Chef des Weltwirtschaftsforum tritt wegen Epstein-Affäre zurück

Stand: 26.02.2026 • 14:35 Uhr

Nach Bekanntwerden seiner Kontakte zu Jeffrey Epstein tritt Børge Brende als Chef des Weltwirtschaftsforums zurück. Laut den Epstein-Akten hatte Brende mehrere Abendessen mit dem Sexualstraftäter.

Im Zusammenhang mit dem Skandal um den verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ist der Präsident des Weltwirtschaftsforums (WEF), Børge Brende, zurückgetreten. Er teilte mit, sich „nach sorgfältiger Abwägung“ zu dem Schritt entschieden zu haben.

Nach acht Jahren im Amt sei er „zu dem Schluss gekommen, dass sowohl das WEF als auch ich am meisten davon profitieren, wenn ich nun den Stab an jemand anderen weiterreiche“, sagte Brende der Zeitung Dagens Næringsliv. Der Fall Epstein könne leicht die Aufmerksamkeit von der wichtigen Arbeit des Forums ablenken.

Brende hatte Kontakt zuvor bestritten

Eine „externe Überprüfung“ habe jedoch nichts aufgedeckt, was „nicht bereits bekannt und in den Medien gründlich behandelt worden“ sei. Das WEF hatte Anfang des Monats eine unabhängige Untersuchung der Verbindungen von Brende zu Epstein angekündigt.

Zuvor hatte das US-Justizministerium zahlreiche weitere Dokumente zum Fall Epstein veröffentlicht. Dabei war bekannt geworden, dass Brende mit Epstein Kontakt hatte. Demnach hatte er mehr als 100 Nachrichten mit ihm ausgetauscht und drei Abendessen mit Epstein, unter anderem auch mit Steve Bannon, dem ehemaligen Berater von US-Präsident Donald Trump.

Brende hatte zunächst bestritten, Kontakt mit Epstein gehabt zu haben. Später gab er dann zu, im Jahr 2018 und 2019 mit dem US-Finanzier zu Abend gegessen zu haben – also zu einem Zeitpunkt, als Epstein bereits rechtskräftig wegen Missbrauchs im Jahr 2008 verurteilt worden war und eine Haftstrafe abgesessen hatte.

Der Sender TV2 berichtete, dass Brende Epstein mehrere SMS geschickt hatte. Brende sagte dem Sender, er erinnere sich an die Nachrichten nicht. Zudem habe er nichts von Epsteins Machenschaften und seiner Vergangenheit gewusst.

Wer war Jeffrey Epstein?

Jeffrey Epstein war ein US-amerikanischer Finanzmanager und Multimillionär, der vor allem durch den Aufbau eines massiven Missbrauchsnetzwerks bekannt wurde. Er wurde 1953 in Brooklyn, New York, geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Epsteins Eltern gehörten der Mittelschicht an. Sein Vater arbeitete für die Stadt New York, seine Mutter war Hausfrau.

Nach einem Studium ohne Abschluss arbeitete Epstein in den 1970er-Jahren als Lehrer an einer Elite-Privatschule in Manhattan. Über Kontakte wechselte er später in den Finanzsektor. Dort machte er rasch Karriere, zunächst bei einer Investmentbank. Wie genau er sein Vermögen aufbaute, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Bekannt ist, dass er als Vermögensverwalter für wohlhabende Kunden tätig war. Er pflegte einflussreiche Netzwerke zu Spitzenpolitikern, Unternehmern, Wissenschaftlern und Prominenten.

Zu seinem Besitz gehörten mehrere Luxusimmobilien, darunter auch eine Privatinsel auf den Virgin-Islands, bekannt als „Little Saint James“. Nach Aussagen von Opfern soll die Insel ein zentraler Ort für die sexuellen Übergriffe gewesen sein. Eine wichtige Rolle dabei spielte Epsteins Vertraute Ghislaine Maxwell, die ihm half, junge Frauen und Minderjährige für ihn anzuwerben, zu kontrollieren und zu missbrauchen.

Bereits in den 1990er-Jahren gab es erste strafrechtliche Beschwerden gegen Epstein wegen sexueller Übergriffe. 2008 wurde er als Sexualstraftäter verurteilt. Er hatte sich vor einem US-Gericht unter anderem schuldig bekannt, eine Minderjährige zur Prostitution angestiftet zu haben. Er erhielt eine 18-monatige Haftstrafe, von der er etwa 13 Monate verbüßte. Durch einen umstrittenen Deal konnte er die meiste Zeit davon außerhalb des Gefängnisses verbringen.

2019 wurde Epstein wegen schwerer Vorwürfe erneut verhaftet. Kurz danach wurde er erhängt in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden, bevor es zu einem Strafprozess kommen konnte.

Untersuchungen zu Verstrickungen in Norwegen

Brende war von 2013 bis 2017 Norwegens Außenminister und seit 2017 Präsident des WEF, das jährlich das berühmte Treffen im Schweizer Davos ausrichtet. Davor war er lange Abgeordneter der konservativen Partei Norwegens sowie Umwelt- und Handelsminister.

Der Kontrollausschuss des norwegischen Parlaments hatte zuletzt eine unabhängige Untersuchung zu den Verstrickungen der außenpolitischen Elite Norwegens in den Epstein-Skandal angekündigt. Eine Untersuchungskommission soll den Fall und die Arbeitsweise des Auswärtigen Dienstes in den vergangenen Jahren unter die Lupe nehmen.

Politiker, Diplomaten und Kronprinzessin

Wegen ihrer Kontakte zu dem US-amerikanischen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein stehen der norwegische Ex-Regierungschef und frühere Generalsekretär des Europarats, Thorbjørn Jagland, die bisherige Botschafterin in Jordanien und dem Irak, Mona Juul, und ihr Mann, der frühere Topdiplomat Terje Rød-Larsen, bereits im Fokus der Behörden. Gegen alle drei laufen Ermittlungen wegen des Verdachts auf schwere Korruption.

Auch die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit taucht in den jüngsten Akten prominent auf. Sie soll über Jahre privaten Kontakt zu dem Sexualstraftäter gehabt haben. Für ihre Freundschaft zu Epstein hat sich die 52-Jährige schriftlich entschuldigt.

Was sind die Epstein-Files?

Die sogenannten Epstein-Files bezeichnen eine umfangreiche Sammlung von Dokumenten, Zeugenaussagen und Gerichtsunterlagen rund um den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Der US-Multimillionär soll über Jahre hinweg ein Netzwerk zum sexuellen Missbrauch junger Frauen und Minderjähriger aufgebaut haben. Epstein wurde 2019 erhängt in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden, bevor es zu einem Strafprozess kommen konnte.

Im Mittelpunkt der Epstein-Files stehen Gerichtsakten aus Zivilprozessen, vor allem aus einem Verfahren der Epstein-Vertrauten Ghislaine Maxwell, die 2021 wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch verurteilt wurde. Viele dieser Unterlagen waren lange unter Verschluss. Anfang 2024 ordnete ein US-Gericht an, zahlreiche Dokumente öffentlich zugänglich zu machen. Es folgten weitere Veröffentlichungen.

Die Akten enthalten unter anderem Aussagen von Opfern und Zeugen, E-Mails, Fotos, Videos sowie Namen von Personen, die mit Epstein in Kontakt standen. Darunter finden sich Prominente aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die bloße Nennung eines Namens bedeutet keine Schuld. Zahlreiche Personen werden lediglich erwähnt, ohne dass ihnen strafbares Verhalten vorgeworfen wird.

Die Akten belegen, wie weitreichend Epsteins Kontakte waren und wie er offenbar seinen Reichtum und Einfluss nutzte, um sich und andere Beteiligte zu schützen. Zugleich zeigen sie, dass Justizbehörden schon früh Hinweise auf mögliche Straftaten Epsteins hatten. So meldeten sich bereits Anfang der 2000er-Jahre mehrere junge Frauen bei Polizei und Staatsanwaltschaft, ohne, dass es zu einer umfassenden Strafverfolgung kam. Eine vollständige Aufarbeitung steht bis heute aus.

Mit Informationen von Kathrin Hondl, ARD Genf.

Source: tagesschau.de