,9 Prozent). Während die USA insgesamt den größten Gesamtanteil an Anmeldungen im Bereich Computertechnik verzeichnen, führen europäische Innovatoren in den Teilbereichen KI und Quantentechnologie.
Auf Rang zwei der Technologiebranchen liegt die digitale Kommunikation, einschließlich der Mobilfunknetze. Dieser Bereich verzeichnet mit einer Zunahme von 11,4 Prozent gegenüber dem Jahr 2024 zudem das schnellste Wachstum der führenden Bereiche. Dies ist auch dem globalen Wettlauf um die Entwicklung von 6G-Technologien geschuldet.
Elektrische Maschinen, Geräte und Energie belegen den dritten Platz (plus 5,3 Prozent). Der Bereich profitiert von einem starken Wachstum bei Batterieinnovationen (plus 14,6 Prozent), angeführt von Konzernen aus Südkorea, China und Japan. Die Halbleitertechnologie ist gegenüber dem Jahr 2024 um 7,6 Prozent gewachsen. Insgesamt führen europäische Innovatoren laut EPA in acht der zehn wichtigsten Technologiebereiche.
Die anmeldestärksten Technologiefelder Deutschlands im Jahr 2025 waren elektrische Maschinen, Geräte und Energie (einschließlich zahlreicher Erfindungen im Bereich sauberer Energien) mit 1.921 Anmeldungen. Allerdings gingen die Anmeldungen in dem Bereich im Vergleich zu 2024 um 5,4 Prozent zurück.
Zurückgegangen sind die Patentanmeldungen auch im Bereich Transport inklusive dem Automobilsektor (minus 9,1 Prozent). Trotz des Rückgangs bleibt Deutschland im Bereich Transport führend beim EPA und macht 17,6 Prozent aller europäischen Patentanmeldungen in diesem Sektor aus. Das ist der größte Anteil aller Länder.
Einen starken Zuwachs verzeichnen deutsche Patentanmeldungen beim EPA im Bereich der Computertechnik. Dieser Bereich legte 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 10,3 Prozent zu. Damit übertreffen die deutschen Patentanmelder das Wachstum aus China und den USA, wenngleich diese Länder in absoluten Zahlen jedoch weiterhin vorn bleiben.
Siemens (Rang 5), Robert Bosch (Rang 11) und die Fraunhofer-Gesellschaft (Rang 14) gehören in der Computertechnik zu den Top 15 Anmeldern beim EPA. Das stärkste Wachstum bei den Anmeldungen aus Deutschland kommt aus dem Technologiefeld Motoren, Pumpen, Turbinen, das um 19,2 Prozent zugelegt hat, wenn auch von einem niedrigeren Ausgangsniveau.
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.
Andreas Macho ist WELT-Wirtschaftsreporter.
Source: welt.de